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AusbauNews

22. March 2022 | Teilen auf:

Mehr Power für Sanierungen

Nach den Angaben des Umweltbundesamtes verfehlt der Gebäudesektor mit seiner CO2-Bilanz weiterhin deutlich die Energieeinsparziele der Bundesregierung. Das ruft nun auch die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) auf den Plan. Sie macht Druck auf die Politik und fordert mehr Know-how bei der Gebäudesanierung.

Nach Angaben des Umweltbundesamtes stießen Gebäude in Deutschland im vergangenen Jahr 115 Millionen Tonnen Treibhausgase aus – 3,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Damit verfehlt der Sektor jedoch weiterhin die Einsparziele der Bundesregierung von jährlich 113 Mio. Tonnen CO2. Bis 2045 sollen Gebäude emissionsfrei werden. Experten gehen davon aus, dass dafür jedes Jahr rund zwei Prozent der Bestandsgebäude energetisch saniert werden müssen – aktuell liegt die Quote bei nur einem Prozent.

„Die aktuell rasant steigenden Energiepreise treffen Millionen Haushalte stark. Es ist jetzt umso wichtiger, die große Zahl unsanierter Gebäude schneller energetisch zu modernisieren. Das ist eine entscheidende klimapolitische, aber auch sozialpolitische Frage. Denn Geringverdienende leben besonders häufig in Häusern mit schlechter Energieeffizienz – und müssen einen erheblichen Anteil ihres Einkommens fürs Heizen ausgeben“, sagt IG BAU-Bundesvorsitzender Robert Feiger.

Nach Einschätzung der Gewerkschaft fehlt es im Baugewerbe jedoch häufig am Know-how für die Sanierungen. Viele Firmen seien durch den anhaltenden Bauboom ausgelastet. Gerade kleinen Unternehmen falle es schwer, ihre Beschäftigten freizustellen, um das nötige Fachwissen im Umgang mit neuen Materialien, Technologien und Vorschriften zu lernen. „Damit die Sanierungen Fahrt aufnehmen, brauchen wir eine echte Weiterbildungsoffensive“, so Feiger.

Diese sollte über die Sozialkassen der Bauwirtschaft organisiert werden, schlägt der Gewerkschaftschef vor. Das System einer umlagefinanzierten Berufsausbildung habe sich im Bauhauptgewerbe, aber auch im Dachdecker- und Gerüstbauerhandwerk bewährt und könnte nun Vorbild beim Klima-Know-how sein. Gerade für Kleinbetriebe sei das Modell attraktiv, damit sie die Kosten für die Fortbildung ihrer Beschäftigten nicht überforderten. „Allerdings darf die Politik die Branche nicht allein lassen. Nötig sind zusätzliche Fördermittel, um Anreize zum Energiespar-Sanieren zu schaffen, damit die Mammutaufgabe Klimaneutralität im Gebäudesektor bewältigt werden kann“, betont Feiger.

zuletzt editiert am 22.03.2022