Röntgenräume Klinikum Chemnitz
Das Verspachteln der Fugen erfolgt mit dem speziellen Safeboard-Spachtel. Aus Gründen der Kenntlichkeit ist er gelb eingefärbt.

Wand

19. September 2018 | Teilen auf:

Röntgenschutz bleifrei

Im Klinikum Chemnitz sorgen in den Röntgenräumen bleifreie Strahlenschutzplatten dafür, dass keine gefährliche Strahlung nach außen dringt. Die Konstruktion sorgt für verbesserte Wirtschaftlichkeit.

Das Notfallzentrum des Klinikums Chemnitz am Hauptstandort Flemmingstraße gilt als derzeit modernste Notaufnahme in Deutschland. Es war notwendig geworden, weil sich die Patientenzahlen in den beiden bisherigen Chemnitzer Notaufnahmen sowie einer zweiten Rettungsstelle der Stadt in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt hatten.

Der sie ersetzende Neubau verfügt u. a. über vier Behandlungsräume. Dazu kommen zehn Untersuchungs- und Behandlungsräume, drei Schockräume für die Erstversorgung, drei Eingriffsräume, ein Gipsraum und ein Röntgenraum. Sowohl bei der Einrichtung als auch bei der Bautechnik des neuen Notfallzentrums setzt das Klinikum Chemnitz auf moderne Technologie und hochwertige rückbaubare Baumaterialien. So wurden die in Trockenbautechnik erstellten Innenwände jeweils mit zwei Lagen Diamantplatten beplankt, um robuste Wände der Brandschutzqualität GKFI nach DIN 18180 mit idealen Oberflächenqualitäten zu garantieren. Sie alle entsprechen aufgrund der hohen akustischen Qualität der darin verbauten Platten problemlos der Schallschutzanforderung von 54 dB.

Bis zu drei Lagen Safeboard werden eingesetzt
Besonderes Augenmerk legten die Planer der Notaufnahme auf die Qualität der Wände der Röntgenräume, da in diesen Räumen eine hohe Strahlung vorherrscht. „Seitens des Architekten waren bestimmte Bereiche mit einem Bleigleichwert von 0,5 bis 3,5 bei einer Röhrenspannung von 125 vorgegeben“, erklärt Mike Georgi, Inhaber des gleichnamigen Baugeschäfts, das mit der Ausführung der Trockenbauarbeiten betraut war. „Diesen Wert konnten wir in weiten Teilen mit einer Konstruktion erreichen, die aus einer Lage 12,5-mm- Diamantplatten in Kombination mit bis zu drei Lagen Knauf Safeboard besteht.“ Bisher kamen in solchen Bereichen Konstruktionen mit Blei als Strahlenschutz zum Einsatz. Die bleifreie Strahlenschutzplatte lässt sich jedoch einfacher und schneller verarbeiten als bleikaschierte Platten. Der Hersteller bietet zwei bevorzugte Lösungen an, die Bleigleichwerte von mindestens 1,0 mm bzw. 2,0 mm erreichen. Um bei entsprechender Röhrenspannung einen Bleigleichwert von mindestens 2,0 zu erreichen, kommt beispielsweise die Konstruktion „Safeboard 2,0“ mit zwei Lagen Platten und einer dritten Lage Diamant auf jeder Wandseite zum Einsatz.
Neben den Vorzugslösungen gibt es viele weitere Konstruktionsvarianten, die sich anhand einer Tabelle je nach gefordertem Bleigleichwert und Röhrenspannung leicht ablesen lassen.

Röntgenräume Klinikum Chemnitz Zweite Lage
Die Safeboard-Plattenlage sorgt für den Strahlenschutz, die Decklage aus Diamantplatten für eine stabile Konstruktion mit sehr guter Oberflächenqualität. Die abschließende Lage wird geklammert, was beim Schallschutz bis zu 2 dB bringen kann.

Die Wände, die einen Bleigleichwert von 2,0 oder mehr aufweisen, hinterlegte die Firma Mike Georgi im Klinikum Chemnitz mit Bleifolie. Die Ziegelwände erhielten eine zweilagige Vorsatzschale mit 12,5-mm-Diamantplatten. Zwischen den Platten garantiert eine Einlage aus 2 mm dicker Bleifolie, dass keine Röntgenstrahlung nach draußen dringen kann. Insgesamt verbauten die Trockenbauer so rund 12.000 m² Diamantplatten und 800 m² Safeboard und erstellten damit 2.700 m² Wandflächen und 600 m² Vorsatzschalen.

Insbesondere die Vorsatzschalen erforderten bei der Verarbeitung hohe Aufmerksamkeit, da „die extrem aufwendige Leitungsdurchführung berücksichtigt und viele Wechsel eingebaut werden mussten. Denn die technische Ausstattung der Räume war sehr hoch“, erinnert sich Frank Bergert, der als Bauleiter das Objekt bei Georgi betreute. In diesem Zuge war es auch nötig, mit verschiedenen Gewerken Hand in Hand zu arbeiten, um etwa die DIN-gerechte brandschutztechnische Qualität einer Durchführung zu gewährleisten.

Wände, die mit Schiebetüren bestückt sind, führten die Handwerker als Doppelständerwände aus. Die inneren Wände setzten sie im Bereich der Laufwege der Schiebetüren so weit zurück, dass diese selbst in diesen schlanken Bereichen noch einer W112-Wandkonstruktion entsprechen.

In mehreren Räumen erforderte die Planung zudem den brandschutztechnisch korrekten und staubsicheren Einbau von extrem empfindlichen Uhren in die Wände. Zu diesem Zweck entwickelte der Trockenbauer eine spezielle Einhausung, die nach Abstimmung mit den Planern in Serie gefertigt wurde. „Diese Einhausung ist so verstärkt, dass die damit bestückte Wand trotz der Schwächung im Bereich der Uhr der DIN-Norm entspricht“, erklärt Mike Georgi.

Röntgenräume Klinikum Chemnitz Computertomograf
Computertomograf im neuen Notfallzentrum des Klinikums Chemnitz. Die Abschirmung der Strahlung erfolgte in weiten Teilen mit der bleifreien Strahlenschutzplatte Knauf Safeboard.

Um eine hohe Oberflächenqualität zu gewährleisten, überzogen die Monteure die Wände zuletzt mit drei Spachtellagen, die jeweils geschliffen wurden. Der Maler mischte zudem der Grundierung seines ebenfalls dreilagigen Schichtaufbaus Farbe bei, „sodass wir Fehlstellen, die man beim Schleifen normalerweise nicht sieht, noch nacharbeiten und unsere Leistung qualitätsgerecht übergeben konnten“, berichtet Trockenbauer Georgi. Auf diese Weise konnten die Handwerker die Qualität der Spachtelung von der ursprünglich geforderten Stufe Q2 auf fast Q3 erhöhen. Und damit dazu beitragen, dass die neue Notaufnahme in Chemnitz nicht nur technisch, sondern auch optisch eine führende Position in Deutschland einnimmt.

zuletzt editiert am 23.02.2022