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AusbauNews

05. April 2022 | Teilen auf:

Schwieriges Baujahr

Das Statistische Bundesamt meldet: Um 20 Prozent ist der Umsatz des Bauhauptgewerbes im Januar 2022 im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen! Die Auftragsbücher sind voll, ein Boom-Jahr stünde bevor – doch es knirscht an allen Ecken und Enden.  Angesichts der wirtschaftspolitischen Folgen des Ukraine-Krieges warnt das deutsche Baugewerbe sogar vor einem „schwierigen Baujahr“ und fordert einen „Runden Tisch“.

„In einem normalen Jahr wären die Zahlen vielversprechend. Der Umsatz im Bauhauptgewerbe erreichte in den Betrieben mit 20 und mehr Beschäftigten ca. 5 Mrd. Euro und legte damit um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert zu. Dabei konnten wir in allen Bausparten zweistellige Zuwächse verzeichnen“, kommentiert der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe, Felix Pakleppa. Auch die Orderentwicklung mit einem Plus um gut 9 Prozent bestätige die hohe Nachfrage nach Bauleistungen.

Die Umsätze in den Betrieben mit 20 und mehr Beschäftigten erreichten im Wohnungsbau 1,38 Mrd. Euro; (+37,6 %), im Wirtschaftsbau 2,16 Mrd. Euro; (+12 %) und im öffentlichen Bau 1,4 Mrd. Euro; (+18,2 %). Real betrug der Zuwachs 7 Prozent.

So erfreulich die Zahlen für den Januar auch sein mögen, so wenig aussagekräftig sind sie in konjunktureller Hinsicht für das Gesamtjahr. Seit Ende Februar herrscht Krieg in der Ukraine – mit nachhaltigen Auswirkungen auch auf unser Baugeschehen. Felix Pakleppa: „Die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine auf die Bauwirtschaft werden immer deutlicher sichtbar. Das betrifft insbesondere Stahllieferungen, aber auch Bitumen und Treibstoffe. Lieferengpässe und Preissprünge machen eine seriöse Kalkulation zunehmend unmöglich, Bauverzögerungen und Baustopps sind kaum noch vermeidbar. Die entsprechenden Zulieferer der Bauwirtschaft geben ihre Produkte allenfalls noch zu Tagespreisen an die Bauunternehmen ab. Das macht es für die Unternehmen quasi unmöglich, Angebote abzugeben.“

Aber auch laufende Bauprojekte seien davon betroffen. Die Lieferung wichtiger, für die Baustellen notwendiger Produkte sei nicht durchgängig gewährleistet. „Es darf nicht sein, dass die Bauunternehmen allein für die exorbitant steigenden Materialpreise verantwortlich sind. Die Verknappung auf den Rohstoffmärkten erzeugt nicht nur Planungsunsicherheit, sondern treibt auch die Preise für die baurelevanten Produkte wie Bau- und Konstruktionsstahl, Spundwände, Rohre, Aluminium, Kupfer, aber auch Bitumen und Asphalt in die Höhe. Weil aber nicht nur die Kosten exorbitant steigen, sondern zum Teil auch Lieferungen nicht mehr sicher sind, kann es zu Baustopps in Deutschland kommen“, warnt Pakleppa.

Angesichts der anstehenden Bauaufgaben seien dies schlechte Aussichten. Trotz voller Auftragsbücher drohten Kurzarbeit und womöglich Insolvenzen. Pakleppa fordert konstruktive Lösungen: „Wir brauchen daher dringend einen Runden Tisch zu den Auswirkungen des russischen Krieges auf die Bauwirtschaft in Deutschland. Wir wünschen uns schnell ein abgestimmtes Vorgehen von Bau- und Verkehrsministerium gemeinsam mit der Deutschen Bahn, der Autobahngesellschaft und der Bauwirtschaft.“

zuletzt editiert am 05.04.2022