Boden

25. January 2011 | Teilen auf:

Von unten her

Sowohl in Büro- und Verwaltungsgebäuden mit gewerblicher als auch industrieller Nutzung boten Systemböden bisher vornehmlich eine Installationsebene zwischen der Tragschicht des Fußbodens und der Rohdecke an.

In Deutschland werden über 40% des Gesamtenergiebedarfs der Gebäude für Heizung und betriebliche Energie verbraucht. Diese Zahl beschreibt deutlich die zwingende Notwendigkeit, den Energieverbrauch durch Gebäude zu reduzieren.

Aber wie können Flächen in solchen Gebäuden über Mieter- und/oder Nutzungswechsel hinweg rentabel bewirtschaftet werden? Neue Büro- und Arbeitsplatzkonzepte minimieren den Flächenbedarf, gleichzeitig steigen die Qualitätsanforderungen an die Büro- und Arbeitsflächen. Der zunehmende horizontale Installationsgrad mit flexiblen Anschlussmöglichkeiten zur Strom- und Datenversorgung moderner Bürokommunikation prädestiniert den Systemboden für diese Aufgabe. Ökonomisch wie nachhaltig soll er funktionstüchtige und betriebstaugliche Strukturen unter Beachtung der Technikentwicklung, des Komfortbedarfes und des Gestaltungswillens bieten.

Als Antwort auf einen solchen Marktbedarf haben Entwickler aus der Abteilung Bodensysteme von Mero eine Innenausbaulösung entwickelt Systemböden, die aus der Fläche heraus heizen bzw. kühlen und eine Gebäudeinfrastruktur für eine flexible Flächennutzung durch eine integrierte Installationsebene schaffen.

Genau an dieser Schnittstelle setzen klimatisierbare Systemböden an. Die Installationsebene für Ver- und Entsorgungsleitungen, Kabel für Strom, Kommunikation etc. wird durch einen Hohlraum zwischen Rohdecke und Tragschicht geschaffen. In die Tragschicht wiederum werden die flächigen Elemente der Heiz- bzw. Kühlsysteme integriert. Damit steht Investoren, Bauherren und Planern ein System zur Verfügung, mit dem die energetischen Standards und Vorgaben der Energieeinsparverordnung erfüllt werden können. Dazu gehört die drastische Verringerung des Primärenergiebedarfs genauso wie die Konzeption und Konstruktion von Niedrigenergie- bzw. Passivgebäuden bis hin zu Nullenergiebauten. Unterstützt wird diese Innenausbauweise durch energieeffiziente Techniken, die mit dem Nutzen von regenerativen Energiequellen das Sparpotenzial untermauern.

Die Verringerung des Kühl- bzw. Heizenergiebedarfs geht bei diesen Bodensystemen einher mit einer Berücksichtigung des Lebenszyklus, der veränderbare Nutzungsmöglichkeiten der Räume im Gebäude verlangt. Der Einsatz von Systemböden in verschiedenen Funktionsbereichen für eine rentable Flächenbewirtschaftung gewinnt deshalb an Bedeutung, weil flexible Flächennutzungen langfristig den Bau und das Betreiben von Objektgebäuden prägen. Mieter- oder Nutzungswechsel-bedingtes Versetzen bzw. Auflösen vertikaler Wandelemente, bei gleichzeitiger Verfügbarkeit von Anschlussmöglichkeiten, verlegt die Gebäudeinfrastruktur in die horizontale Bodenebene. Systemböden sichern ökonomisch wie ökologisch einen effizienten Gebäudebetrieb sowohl aus energetischer Sicht wie auch aus dem Blickwinkel für funktionsgerechte Flächenbereiche.

Systematik und Aufbau basiert auf zwei Systemen

Vom System her sind zwei verschiedene Bauweisen möglich.

In einer ersten Variante entsteht die Tragschicht, die den Oberbelag aufnimmt, durch einen auf der Baustelle vergossenen Anhydrit-Fließestrich.

Die zweite Variante ermöglicht den Einsatz von vorgefertigten Trägerplatten in Trockenbauweise, aus faserverstärktem Calciumsulfat (Mero Hohlboden Combi T Thermo).

Darin liegt einer der Unterschiede in der Anordnung der Medienrohre für das Heiz- bzw. Kühlsystem. Grundlage für die Unterkonstruktion bilden in beiden Fällen stufenlos verstellbare Stahlstützen, die zum Zweck der Standsicherheit auf dem Untergrund verklebt sind. In der "Estrich-Variante" erfolgt dann die Auflage einer nichtbrennbaren Trägerplatte.

Auf dieser Trägerplatte wird eine Folie ausgelegt und darauf Stahlgittermatten mit dem gewählten Verlegeabstand (möglich sind 100, 150, 200 oder 300mm) für die Medienrohre aufgesetzt. Das Einklipsen der Medienrohre mit Kunststoffschellen, die an den Stahlgittermatten befestigt sind, sichert eine genaue Lage und Leitungsführung. Der Einbau eines Anhydrit-Fließestrichs mit einer gleichmäßigen Stärke von ca. 55mm komplettiert die Tragschicht und bildet abschließend die Oberfläche für den Fußbodenbelag.

In der Trockenbauweise entsteht die Tragschicht aus vorgefertigten Elementplatten, die nach Verlegeplan auf den Stützen montiert werden. Die Integration der Medienrohre erfolgt durch Halterillen in den Elementplatten. In beiden Fällen werden Kunststoffrohre aus hochvernetztem Polyethylen verwendet. Nach der Dichtigkeitsprüfung werden die Fräsungen in den Trägerplatten mit einer Spachtelmasse verschlossen. Diese so hergestellte Fläche ist bereits zur Aufnahme des Oberbelages geeignet.

Während in der "nassen" Variante Formteile die Aussparungen in der Tragschicht für den späteren Einbau von Installationen vorbereiten, werden in der "trockenen" Variante zu diesem Zweck Sonderplatten mit entsprechenden Aussparungen eingesetzt.

Die Kernidee, die Flächenheizung in die Fußbodenfläche des Systembodens zu integrieren, ist das Nutzen der gesamten Tragschicht als Speichermasse und Übertragungsfläche. Bei der Wärmeabgabe ist der von Menschen als angenehm empfundene Anteil der Strahlungswärme mit fast 70% vergleichsweise groß. Auf diesem Hintergrund kann im Vergleich zu herkömmlichen Heizsystemen die Raumlufttemperatur bei gleicher Behaglichkeit um 1 bis 2 Kelvin niedriger gewählt werden. Allein die daraus resultierenden geringeren Vorlauftemperaturen beim Heizen bewirken eine Energieeinsparung von ca. 8 bis 12%. Insbesondere der Einsatz von Heizsystemen mit regenerativen Energiequellen ergänzt das Energieeinsparpotenzial durch den Betrieb in Leistungsbereichen mit hohen Wirkungsgraden. Ein weiterer Vorteil dieser Konstruktion ist, dass sie auch kühlen kann. So nehmen im Sommer die mit kühlem Wasser durchflossenen Leitungen die Strahlungswärme im Raum in umgekehrter Richtung auf und wirken als Kühlung.

Möglich wird die Zusammenführung von Innenausbau und Klimatechnik durch die Synergien der Unternehmen Mero und Uponor. Diese Zusammenarbeit unterstützt die Schnittstelle der Planung im Bereich der technischen Gebäudeausrüstung und die Bestückung mit Elementen der Heizungstechnik.

zuletzt editiert am 23.02.2022