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Zusätzliches Fenster. Beim nachträglichen Einbau von Dachfenstern schneidet der Verarbeiter die Dampfbremsbahn (hier: Siga Majpell) in Form eines umgekippten H ein. Die dabei entstehenden Lappen werden links und rechts zum Fenster eingeschlagen und der Bahnüberstand anschließend abgeschnitten. Fotoquelle: Siga

Dachgeschoss

25. January 2011 | Teilen auf:

Im Nachhinein

Luftdichtheit - Der nachträgliche Einbau von Dachfenstern und die anschließende Sanierung der Luftdichtheitsschicht sind typische Anwendungsfälle beim Bauen im Bestand. Hier erfahren Sie, wie man eine vorhandene Luftdichtheitsebene öffnet und diese anschließend wieder fachgerecht verschließt.

Die Basis jeden fachgerechten Dach- oder Innenausbaus ist eine gute Planung. Bei Neubauprojekten zeichnet meist ein Planer hierfür verantwortlich. Bei Sanierungsmaßnahmen übernimmt diese kritischen Aufgaben oftmals auch ein Trockenbau-Unternehmer. Der routinierte Profi kann seine Auftraggeber sicher von der Notwendigkeit einer Ertüchtigung der Dämmung überzeugen. Des Weiteren sollte er unbedingt über die Vorschrift einer luftdichten Gebäudehülle nach der gültigen Energieeinsparverordnung (EnEV) § 6 informieren. Dabei gilt es, den bekannten Einwand der Bauherren "zu dicht sollte es aber auch nicht sein" mit guten Argumenten zu entkräften: Eine neue Wärmedämmung in Kombination mit Luftdichtheit und angepasstem Lüftungsverhalten führt zu erheblichen Energieeinsparungen sowie angenehmer Wohnatmosphäre. Dies ist unter Verwendung hochwertiger Klebemittel und deren fachgerechter Montage leicht umsetzbar.

Egal ob Neubau oder Sanierungsmaßnahme die luftdichte Gebäudehülle ist laut EnEV Pflicht. In den vergangenen zehn Jahren haben sich diesbezüglich relevante, allgemein anerkannte technische Regeln entwickelt. Außerdem stehen dem Trockenbauer in der Praxis moderne Produkte zur Verfügung, die es ihm ermöglichen, eine Vielzahl von Anschlussdetails zu lösen sowie schnell und sauber zu arbeiten. Auch der Eingriff in eine bereits vorhandene luftdichte Schicht stellt grundsätzlich kein Problem mehr dar, wenn fachmännisch sowie unter genauer Befolgung der Herstelleranleitungen vorgegangen wird. Dies zeigen die nachfolgenden Beispiele aus realen Baustellen-situationen exemplarisch auf.

Vorabkontrolle bei nachträglichem Dachfenstereinbau ist sinnvoll

Im Vorfeld eines nachträglichen Dachfenstereinbaus sollte unbedingt die bereits erstellte luftdichte Gebäudehülle von einem Bausachverständigen, etwa mittels Blower-Door-Test, beurteilt werden. Denn ein nur luftdicht eingebautes Dachfenster in einer sonst nicht ausreichend abgedichteten Gesamtgebäudehülle kann kontraproduktiv sein: Vor der Sanierung war unter Umständen das gesamte Dach mit Undichtheiten versehen, auch im Bereich des alten Dachfensters. Sorgt der Handwerker nun punktuell für luftdichte Anschlüsse, konzentrieren sich die Luftströmungen neu. Infolgedessen kann es in ungünstigen Bereichen plötzlich zu Beeinträchtigungen kommen, obwohl das Gebäude jahrelang schimmelfrei war. Daher ist ein ganzheitliches Vorgehen wünschenswert.

Entspricht alles dem Stand der Technik, kann der Verarbeiter eine Dampfbremsbahn in Form eines umgekippten H in der Abmessung des Dachfensters einschneiden. Die nun entstehenden Lappen links und rechts zum Fenster einschlagen sowie den Überstand der Bahn abschneiden. Mit Hilfe eines gleichschenklig vorgefalteten Klebebands lassen sich diese beiden Hälften am Dachfenster luftdicht anschließen.

Viele Handwerker sprechen sich mittlerweile für Systemfabrikate aus wie beispielsweise Erik Bierwirth. Der 38-Jährige ist gelernter Zimmermann und bei der Firma Spoma-Parkett in Magdeburg als Ausbauleiter beschäftigt. Seine Meinung: "Wenn Produkte verschiedener Firmen zum Einsatz kommen, habe ich mehrere Nachteile. Es kann beispielsweise sein, dass sie unabhängig voneinander zwar o.k. sind, aber miteinander nicht harmonieren. Bei Anwendungsproblemen oder Reklamationen auf der Baustelle fühlt sich dann aber keiner der Hersteller verantwortlich und schiebt es jeweils auf den anderen. Die Problemursache bleibt oft ungeklärt. Gerade bei sehr speziellen oder kniffligen Anforderungen entfalten die Systemanbieter ihre Stärke: Unterstützung, Hilfestellung sowie entsprechende Schulungsprogramme kommen aus einer Hand. Außerdem sind alle Produkte optimal aufeinander abgestimmt."

Fazit: Alles aus einer Hand reduziert das Fehlerrisiko

Die luft- und winddichte Gebäudehülle hat als Teilbereich des gesamten Bauwesens in den letzten zehn Jahren eine enorme Entwicklung durchgemacht.

Von diesen Veränderungen sind alle Aspekte ihrer Umsetzung betroffen: die Planung, die Anwendung verschiedener Produkte von der Dampfbremsbahn bis hin zu speziellen, dem Anwendungsgebiet angepassten Klebemitteln sowie der Kontrolle der Hülle mittels Blower-Door-Test. Wurden noch vor zehn Jahren vorkomprimierte Dichtungsbänder mit einer aufwändig zu montierenden mechanischen Sicherung verwendet und in Normen vorgeschrieben, haben sich inzwischen Hochleistungsklebemassen und Klebebänder durchgesetzt.

zuletzt editiert am 23.02.2022