Mitglieder des Branchenverein Innovation Ausbau e.V. auf einem Gruppenfoto.
Quelle: Innovation Ausbau e.V.

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21. June 2022 | Teilen auf:

Mehr Mut und Fantasie am Bau!

Ausbau und Gebäudetechnik wachsen zusammen! Zu seinem fünfjährigen Jubiläum zeigt der Branchenverein Innovation Ausbau e.V., vor welchen Herausforderungen die Betriebe des Ausbaus und der SHK-Branche sowie der gesamte Bau stehen. Zur Tagung auf Schloss Ettersburg bei Weimar kamen viel Fachwissen und viel Prominenz zusammen.

Die Ausbaubranche und die Betriebe der Gebäudetechnik gleichermaßen befinden sich in einer seltsamen und zugleich spannenden Übergangszeit zwischen traditionellem Arbeitsverständnis und Digitalisierungszwängen. Auf der einen Seite wird die Materialbestellung sowie die Baustellenprozesse schon weitgehend digital unterstützt, andererseits kommt die Angebotsbestätigung noch per Fax. Zum einen sind sehr anspruchsvolle logistische Herausforderungen gerade in Zeiten von Pandemie und Krieg in Ost-Europa zu stemmen, gleichzeitig aber auch der tägliche Kleinkrieg um die Abstimmungen auf den Baustellen vor Ort.

Grund genug für den Verein Innovation Ausbau e.V. anlässlich seines fünfjährigen Bestehens auf seiner Jubiläumsfeier am 11. Juni 2022 auf Schloss Ettersburg bei Weimar den Finger in die Wunden zu legen – und zugleich echte Perspektiven aufzuzeigen und konkrete Networking-Möglichkeiten anzubieten. Denn die Branchen Ausbau und Gebäudetechnik vereint vieles: steigende Materialkosten, sinkende Zahl an Fachkräften, umständliche Abläufe, abstimmungsintensive Baustellenlogistik, Preisdruck – da muss es doch Möglichkeiten geben, gemeinsame Wege zu finden, von denen alle profitieren!

Quelle: Innovation Ausbau e.V.

Hier liegt auch das Selbstverständnis des Vereins: Innovation Ausbau e.V. ist eine Austauschplattform für Unternehmen der Branchen Ausbau und SHK. Er regt strategische Diskussionen an, vernetzt die Mitglieder über Bereiche hinweg, gibt konkrete Lösungsvorschläge für brennende Themen und bringt Kooperationen zwischen Praxis und Forschung voran.

Tradition vs. Taktrate: 2024 kommt das „Ende der Dummheit“

Lars Thomsen (Quelle: Innovation Ausbau e.V.)

Keynote-Speaker Lars Thomsen, Zukunftsforscher und CEO des Think Tanks future matters AG, brachte diesen Innovationsdruck bei der Veranstaltung auf den Punkt. „Wir haben bei Innovationen eine unglaublich hohe Taktrate. Es herrscht ein globaler Wettbewerb um gute Ideen in allen Branchen. Deshalb braucht es auch in der Baubranche Fantasie und Mut, um sich etwas auszudenken.“ Thomsen ist überzeugt: In den nächsten zehn Jahren werden sich viele Industrien – egal ob Lebensmittel, Energie und auch der Bau – grundlegend verändern.

2024 läute „das Ende der Dummheit“ ein – denn dann können Objekte und Geräte reibungslos miteinander agieren ohne das Zutun eines Menschen. Im Gegenteil sie werden ihm Vorschläge machen und zunehmend das Durchdenken lästiger Prozesse abnehmen. Die Baubranche müsse sich fragen: An welchen Stellen könnte uns das helfen? Und wie kommen wir dort hin? Thomasen: „Von der Art wie wir bauen über die Qualitätssicherung bis hin zu einem digitalen ‚Nervensystem‘, mit dem sich Wartungen planen, Energie sparen und Gebäude erweitern lassen – wir müssen in allen Branchen jetzt die Kompetenz entwickeln, diese Technologien zu nutzen. Sonst tun es andere.“

v.l.: Helmut Willer, Wolfgang Tiefensee, Helmut Bramann, Suitbert Nöchel (Quelle: Innovation Ausbau e.V.)

Helmut Bramann erläuterte als beratendes Mitglied von Innovation Ausbau e.V. und Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes Sanitär Heizung Klima in seinem Impulsvortrag „Treibhausgas-Neutralität im Gebäudesektor“, in welchen Bereichen Gebäudetechnik und Ausbau mit Systemlösungen beispielsweise helfen können, die geforderten klimapolitischen Ziele besser zu erreichen: Hybride Energie- und Wärmetechnik mit smart im Gebäude vernetzter Steuerungssoftware; gebäudeindividuelle Planung mit Systemangeboten aus Wärmpumpe, Flächenheizung, Innen- und Außendämmung aus einem Guss als ganzheitlicher Lösungsansatz, um Immobilienportfolios in die CO2-Neutralität zu überführen. „Vom Einsatz regenerativer Rohstoffe bis zur Frage, wie man den Energieverbrauch eines Gebäudes ideal steuern kann – das müssen wir in den Griff bekommen, und das geht nur gewerkeübergreifend und digital“, so Bramann.

Innovation Ausbau – mit seinem Mix aus führenden Herstellern, Fach- und Großhändlern sowie ausführenden Unternehmen aus beiden Bereichen – sei prädestiniert hier voranzugehen, Kompetenzen zu bündeln und Lösungen zu formulieren, von denen alle Beteiligten profitieren.    

Dieses Stichwort nahm Annette von Hagel von der gemeinnützigen Stiftung re!source e.V. – ebenfalls ein Partner von Innovation Ausbau – auf. Ihr Thema: Die Bauwirtschaft macht 50 Prozent der Treibhausgasemission aus und ist für 90 Prozent des Biodiversitätsverlusts verantwortlich. Folglich muss die Bau- und Immobilienwirtschaft zwingend auf mehr CO2-Neutralität achten. Die Digitalisierung von Dokumenten und Datenbanken könne hier helfen, um zu erkennen, „was von wem und wo in welcher Qualität verbaut wurde.“

Baulogistik zwischen digitaler Vielfalt und fehlender Bereitschaft

Massiver Druck zu durchgängiger Digitalisierung besteht auch im Bereich der Baulogistik, wie Dörte Maltzahn als Head of Freight Management der Knauf Gips KG aufzeigte. Sie hob hervor, wie wichtig es ist, die Zukunft der Baulogistik aktiv zu gestalten und dabei möglichst alle Teilnehmer digital zu vernetzen. Der Druck auf Logistik-Dienstleister, deren Fahrer und Prozessketten sei in den letzten Jahren enorm angestiegen. 

Ob nun digitale Tools zur Optimierung von Bestell- und Transportprozessen, Plattformen zur zentralen, kosteneffektiven B2B-Online-Bestellung von Materialien, zu deren Entwicklung Nils Gagzow als Repräsentant des Vereinsmitglieds ProMaterial Technologies referierte oder das allgegenwärtige Thema der Vernetzung der Projektpartner über die Wertschöpfungskette von Immobilien mittels BIM, dessen vielversprechenden, konkreten Fortgang Dr. Jan Tulke von „Planen Bauen 4.0“ vorstellte: Digitale Lösungen sind vorhanden, einige davon kommen aus der Branche selbst und sind entsprechend praxisnah – und sie sind dringend benötigt, unterstrich Helmut Willer als Vereinsvorsitzender in seinem kurzen Schlusswort. „Wir haben in der Ausbauindustrie von Nachunternehmern gelebt, unsere Prozesse waren relativ stabil, wir mussten wenig visionär sein. Das geht zu Ende.“, mahnte der Geschäftsführer von Apleona R&M Ausbau. „Wir müssen uns öffnen, uns vernetzen, Abläufe und Informationen standardisieren. Sonst geraten wir bereits mittelfristig ins Hintertreffen.“

Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin (Quelle: Innovation Ausbau e.V.)

Der Verein Innovation Ausbau e.V. kann hier helfen, ist Suitbert Nöchel, Gründungsmitglied und heutiger Ehrenvorsitzender des Vereins, überzeugt. Nöchel: „Wir sind die Austauschplattform für strategische Diskussionen, vernetzen die Mitglieder über Bereiche hinweg, geben konkrete Lösungsvorschläge für brennende Themen und bringen Kooperationen zwischen unserer Praxis und der Forschung weiter voran.“ Die nächsten fünf Jahre werden also sicherlich spannend. Der Verein wird dabei für seine Branchen Begleiter, Mahner und Impulsgeber zugleich sein.  

Zum Ausklang des Jubiläums in den Weimarhallen bereicherten Wolfgang Tiefensee und Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin das Festbankett. Der Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft des Freistaats Thüringen ermutigte die Festgäste, nicht stehenzubleiben, sondern immer neu zu denken und umzudenken. Die Lieblingsbewegung des Deutschen mit Achselzucken und Zurücklehnen sei nicht hilfreich. 

Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin erweiterte als Philosoph und ehemaliger Politiker die Perspektive und schaute auf die derzeitigen globalen Dynamiken und Demokratien, die sich in Krisen befinden, durch kulturelle Krisen verstärkt werden und die Meinungs- und Pressefreiheit unter Druck setzen. Sein Fazit lautete: Menschen haben wie Staaten unterschiedliche Interessen. Demokratien zeichnet aus, dass sie noch nie in der Geschichte proaktiv einen Krieg als Mittel zur Streitlösung gegenüber anderen Demokratien in Erwägung gezogen haben.

Den kompletten Bericht lesen Sie in der kommenden Print-Ausgabe von T+A 7-9/2022.

zuletzt editiert am 21.06.2022