Trittschallschutz. Torsten Warnecke vergleicht Standardholzbalkendecken mit ihren modernen Konkurrenten, den Massivholz- und Brettstapeldecken.
Da der geforderte Trittschallschutz bei Standardholzbalkendecken in der Regel schwieriger zu erzielen ist als der Luftschallschutz, muss die Schalldämmung gemäß dem notwendigen Trittschallschutz dimensioniert werden. Bei Standardholzbalkendecken gibt es drei Übertragungswege, die die Schalldämmung der Decke beeinflussen.
Entscheidend für die gute oder schlechte Schalldämmung einer Decke ist hier der Übertragungsweg Nr. 1 über die Holzbalken. Wird diese "Schallbrücke" unterbunden, z.B. durch einen schwimmenden Estrich und eine federnd abgehängte Unterdecke, können Schalldämmwerte erzielt werden, die den Anforderungen einer Wohnungstrenndecke entsprechen. Die beste Lösung bietet ein Trockenestrich mit 20 mm Mineralfaserdämmung (22/20 mm SPT/G) in Verbindung mit einer Unterdecke auf Federbügel oder Federschiene, die mit 2 Längen Gipsfaserplatten beplankt wird.
Brettstapel- und Massivholzdecken werden zur Zeit gern im Holzbau eingesetzt, da sie den Vorteil der Vorfertigung, der Montage und der größeren Spannweiten besitzen. Schalltechnisch sind sie eher zu vergleichen mit sichtbaren Standardholzbalkendecken als mit Massivdecken, da sie in der Regel nur ein Flächengewicht von ca. 60 kg/m² aufweisen.
Da für eine Wohnungstrenndecke nach DIN 4109 mindestens L''n,w < 53 dB gefordert sind, müßten diese Rohdeckenkonstruktionen also um ca. 25 dB verbessert werden. Die Möglichkeiten der Verbesserung bestehen, wie auch bei den Standardholzbalkendecken, im Aufbringen eines Estrichs, eventuell auch mit Beschwerung und der Anordnung einer federnd abgehängten Unterdecke.
Durch einen schwimmend aufgebrachten Estrich erzielt man bei einer Brettstapeldecke eine Verbesserung von ca. 14 bis 17 dB.
Standardholzbalkendecken mit direkt angeordneter Unterdecke sind im Vergleich zu Massivholz- und Brettstapeldecken ca. 5 dB besser, besitzen allerdings eine um 15 cm höhere Aufbauhöhe und können nur kleinere Spannweiten überbrücken. Durch einen schwimmenden Estrich und einer federnd abgehängten Unterdecke erzielt man die geforderten Werte einer Wohnungstrenndecke, L'n,w < 53 dB.
Verleimte Brettstapeldecken und Massivholzdecken sind schalltechnisch ca. 6 dB schlechter als eine vernagelte Brettstapeldecke, die aber mit einem schwimmenden Estrich allein auch nicht ausreichend ist. Durch eine zusätzlich aufgebrachte Beschwerung von min. 70 kg/m² wird eine weitere Verbesserung von ca. 10 dB erreicht, wodurch die geforderten Werte einer Wohnungstrenndecke realistisch werden.
Schallschutzanforderungen und -empfehlungen
*empfohlene Mindestwerte nach Beiblatt 2 zu DIN 4109
Grundsätzliches
Die schalltechnische Prüfung von Bauteilen bzw. Gebäuden erfolgt durch bauakustische Messungen, die zur Zeit noch nach DIN 52210 [3], zukünftig nach DIN EN 20140 [4], durchgeführt werden. Gemessen wird im sogenannten bauakustischen Bereich von 100 bis 3.150 Hz, also in einem für die Dämmung von üblichen Wohn- und Arbeitsgeräuschen relevanten Bereich. Bei der Trittschallprüfung von Decken wird im Gegensatz zur Luftschall
dämmung
ein Schall
pegel
(Norm-Trittschallpegel) ermittelt.
Die Trittschalldämmung mehrschaliger Decken (Standardkonstruktionen) beruht auf der Tatsache, daß der in die obere Schale eingeleitete Körperschall nur mittelbar, d.h. über die Dämmschicht, in die schallabstrahlende Schale weitergegeben werden kann. Die Trittschalldämmung unterliegt den Gesetzmäßigkeiten des
Masse-Feder-Masse Systems
.
Einschalige Decken (z.B. Massivdecken) hingegen erzielen nur durch ihre hohe Masse in Verbindung mit einem schwimmenden Estrich eine gute Schalldämmung.
Vergleicht man in diesem Zusammenhang einschalige Deckenkonstruktionen (Massiv-, Massivholz- und Brettstapeldecken) mit mehrschaligen Holzbalkendecken, so besitzen beide Rohdeckenkonstruktionen einen vergleichbaren Norm-Trittschallpegel L'n,w, wobei der Kurvenverlauf im bauakustischen Meßspektrum sehr unterschiedlich ist. Einschalige Decken besitzen eine schlechte Schalldämmung ab 500 Hz, mehrschalige Decken hingegen eine schlechte Schalldämmung bis 500 Hz. Sollten diese Decken schalltechnisch aufgewertet werden, muss eine einschalige Decke also im "hochfrequenten" Bereich, eine mehrschalige Decke im "tieffrequenten" Bereich verbessert werden.
zu den Herstellern von: Bodendämmplatten
