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Plattenstapel alter zurückgenommener Platten

Akustik

25. November 2014 | Teilen auf:

Vorstoß beim Recycling

Armstrong bietet ab sofort in Deutschland das Recyceln von alten, sauberen Deckenplatten an. Konzeptuell neu bei diesem Vorstoß ist, dass auch Deckenplatten anderer Hersteller genommen werden – sofern sie durch Armstrong-Produkte ersetzt werden.

Armstrong als einer der großen internationalen Hersteller von akustischen Decken- und Wandsystemen sowie von Unterkonstruktionen prescht an den in Deutschland deutlich präsenteren Wettbewerbern vorbei mit einem ersten Konzept für das Recyceln von Deckenplatten. Diese müssen „sauber“ und „nicht kontaminiert“ sein. Letzteres bedeutet vor allem, dass die Deckenplatten nicht überstrichen oder sonst wie unsachgemäß behandelt werden sein dürfen. Dann – und das ist das Neue am Konzept – nimmt Armstrong auch die Deckenplatten anderer Hersteller mit zurück.

Armstrong will damit aber kein neues Geschäftsmodell initiieren. Dirk Egel, Vertriebsleiter des Deckenherstellers in Deutschland stellt klar: „Wir wollen keinen Geschäftsbereich Recycling eröffnen, sondern in erster Linie neues Material für Projekte liefern.“ Ergo wird Armstrong nur Recyclingmaterial annehmen, wenn man auch neue Platten für das Objekt liefert.

Und es gibt noch eine ganze Reihe anderer Bedingungen. So müssen die Deckenplatten im gängigen Nassverfahren oder auf Basis von Glas- oder Steinwolle hergestellt worden sein. Ebenso dürfen die Platten nicht vor dem 1.1.2000 produziert worden sein, denn im Zuge der Faserdiskussion Mitte der 1990-er Jahre stellten die Hersteller ihre Produktion zum Ende jenes Jahrzehnt auf so genannte „biolösliche“ Mineralwolle um. Ältere Fasergenerationen unterliegen deshalb heute anderen Entsorgungsbestimmungen.

Eine wichtige Rolle spielt die Rezeptur des Plattenmaterials auch für den Recyclingprozess. Wie viel und welches Altmaterial der Produktion neu zugeführt wird, entscheiden am Ende die Ingenieure im Armstrong-Werk in Münster. Eine Verschlechterung des neu produzierten Materials ähnlich wie bei Recyclingpapier schließt Dirk Egel definitiv aus: „Gerade das ist Teil unseres Know-hows. Unsere Ingenieure haben einen Weg gefunden, bei dem sie trotz Verwendung eines hohen Anteils an Altmaterial den neu produzierten Deckenplatten alle bisherigen Eigenschaften in vollem Umfang zusichern können.“ Armstrong selbst spricht von einem möglichen Recyclinganteil von bis zu 82 %.

Das Konzept sieht vor, dass die Ausbauunternehmen das Altmaterial sortenrein rückbauen und auf Paletten gestapelt zum Abtransport bereit stellen. Sie verpflichten sich zudem, das Material zu prüfen und stehen für die Richtigkeit der dokumentierten Angaben. Schummeln lohnt sich dabei für die Ausbaubetriebe nicht. „Falls wir feststellen, dass das Material nicht der Dokumentation entspricht, behalten wir uns vor, es nicht anzunehmen oder auf Kosten der Betriebe zu entsorgen“, zeigt Egel auch klare Kante.

Im Gegenzug verspricht der Deckenhersteller eine „kostenneutrale“ Abholung des Altmaterials. Was das im Einzelnen bedeutet, erläuterte der Vertriebsleiter in einem Interview mit TA. Doch er schränkte auch ein: „Nicht jedes Objekt eignet sich gleichermaßen für das Recyclingkonzept.“ Jedes einzelne Objekt müsse im Einzelnen betriebswirtschaftlich von Ausbaubetrieben und Armstrong geprüft werden. Dies solle gemeinschaftlich zwischen den Partnern berechnet werden.

Ein erstes Versuchsobjekt wurde im Oktober 2014 abgeschlossen. Weitere sollen möglichst rasch folgen. Der Fachhandel soll ab 2016 mit einbezogen werden. Bislang hätten einige Fachhändler sehr interessiert reagiert und bereits die Kooperation bei weiteren Versuchsobjekten angeboten. Andere seien noch skeptisch.

Ein Interview mit Armstrong Vertriebsleiter Dirk Egel lesen Sie in TA 11/2014.

Broschüre: Das Armstrong Recyclingkonzep t

zuletzt editiert am 23.02.2022