Cafe Luitpold - historische Decke
Die gewählte Deckenvariante erweckt das historische Deckenbild in reduzierter Form wieder zum Leben und ruft zusammen mit den Säulen Erinnerungen an den Ursprung des Caféhauses hervor.

Decke

3. May 2018 | Teilen auf:

Gipsformteile: Gefaltet, geformt und gewürfelt

Eine historisierende Deckenkonstruktion in einer Säulenhalle ist das Highlight des jüngst sanierten Café Luitpold in der Münchner City. Gipskartonformteile ahmen dabei alte Stuckateurkunst nach.

Eine mehrgeschossige Säulenhalle, ein Rokokosaal und beinahe zwei Dutzend weitere Säle: Als es 1887 eröffnet wurde, galt das Café Luitpold als eines der größten Palastcafés Europas. Nach der weitgehenden Zerstörung des Gebäudes wurde der Treffpunkt der Münchner Literaturszene in verkleinerter Form wieder aufgebaut und ist seither ein Stammplatz für viele Caféhausbesucher.

Als im Zuge eines Pächterwechsels nun eine Sanierung des Cafés anstand, ließen sich die beauftragten Münchner Architekten Demmel und Hadler bei der Gestaltung von der historischen Vergangenheit des Cafes inspirieren. „Alte Schwarzweiß-Fotos, die die ursprünglichen Stuckdecken und die prunkvollen Säulen abbilden, dienten als Vorlagen für den neuen Deckenspiegel des ehemaligen Vestibüls“, erklärt Architekt Bernhard Demmel. Die gewählte Designvariante erweckt das historische Bild in reduzierter Form wieder zum Leben und ruft zusammen mit den Säulenkonstruktionen Erinnerungen an den Ursprung des Caféhauses hervor.

Die Stuckateurkunst der Moderne basiert in diesem Fall größtenteils auf vorgefertigten Gipsformteilen, die angespachtelt und bei den Säulen mit in Handarbeit modellierten Kapitellen kombiniert wurden. In dem modern gestalteten zentralen Café und Ladenbereich täuscht eine mit Stucco Lustro gespachtelte Decke eine größere Raumhöhe in Anlehnung an frühere Zeiten vor. Die offene Einteilung der Sitz- und Verkaufsflächen verleiht dem Raum zusätzliche Größe.

„Aufgrund des engen Zeitrahmens haben wir die meisten Formteile in unserer eigenen Werkstatt vorgefertigt“, erzählt Lorenz Grünwald, Hochbautechniker bei DTB-Innenausbau. So basieren die rechteckigen Stützen auf Verkofferungen aus Gipsplatten, die auf CW-Profilen montiert und im Anschluss mit Brandschutzplatten verkleidet wurden. Eingefräste oben und unten geschlossene Kanneluren verleihen den Stützen ihre historische Gestalt. Das Gebälk oberhalb der vom Stuckateur gefertigten Kapitelle besteht ebenfalls aus vorgefertigten und anschließend zusammengesetzten Gipsplatten.

Stuckateurkunst der Moderne
Die Stuckateurkunst der Moderne basiert in diesem Fall größtenteils auf vorgefertigten Gipsformteilen, die angespachtelt und bei den Säulen mit in Handarbeit aus Gips modellierten Kapitellen kombiniert wurden.

Die fünf Deckenfelder, die das Vestibül zieren, hängen an Noniushängern frei im Raum. Als Unterkonstruktion dienen doppelte CD-Schienenroste, die aufgrund der geringen Deckenhöhe und der Installationsdichte darunter so ausgerichtet werden mussten, dass die Tragschienen zwischen den Installationen verlaufen. Doppelte Beplankung mit Bauplatten fungiert als Basis für die weitere Ausschmückung der Felder. „Rund 120 verschiedene Formteile haben wir für diese Decke hergestellt und verbaut“, erinnert sich Grünwald. Quer- und Nebenbalken des Deckenspiegels wurden ebenso V-förmig gefräst und anschließend in Form gefaltet wie die Zahnleisten, die die einzelnen Deckenfelder rahmen. Sie bestehen aus rund 800 einzelnen Gipskartonwürfeln, die die Handwerker vor Ort zu einem Fries zusammensetzten. In die einzelnen Feldern integriert sind zudem die Auslässe für Lüftungsgitter, Lautsprecher und Beleuchtungskörper. Sie mussten jeweils mittig in die diversen Kleinfelder zwischen den einzelnen Stuckverzierungen integriert werden.

zuletzt editiert am 23.02.2022