Eine Teilnahme bei den WorldSkills ist für jeden jungen Nachwuchshandwerker ein besonderes Erlebnis. (Quelle: ZDB/Stephanie Trenkler)

AusbauNews

8. November 2022 | Teilen auf:

Nachwuchs bleibt auf Top-Niveau

Goldmedaillen in Serie war gestern. Dennoch belegen die Vertreter des deutschen Bauhandwerks bei den diesjährigen WorldSkills – den Nachwuchsweltmeisterschaften im Handwerk – wieder gute Platzierungen und zeigen Top-Leistungen. Unterm Strich heißt das: die anderen Länder holen kräftig auf in Bezug auf Ausbildung und Qualität.

Eigentlich sollten die WorlsSkills 2022 als Mega-Event mit über 50 verschiedenen Berufsdisziplinen in Shanghai stattfinden. Aufgrund der restriktiven Corona-Politik Chinas musste Shanghai aber zurückziehen. Und so finden die WorldSkills 2022 als „Special Edition“ – mit internationalen Wettkämpfen in 15 Ländern – statt. Insgesamt werden dabei wieder über 1.100 Wettkämpfer aus 57 Ländern in 62 Wettkampfdisziplinen erwartet. Das Team von WorldSkills Germany startet mit 37 Teilnehmern in 32 Skills.

Dem Team des deutschen Baugewerbes gehören insgesamt sechs Vertreter an, drei von ihnen sind bereits gestartet und haben respektable Leistungen gezeigt: Stuckateur Marc Ebinger belegt in seinem Wettkampf in Bordeaux den achten Platz, ebenso wie Benjamin Supé, der Deutsche Meister im Tischler- und Schreinerhandwerk von 2020. Ganz weit vorn landete Zimmerer Philipp Kaiser, der in seinem Wettkampf die Silbermedaille holte. (Andere Gewerke treten zu ihren Wettkämpfen erst im Laufe des November an).

Deutsche Stuckateure gehören seit Jahren zu den besten der Welt

Stuckateur Marc Ebinger hatte eine aufwendige Trockenbaukonstruktion zu erstellen. (Quelle: ZDB/Stephanie Trenkler)

Stuckateur Marc Ebinger (21) aus Pfullingen, Baden-Württemberg, schlug sich beachtlich in einem starken Wettbewerbsfeld.  Die Teilnehmer hatten eine aufwendige Trockenbaukonstruktion mit verschiedenen Öffnungen zu erstellen. Die zusätzlichen Anforderungen bestanden darin, jede Wand mit unterschiedlichen Materialien wie z.B. für erhöhten Brandschutz oder für besonderen Wasserschutz zu bauen. Die Rundungen waren mit sechs Millimeter starken, elastischen Platten, die auch noch doppelt aufgebracht werden mussten, zu gestalten. Durch die verschiedenartigen Materialien veränderten sich sowohl die Abstände für die Verschraubung wie auch die Anforderungen an die Spachtelmasse. Schließlich mussten alle Flächen im Anschluss gespachtelt und mit verschiedenen Kantenschutzprofilen versehen werden. In einem sogenannten Speed Modul mussten Stuckprofile angebracht werden. Das Freestyle-Modul, das sich die Teilnehmer im Vorfeld selbst ausdenken mussten, rundete den Wettbewerb ab.

Stuckateur Marc Ebinger (r.) freut sich nach überstandenen Strapazen mit seinem National-Coach Josef Gruber (M.) und dem Verbandsvorsitzenden Oliver Heib (l.). (Quelle: ZDB/Stephanie Trenkler)

Nach dem Wettbewerb zeigte sich Ebinger erleichtert, dass der Wettbewerb vorbei war, schließlich seien es vier harte Tage mit einer schwierigen Aufgabe gewesen. Der Präsident des ZDB, Reinhard Quast, gratulierte: „Marc Ebinger hat großartig gekämpft und alles gegeben. Dafür zollen wir ihm höchsten Respekt. Er und die übrigen Mitglieder des Nationalteams Deutsches Baugewerbe sind ein hervorragendes Aushängeschild für unsere Branche.“

Marc Ebinger wurde im elterlichen Betrieb ausgebildet und hat 2020 seine Gesellenprüfung abgelegt. Er ist im selben Jahr Landessieger der Stuckateure in Baden-Württemberg geworden. Josef Gruber, Stuckateur- und Trockenbauermeister sowie Ausbildungsmeister im Bildungszentrum (BZ) 2 der Handwerkskammer Mittelfranken in Nürnberg hatte den jungen Stuckateur auf den internationalen Wettbewerb vorbereitet und trainiert. Gruber war auch als Experte und Mitglied der internationalen Jury vor Ort mit dabei.

Ein Zimmerer schafft es ganz weit auf das Sieger-Treppchen

Auch Zimmerer Philipp Kaiser hatte eine sehr anspruchsvolle Aufgabe zu bewältigen und musste „120 Prozent geben“. (Quelle: ZDB/Stephanie Trenkler)

Bei der WorldSkills 2022 Special Edition holte Philipp Kaiser (23) im Wettbewerb der Zimmerer in Basel die Silbermedaille und ist damit Vizeweltmeister. Kaiser zeigte sich mit dem Ergebnis mehr als zufrieden, war es doch sei Ziel, überhaupt auf dem Treppchen zu stehen. Seit vier Jahren hatte der junge Geselle, der aus dem baden-württembergischen Rot stammt, für diesen Wettbewerb trainiert.  Kaiser musste an den vier Wettbewerbstagen mit insgesamt 23,5 Stunden Arbeitszeit rund 100-110 Hölzer verarbeiten. Dabei kam es vor allem auf absolute Maß- und Passgenauigkeit an. Jeder Millimeter Abweichung führt zum Punktabzug. Kaiser erklärte zum Wettkampf: „Die Aufgabe war vom Zeitfaktor her hart, wir waren immer voll am Limit und mussten immer 120 Prozent geben.“

Zimmerer Philipp Kaiser wurde für seine herausragende Arbeit mit der Silbermedaille belohnt und darf sich jetzt Vizeweltmeister nennen. (Quelle: ZDB/Stephanie Trenkler)

Philipp Kaiser hat bereits 2018 seine Gesellenprüfung abgelegt. Im selben Jahr wurde er bester Zimmerer Baden-Württembergs und kam in die Zimmerer-Nationalmannschaft und darüber in das Nationalteam Deutsches Baugewerbe.

Benjamin Supé beim Zinken des Schubkastens während des Wettbewerbs der Schreiner und Tischler (Quelle: TSD)

Einfach eine exzellente Leistung zeigte auch Benjamin Supé beim Wettkampf der Tischler und Schreiner in Basel. In einem sehr engen Spitzenfeld – mit drei Goldmedaillen, aber keiner Silber- oder Bronzemedaille – wurde er Achter und bekam eine „Medallion for Excellence“ für seine hervorragende Gesamtleistung. Supé überzeugte mit grandiosem Zeitmanagement, höchster Präzision und ließ sich zu keiner Zeit aus dem Konzept bringen.

„Fehlerfrei kommt hier niemand durch“, sagt Bundestrainer Florian Langenmair. „Das wäre unmenschlich bei dem Druck und der Anspannung.“ Umso größer ist sein Respekt vor der Leistung seines Schützlings: „Mehr als 700 Punkte ist eine Topleistung. Das schaffen nur die wenigsten.“

Benjamin Supé unmittelbar nach der Preisverleihung mit seiner gewonnenen Exzellenz-Medaille. (Quelle: TSD)

Und was sagt Ben, nachdem er sich über Monate auf die Weltmeisterschaften vorbereitet und damit auch einen persönlichen Traum erfüllt hat? „Um ehrlich zu sein: Ich bin superglücklich, habe alles gegeben und diese tolle Erfahrung gemacht.“

Für Ben beginnt dann im kommenden Jahr ein neuer Lebensabschnitt, der kaum weniger spannend und aufregend ist. Er wird zusammen mit seiner Freundin für ein Jahr nach Australien reisen – Work and Travel. Für die Holzbranche in Down Under ist das natürlich ein großes Glück, schließlich kommt da einer der weltbesten Schreiner.

zuletzt editiert am 08.11.2022