Tabelle Dämmstoffe
Baufehler machen einen hohen Anteil der Kosten aus. Quelle: BauInfo Consult

AusbauNews

18. January 2022 | Teilen auf:

Rund 18 Mrd. Euro verbauter Schaden

Die Schadenssumme der Baufehler sank 2020 zwar leicht, liegt jedoch mit 18,3 Mrd. Euro immer noch weit über dem, was tolerabel wäre. Dabei waren Kommunikationsmängel – neben den „Klassikern“ mangelhafter Planung oder Bauleitung – erneut Hauptfehlerquelle.

Über die Höhe der gesamten Fehlerkosten in der deutschen Baubranche gibt es keine offizielle Statistik. Um sich der Höhe der Fehlerkosten wenigstens anzunähern, führen die Marktforscher von BauInfoConsult seit mehr als zehn Jahren eine umsatzanteilige Analyse der Fehlerkosten auf Basis der Branchenbefragung zur Jahresanalyse durch. Dabei sieht das Ergebnis für 2020 auf den ersten Blick nach einer leichten Entwarnung aus: So schätzen die befragten Bauakteure, dass die gesamten Fehlerkosten am deutschen Bau im Jahr 2020 etwa 12,8 % des gesamten Branchenumsatzes ausgemacht haben (Mittelwertberechnungen basierend auf den Ergebnissen der Grafik). Das ist zwar immer noch sehr hoch, doch im Jahr 2019 hatte der Fehlerkostenanteil am Bauumsatz noch 15,4 % ausgemacht, im Jahr 2018 waren es 14,0 %.

Dennoch ist auch das Ergebnis für 2020 immer noch weit von einer wirtschaftlich tolerierbaren Fehlerrate entfernt. Setzt man den von den Profis am Bau geschätzten Fehlerkostenanteil mit dem vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie auf etwa 143 Mrd. Euro taxierten baugewerblichen Gesamtumsatz ins Verhältnis, entspräche das einer Fehlersumme von immer noch 18,3 Mrd. Euro. Das ist vom Fehlerkostenwert von 2019 nicht allzu weit entfernt (20,79 Mrd. Euro) und liegt noch über dem Ergebnis von 2018 (17,78 Mrd. Euro).

Es hapert immer noch an Kommunikation und Planung

Dass im Jahr 2020 Fehlerkosten immer noch so massiv auftraten wie in den Jahren zuvor, könnte womöglich zum Teil auch mit den erschwerten Rahmenbedingungen der Baustellenorganisation unter Pandemie- und Lockdown-Bedingungen zu tun gehabt haben. Doch nimmt man diesen Faktor einmal aus dem Reigen der „klassischen“ Fehlerkostenquellen raus, gehören mangelhafte Kommunikation und dadurch entstandene Missverständnisse bei den Absprachen zu denjenigen Problemen, die seit Jahren (neben Fehlern bei Planung oder Bauleitung) als eine der häufigsten Fehlerursachen schlechthin genannt werden.

Dabei sind die Kardinalfehler, die zu den häufigen Kommunikationsmängeln auf der Baustelle führen, grundsätzlich pandemieunabhängig. Das gilt für das Problem Nummer eins, den Zeitmangel, ähnlich wie für den zweitplatzierten Kommunikationskiller der unklaren Verantwortlichkeiten. Mangelnde Koordinationsfähigkeit des Bauleiters und Desinteresse der beteiligten Gewerke wird von den Interviewten Branchenakteuren ebenfalls als Ursachenbündel für mangelhafte Baustellenkommunikation angesehen – wenn auch nicht so häufig wie die beiden erstgenannten Ursachen „Zeitmangel & unklare Verantwortlichkeiten“.

Die Fehlerkostenanalysen stammen aus der Studie „Jahresanalyse Deutschland 2021/2022“ von BauInfoConsult. Sie beruht auf über 660 Interviews mit Architekten, Bauunternehmern, Dachdeckern/Zimmerern, Malern/Trockenbauern, SHK-Installateuren und Herstellern aus der Bau- und Installationsbranche. Die vollständige Jahresanalyse ist zum Preis von 750 € zzgl. MwSt. von BauInfoConsult in 2 Teilbänden erhältlich, die auch einzeln bezogen werden können. Die Studie berücksichtigt unter anderem die Themen:

  • Trends am Bau 2021 und 2022
  • Nachfrage- und Produkttrends (u.a. Fassade, Holzbau, Dach, Türen & Fenster, Trockenbau, Farbe, Heizung, Bad, Lüftung, Smart Home)
  • Corona und die Folgen für die Baupraxis
  • Baumaterialien und Bauweisen
  • Bauprognose 2022 mit regionalem Ausblick
  • Baustoffbranche: Marketingtrends und Marketingbudget
zuletzt editiert am 23.02.2022