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Büroraum

5. December 2013 | Teilen auf:

Gesundes Büro

In Herzogenaurach entstand ein Bürohaus, das mit umweltfreundlichen und regenerativen Baustoffen gebaut wurde. Der Innenausbau wurde mit einer schadstoffabsorbierenden Gipsfaser-Platte ausgeführt.

Entstanden ist ein ebenerdiges, asymmetrisch angelegtes Haus, das unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten bietet. Geplant ist die Einrichtung eines Büros, es kann jedoch auch für Wohnzwecke ausgebaut werden. „Wegen des Ein-Raum-Konzeptes,“ erklärt Planer Bucher, „ist es am besten für Singles oder Paare geeignet.“ Der große, helle, barrierefrei ausgestattete Innenraum gibt den Blick ins Dach frei. Er wird unterteilt durch zwei trapezförmige Einbauten für Bad und Technik.

Dem Architekten ist damit die ökologisch und ökonomisch sinnvolle Nachverdichtung eines am Stadtrand von Herzogenaurach gelegenen Grundstücks gelungen, dessen Funktion so für Geschäftszwecke erweitert werden konnte.

Eine besondere Herausforderung war vor allem das kleine Volumen des Gebäudes mit gleichzeitig ungünstigem Verhältnis von Oberfläche zu Volumen „Bei Gebäuden unter 100 m²“, erklärt Herbert Bucher, „ist es kaum möglich, den Passivhausstandard zu erfüllen.“ Die Realisierung gelang mit einer sorgfältig ausgeführten luftdichten Gebäudehülle, deren Qualität bei Luftdichtheitsmessungen mit Werten von n50=0,05/h bestätigt wurde.

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Gebäudehülle

Zum energetischen Konzept passt der konsequente Einsatz von umweltfreundlichen und regenerativen Baustoffen. Die Bodenplatte wurde mit Glasschaumschotter aus Recyclingglas gedämmt. Wand- und Dachkonstruktion bestehen aus großformatigen massiven Brettsperrholzelementen. Sie wurden komplett im Werk vorgefertigt und vor Ort montiert. So konnte die Bauzeit deutlich verkürzt werden. Alle Baustoffe sind vom Sentinel Haus Institut empfohlen oder wurden von natureplus bzw. vom UL eco-institut zertifiziert.

Die Dämmung der Gebäudehülle erfolgte mit Zellulose bzw. Holzweichfaserplatten. Sowohl Fassade als auch das Dach wurden komplett mit einer hinterlüfteten Konstruktion aus Steckgitterelementen aus changierendem rostrotem Kortenstahl bekleidet.

Im Inneren wurden Wände- und Decken mit der Gipsfaser-Platte Fermacell greenline in 10 mm Dicke beplankt. Die Platten wurden wirtschaftlich mit Klammern direkt in der Wandkonstruktion aus Brettsperrholzelementen befestigt.

„Fermacell ist Partner des Sentinel Haus Instituts,“ weiß Bucher, selbst Partner von SHI, „insofern hätten wir das Objekt auch mit herkömmlichen Gipsfaser-Platten bauen können.“ Er habe sich jedoch bewusst für den Einsatz von greenline entschieden, da der Hersteller die ökologischen Qualitäten seiner Produkte weiterentwickelt habe.

Die Neuentwicklung des Herstellers bindet über eine spezielle, beidseitige Beschichtung mit einem natürlichen Wirkstoff, der auch in Schafwolle vorkommt, Schadstoffe aus der Raumluft. Der Wirkstoff ist dauerhaft aktiv, auch unter Endbeschichtungen wie Anstrichen, Tapeten und Teppichen. Hierbei gilt: Je höher die Diffusionsoffenheit des Oberbelags ist, umso schneller die Wirkung.

Gewohnt einfache Verarbeitung

Die Verarbeitung von Fermacell greenline verlief wie gewohnt: Die Platten konnten wie herkömmliche Gipsfaser-Platten ohne Spezialwerkzeuge durch Ritzen, Brechen, Sägen, Fräsen oder Bohren bearbeitet werden und wurden in diesem Fall direkt auf der Wandkonstruktion befestigt – üblich ist eine Unterkonstruktion aus Holz oder Metall. Für die Fugen kam die Systemkomponente Fermacell greenline Fugenkleber zum Einsatz. Der Kleber ist kennzeichnungsfrei.

Eine Raumluftprüfung, die nach Fertigstellung des Bauvorhabens vorgenommen und von einem unabhängigen Prüflabor ausgewertet wurde, bestätigte am Ende die hohe Qualität der Innenraumluft. Dabei wurden alle vom Sentinel Haus Institut und vom Bundesgesundheitsamt geforderten Grenzwerte für chemische Schadstoffe wie Aldehyde, Formaldehyd, VOCs und SVOCs (flüchtige und mittel- bis schwerflüchtige organische Verbindungen) deutlich unterschritten. Gemessen wurde ein Wert vom 250 μg/m³. Zum Vergleich: Die geforderten Richtwerte für die Summe aller flüchtigen organischen Verbindungen (TVOC) beträgt 1000 μg/m 3 .

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Aber nicht nur auf die Auswahl geeigneter Baustoffe kam es beim Bau des wohngesunden Bürogebäudes an. Wichtig war auch eine besonders sensible Bauausführung. So wurden sämtliche Handwerker vor Montagebeginn über die Anforderungen des Sentinel Konzepts informiert. Sie mussten für die Dauer der Bauzeit die strengen Vorgaben einhalten. Dabei wurde etwa darauf geachtet, dass alle Arbeiten, die die Luft verunreinigen können, draußen erledigt wurden. Auf den Einsatz einer Motorsäge wurde beispielsweise verzichtet. Innerhalb des Gebäudes wurde weder geflext noch geschweißt oder gelötet. Die Lagerung von Paletten oder Verpackungsmaterial war im Gebäude ebenso verboten wie das Rauchen.

Eine regelmäßige Baubetreuung durch das SHI stellt die Einhaltung der Vorschriften sicher. Im Ergebnis konnte so ein gesundheitsorientierter Bauprozess und der ausschließliche Einsatz von Bauteilen und Baustoffen, bei denen der Schadstoffeintrag auf ein Minimum reduziert ist, gewährleistet werden.

zuletzt editiert am 23.02.2022