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Trittschall. Ein Lösungsansatz bei fehlender Bretterverschalung k önnen t Schwalbenschwanzplatten sein. Abbildung: Duofor

Boden

25. January 2011 | Teilen auf:

Zwischen den Räumen

Estrich - Welche Estriche eignen sich für Holzbalkendecken bei der Sanierung von Altbauten? Wer hinsichtlich Brand- und Schallschutz Erfolge erzielen will, sollte die Konstruktionsmöglichkeiten überdenken und dem Bedarf anpassen. Der Beitrag von Dr. Alexander Unger geht auf dieses Problem ein und stellt dazu verschiedene Estrichvarianten auf Holzbalkendecken vor. (Abbildung: Duofor)

Fußbodenkonstruktion auf Holzbalkendecken stellen verschiedene Anforderungen. In erster Linie benötigen sie eine geeignete Lastverteilungsplatte, auf die problemlos jeder Bodenbelag aufgebracht werden kann. Ein gewisser Schallschutz sollte gewährleistet sein, gerade im Geschosswohnungsbau. Im Übrigen muss der konstruktive Wärmeschutz gemäß DIN 4108 bzw. müssen die errechneten Werte resultierend aus der Energieeinsparverordnung erfüllt werden. Es sind weiterhin brandschutztechnische Anforderungen zu beachten.

Die Crux aber ist: Wenn wir uns im Altbau befinden, sollte die gesamte Fußbodenkonstruktion am besten nicht mehr als 3cm auftragen und so gut wie nichts wiegen, trotzdem aber alle vorgenannten Anforderungen erfüllen. Dies ist in der Regel aber kaum möglich.

Was aber ist nun die geeignete Lastverteilungsschicht auf einer Holzbalkendecke? Ein Blick auf die einzelnen Möglichkeiten im Detail hilft, verschiedene Situationen zu bewerten.

Spanplatten auf Schüttungen

Der Aufbau Spanplatten auf Schüttungen hat sicher den Vorteil, dass die Konstruktionshöhe im Allgemeinen niedrig gehalten werden kann, wenn keine hohen Ausgleichsmaßnahmen für eine geeignete Ebenheit notwendig sind. Das zusätzlich aufgebrachte Gewicht ist ebenfalls sehr gering. Die notwendige Diffusionsoffenheit ist dann gegeben, wenn geeignete Schütt- und Abdeckmaterialien mit niedrigen sd-Werten verwendet werden.

Die Spanplatten können jedoch empfindlich auf differierende Luftfeuchtigkeitsverhältnisse reagieren und dadurch zu Verwerfungen neigen (insbesondere wenn die Verarbeitungsregeln nicht genauestens beachtet werden). Bei geeigneter Ausführung können die Standardbodenbeläge mit Ausnahme von keramischen Fliesen aufgebracht werden, die ich auf Holzwerkstoffplatten nicht empfehle. Die Mankos dieser Konstruktion bestehen darin, dass die gewünschten Schalldämmwerte und ein geeigneter Brandschutz ohne weitere Maßnahmen kaum zu erreichen sind.

Zudem kann es bei ungeeigneter Verdichtung der Schüttmaterialien zu "Wanderungen" derselben durch Pumpvorgänge kommen, was dann zu einer Erhöhung der Ränder und im Extremfall zur Schiefstellung von Möbeln (z.B. Schränken) führen kann. Deshalb sollten nur im eingebauten Zustand gebundene Schüttungen verwendet werden.

Fertigteilestrich auf Schüttungen

Die Aufbauhöhe wird gegenüber der Spanplattenkonstruktion bei Fertigteilestrichen auf Schüttungen ein wenig ansteigen, Gleiches gilt für das Gewicht pro Quadratmeter. Einem Brand halten diese Estriche, abhängig vom letztlich verwendeten Material für die Lastverteilungsplatte, im Allgemeinen besser Stand als Spanplatten. Es können in der Regel alle Standardbeläge aufgebracht werden, wobei es möglicherweise auch hier Einschränkungen bei der Platzierung von Stein- und keramischen Belägen gibt. Es sollten Kleinformate mit < 10 × 10 cm und Großformate > 40 × 40 cm vermieden werden.

Es ist zu empfehlen, möglichst dicke Fliesen zu wählen, damit es bei Verformungen des Fertigteilestrichs nicht so leicht zu Brüchen kommt. Der Nachteil besteht darin, dass die gewünschten Schalldämmwerte (materialabhängig) nur schwer zu erreichen sind. Ansonsten weisen Fertigteilestriche ähnliche Eigenschaften wie die Spanplatten auf.

Gussasphaltestrich

Lastverteilungsplatten aus Gussasphalt werden von jeher gerne für Altbauten verwendet, bei denen die Aufbauhöhe meist entsprechend gering ist. Tatsächlich kann diese, allein auf den Estrich bezogen, auf circa 3cm reduziert werden, wobei das Gewicht pro m2 dann relativ niedrig ist. Dies ist natürlich hinfällig, wenn Unebenheiten des Untergrundes mit dem Gussasphalt ausgeglichen werden sollen. Gussasphalt wird als schwer entflammbar eingestuft, kann sich als Thermoplast bei Erwärmung jedoch verformen. In diesem Zusammenhang reagiert er insbesondere empfindlich auf Punktlasten.

Gerade wenn die Bitumenanteile entsprechend erhöht wurden, ist es in der Vergangenheit zu Eindrückungen bzw. Einsinkungen z.B. von Regalfüßen gekommen. Der freie Diffusionsaustausch zwischen den Geschossen wird eingeschränkt, da Gussasphalt in üblicher Dicke als praktisch dampfdicht (sd ≥ 1500m) anzusehen ist. Der große sd-Wert kommt bei diesem Estrich durch eine hohe Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl in Verbindung mit einer relativ großen Schichtdicke (im Verhältnis z.B. zu einer PE-Folie) zustande. Wenn sich also in einem Geschoss Feuchträume befinden und die Abführung der feuchtigkeitsangereicherten Luft nicht zu jedem Zeitpunkt gewährleistet ist, so ist aus meiner Sicht von der Einbringung eines Gussasphaltestrichs ohne weitere Maßnahmen abzuraten.

Hinweisen muss man auch auf die notwendige Verarbeitungstemperatur von bis zu 230 Grad Celsius, die zu Wärmespannungen besonders an Fenstern führen kann. Die Räume sind so zu belüften, dass keine übermäßig hohen Raumtemperaturen entstehen. Bei fachgerechter Abstreuung des Gussasphalts können alle Standardbeläge aufgebracht werden. Durch sein plastisches (auch viskoelastisch genanntes) Verhalten weist der Gussasphaltestrich einen verhältnismäßig guten Trittschallschutz auf. Man spricht hier auch häufig von einer ‚inneren Dämpfung.

Calciumsulfat-Fließestrich

Im Zuge der vermehrten Verwendung von Calciumsulfat-Fließestrichen liegt

die Überlegung nahe, diese auch auf Holzbalkendecken und im Altbau einzusetzen. Begründung hierfür ist, dass man gegenüber konventionellen Estrichen 5 bis 10 mm an Dicke einsparen kann und damit eine etwas kleinere Auflast erzielt. Sehr dünne Fließestriche sind jedoch verhältnismäßig anfällig für Rissbildung bei Folienfalten. In Sachen Brandverhalten ist der Calciumsulfat-Fließestrich mit dem Zementestrich vergleichbar.

Die Schwierigkeit beim Einsatz auf Holzbalkendecken liegt darin, dass der Fließestrich, wie bereits erwähnt, eine dicht verschweißte Unterlage benötigt, um die Unterkonstruktion vor Durchfeuchtung zu schützen. Dies führt dann eventuell zu den bereits aufgezeigten Problemen. Zudem besteht bei fließfähigen Estrichen immer eine gewisse Gefahr, dass Flüssigkeit aus dem Mörtel durch eine nicht geeignet verbundene Abdeckung in die Unterkonstruktion eindringt.

Ansonsten können auf den Calciumsulfat-Fließestrich nach erfolgter Oberflächenvorbehandlung (Anschleifen, Grundieren und Spachteln) die Standardbeläge verlegt werden. In Bezug auf großformatige Platten sind ähnliche Maßnahmen, wie beim folgenden Steinholzestrich beschrieben, zu empfehlen. Bei gleicher Dämmung wird er aufgrund geringerer Gesamtmasse einen leicht ungünstigeren Schalldämmwert aufweisen als ein konventioneller Estrich. Für Räume mit Nassbelastung ist der Estrich wegen mangelnder Feuchteresistenz ohne weitere Maßnahmen nicht geeignet.

Magnesiaestrich als Steinholzestrich

Der klassische Anwendungsbereich für Magnesiaestrich ist in diesem Zusammenhang die Verlegung als Steinholzestrich nach DIN 272 mit organischen und mineralischen Zuschlägen. Organische Füllstoffe sind z.B. Sägespäne oder Sägemehl, mineralische Füllstoffe sind Sand bzw. auch Quarzsand. Diese Zuschläge sollen im fertigen Mörtel raumfüllend wirken und beeinflussen außerdem maßgeblich die Eigenschaften des erhärteten Mörtels wie Festigkeit, Erhärtungszeit und Wärmeleitzahl.

Höhere Temperaturen beschleunigen den Reaktionsablauf nach der Verlegung, während hohe relative Luftfeuchtigkeiten die Verdunstung stark verlangsamen und dadurch auch den Reaktionsvorgang verzögern. Die zur Verarbeitung in den Estrichmörtel gelangte Wassermenge muss gut verdunsten können. Daher liegt der Temperaturbereich bei der Estrichverlegung zwischen + 5 und + 25 Grad Celsius.

Der am häufigsten anzutreffende Aufbau ist die Verlegung im Verbund, wobei eine Ausführung auch als schwimmende oder Trennschichtkonstruktion möglich ist. Die Mörtelzubereitung erfolgt maschinell an der Baustelle mit Hilfe eines Zwangsmischers, was den Mischvorgang intensiver macht. Gefördert wird das Material mit der Hilfe von Druckluftpumpen. Durch die geringe Rohdichte und Schichtdicken von 2 cm wird verhältnismäßig wenig Gewicht (ca. 18 bis 32 kg/m2) auf die Unterkonstruktion aufgebracht. Dies wirkt sich auch positiv auf die verbleibende Raumhöhe aus. Durch die geringe Konstruktionshöhe werden Schwellen oder Stufen (bedingt durch Höhensprünge) weitgehend vermieden. Auch das Knarren vorhandener Holzböden kann auf diese Weise wirksam vermindert werden.

Steinholzestrich hat eine geringe Wärmeableitung

Wegen seines natürlichen Holzcharakters und durch die verhältnismäßig geringe Wärmeableitung wird das Begehen des Steinholzestrichs häufig als angenehm empfunden. Der Estrich kann Deckendurchbiegungen in einem gewissen Umfang aufnehmen. Das Brandverhalten ist wegen des Anteils an organischen Bestandteilen noch durch Prüfungen zu ermitteln (einige Experten vermuten eine Einstufung als schwer entflammbar "B1" Stand 04/2007). Bevor Bodenbeläge aufgebracht werden, erfolgt auch hier eine CM-Messung (bei der Verbundvariante ca. nach zwei Wochen). Es können alle Standardbodenbeläge aufgebracht werden, wobei die raue Estrichoberfläche einen Mehrverbrauch an Grundierung und Spachtelmasse zur Konsequenz hat.

Bei der Verlegung von großformatigen Platten auf keramischer oder Steinbasis sollten diese Estriche durch geeignete Grundierungen (i.d.R. auf Reaktionsharzbasis wie EP) vor Feuchte geschützt werden. Der Estrich kann in Verbindung mit einer geeigneten Verbundabdichtung in häuslichen Bädern ohne Bodenablauf (Feuchtigkeitsbeanspruchungsklasse 1) verlegt werden. Für Räume mit Dauernassbelastung ist er wegen mangelnder Feuchteresistenz nicht geeignet. Es ist bei großen Plattengrößen durchaus sinnvoll, Verlegemörtel mit effektiver (kristalliner) Wasserbindung einzusetzen. Solche Platten lassen Klebstoffmörtelfeuchte wegen des geringeren Fugenanteils langsamer ausdiffundieren, was zu Problemen führen kann, wenn diese nicht geschützt werden. Die Estrichoberfläche kann dann erweichen und zum Lösen der Platten führen.

Erst ergänzende Maßnahmen führen zum Mindestschallschutz

Wird der Estrich im Verbund aufgebracht, gibt es auch i.d.R. keine Probleme mit dem Diffusionsverhalten. Die vorhandene Dielung auf der Holzbalkendecke wird grundiert und mit Pappstiften abgenagelt. Darauf wird der Estrich im Verbund aufgebracht. Beim Begehen entsteht der Eindruck eines massiven Fußbodens, wodurch dem bei Leichtkonstruktionen manchmal beobachteten "Barackeneffekt" (unter Schallgesichtspunkten) vorgebeugt wird.

Durch die Verlegung im Verbund ist die Trittschalldämmung durch diese Konstruktion nicht planbar zu verbessern, auch wenn dem Material eine "innere Dämpfung" wie bei Gussasphaltestrich nachgesagt wird. Aufgrund fehlender Masse in der Unterkonstruktion ist auch bei einer Verlegung als schwimmender Estrich auf Trittschalldämmung der Mindestschallschutz nicht immer ohne weitere Maßnahmen (Unterdecken etc.) zu erreichen.

Das Verlegen dieser Estriche erfordert handwerkliches Geschick und ausreichende Erfahrung, weshalb diese Technik derzeit nur von wenigen Betrieben in Deutschland angeboten wird.

Zementestrich

Der schwimmende Zementestrich sollte, geht man von der Festigkeitsklasse C25-F4 aus, eine Mindestdicke von 45mm haben. Das Gewicht beträgt dann 90kg/m2. Es ist meiner Erfahrung nach zu empfehlen, einen Estrich auf Holzbalkenkonstruktionen wegen möglicher Spannungen aus Deckendurchbiegung mit Stahlfasern zu bewehren. Zementestriche erreichen die Euroklasse Afl und liefern in keiner Brandphase einen Beitrag. Die Abdeckung der Dämmschicht muss nicht verschweißt werden und kann deshalb aus diffusionsoffenen Materialien bestehen.

Es können alle Standardbodenbeläge aufgebracht werden, ohne dass bei richtiger Verarbeitung umfangreiche Untergrundvorbereitungsarbeiten notwendig sind. Wenn dieser Estrich mit Schalldämmstoffen niedriger dynamischer Steifigkeit (z.B. Mineralwolle) kombiniert wird, weist er nach dem Masse-Feder-Prinzip einen guten Schallschutzwert auf.

Lösung ohne Bretterschalung

Wenn die Holzbalken als oberen Abschluss keine Dielen oder Bohlen aufweisen, kann es sinnvoll sein, freitragende Schwalbenschwanzbleche mit einer Profilhöhe von 16 mm quer zu den Holzbalken zu verlegen. Eventuelle Schüttungen zwischen den Holzbalken können ohne weiteres verbleiben, wobei vor Aufbringung der Schwalbenschwanzbleche die Verlegung einer Trittschalldämmung vollflächig oder streifenweise über den Holzbalken möglich ist.

Der Hersteller empfiehlt i.d.R., die Schwalbenschwanzprofile dann mit einer Oberflanschüberdeckung von 35mm mit Zementestrich auszugießen Eine weitere Bewehrung ist nicht notwendig, da die Schwalbenschwanzprofile als solche angesetzt werden dürfen. Es ergibt sich somit eine Gesamtaufbauhöhe (Profil + Estrich ohne Dämmung) von 50 bis 55mm.

Es ist zu raten, im Sinne möglichst hoher Diffusionsoffenheit die kleinflächigen Profilplattenformate zu verwenden, da diese einen höheren Fugenanteil aufweisen. Sicherheitshalber kann bei technischer Machbarkeit daran gedacht werden, über Räumen mit höherer Luftfeuchtigkeit unterhalb der Holzbalkendecke zusätzlich eine Dampfsperre anzubringen.

zuletzt editiert am 23.02.2022