Quelle: T+A

AusbauNews

02. August 2022 | Teilen auf:

Zurück zum Meister-Handwerk

Die Herauslösung des Trockenbaus aus der Handwerksordnung vor etwa 20 Jahren hat der Branche nicht gutgetan. Seit geraumer Zeit versucht der BIG Trockenbau und Ausbau deshalb Wege auszuloten, die eine Aufwertung des Trockenbaumeisters und eine Gewerke-Harmonisierung im Ausbau bewirken. Auf der Mitgliederversammlung des BIG Ende Juli in Amorbach zeigten sich erste Fortschritte.

Mehr als zwei Jahre alt war die Einladung von OWA an den BIG zu einer Mitgliederversammlung am Stammsitz in Amorbach, doch jetzt erst konnte – pandemiebedingt – die Idee wahrgemacht werden. Karl Schlichter, 1. Vorsitzender des BIG, bedankte sich persönlich bei Maximilian von Funck, Geschäftsführer des Herstellers, für diesen langen Atem und verwies in seiner Begrüßung auf die außergewöhnliche Vielzahl der Herausforderungen, vor denen die Bauwirtschaft in den letzten beiden Jahren gestellt wurde. „Trotz allem“, resümierte Schlichter, „geht es der Bauwirtschaft noch vergleichsweise gut. Wir sollten deshalb alle zuversichtlich in die Zukunft schauen und diese auch mutig gestalten.“

Dr. Bettina Schwegmann (Quelle: T+A)

Dr. Bettina Schwegmann, Geschäftsführerin des BIG Trockenbau und Ausbau, nahm diese Steilvorlage auf und informierte die Mitglieder über die Zusammenarbeit mit dem BVB Bundesverband Brandschutz e.V., mit dem man seit Anfang des Jahres eine gemeinsame Geschäftsstelle betreibt. Eine ähnliche Mitgliederstruktur und sehr ähnliche Ziele legten diese strategische Partnerschaft nahe. Dr. Schwegmann verwies dabei auf ihre vielfachen Gespräche gerade mit politischen und behördlichen Vertretern: „Der Brandschutz verlangt Kompetenz zur Abwehr von Gefahren. Er ist deshalb ein wichtiges Argument für die Einführung eines Trockenbaumeisters in der Anlage A der Handwerksordnung. Kommt die Sprache auf den Brandschutz, befürwortet dies jeder.“

„Wir wollen anderen Gewerken nichts wegnehmen“

Doch der Weg (zurück) zur Handwerksordnung ist für den Trockenbau weit. Zwar bestätigt ein Gutachten des renommierten Experten Prof. Martin Burgi von der Universität München, dass die Einführung eines verbindlichen Trockenbaumeisters in Einklang stehe mit dem Verfassungsrecht und dem europäischen Recht, doch wie genau die Positionierung dieses Trockenbaumeisters im Konzert der anderen Gewerke zu bewerkstelligen ist, bedarf vieler Abstimmungsgespräche. Dr. Schwegmann dazu: „Ganz wichtig ist dabei die Botschaft, dass wir den anderen Gewerken nichts wegnehmen wollen!“

Rege Diskussion zur Branchenpolitik (Quelle: T+A)

Dem BIG sei es wichtig, dass bei diesem Prozess das Verhältnis zu den anderen Gewerken geregelt sei, so Dr. Schwegmann. Ein vielversprechender Vorschlag sieht etwa vor, dass sich etwa ein Zimmermeister, der ja den Trockenbau mit im Ausbildungsspektrum hat, künftig auch Trockenbaumeister nennen darf. Der umgekehrte Weg ist dabei aber ausgeschlossen, da Trockenbauer keine ausgewiesene Holzkompetenz in der Ausbildung hätten. Dr. Schwegmann: „Aus unserer Sicht ist das ein Vorteil für die anderen Gewerke.“ Auch Prof. Burgis juristisches Gutachten bestätigt die rechtlich Umsetzbarkeit dieses Vorschlags.

Allerdings habe dieser Weg auch seine Bedingungen. So müssten bei der Einführung eines handwerklichen Trockenbaumeisters künftig auch Nachunternehmer eine Trockenbau-Qualifikation nachweisen, wenn sie in Meister-Vorbehaltsbereichen arbeiten! Wer Qualität als Marktregulator will, muss sie auch nachweisen und liefern. Zudem sei handwerksrechtlich dann eine neue verbandliche Organisation erforderlich. „Wir müssen dann auch eine wie auch immer geartete Innungsstruktur aufbauen“, erklärte Dr. Schwegmann und brachte zunächst die Idee einer „Bundesinnung“ ins Gespräch.

Derzeit sei man mit allen wichtigen Partnern auf Seiten der Verbände, Vereine, Interessengruppen, Lobbygruppen, den Handwerksverbänden und den Behörden sowie der Politik im Gespräch. Dass der gesamte Weg bis zur Wiedereingliederung in die Handwerksordnung weit sein wird, daran ließ der BIG-Vorstand keinen Zweifel. Ein Erfolg sei sicher nicht in den kommenden Jahren, eher im nächsten Jahrzehnt zu erwarten.

Form Zukunft Trockenbau ist nächstes Event-Highlight

Quelle: MOA/BIG

Der BIG stellte zudem Details zum kommenden Großereignis, dem Forum Zukunft Trockenbau vor. Die Veranstaltung vom 15.-16. September in Berlin ist von den Ausstellungsflächen bereits komplett ausgebucht. Aktuelle Programmdetails sind im Netz zu finden ( www.zukunft-trockenbau.de). „Das ist keine Small-Talk-Veranstaltung“, erklärte Prof. Jochen Pfau, der selbst dort referieren wird. „Da werden Sie aus den Workshops und Foren definitiv etwas mitnehmen können.“

Zudem stellte der BIG eine neue Weiterbildung für Trockenbaukräfte der Unternehmen vor. Diese Weiterbildung wird zusammen mit dem WIR für Ausbau und Trockenbau e.V. vom 10.-12. Oktober 2022 in Göttingen stattfinden.

Ebenso wurden im Rahmen der Mitgliederversammlung auch die in letzter Zeit neu hinzugekommenen Mitglieder begrüßt und dürften sich kurz vorstellen. Hierzu zählen:

  • Rueckert Akustik & Trockenbau, Königswinter
  • Trockenbau Lobenz GmbH & Co. KG, Zenting
  • Udo Struensee, Sachverständiger, Essen
  • Germerott Innenausbau GmbH & Co. KG, Gehrden
  • Conpro Innenausbau GmbH, Pleiskirchen
  • Drywalltec GmbH, Bad Feilnbach/Au
  • Manfred Schäfer, Sachverständiger, Mönchengladbach
  • Formkonzept Sporbert, Chemnitz
zuletzt editiert am 02.08.2022