Quelle: BIG / Konstantin Höhne

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20. September 2022 | Teilen auf:

Endlich wieder beisammen

Nachdem das Branchenforum „Zukunft Trockenbau Ausbau“ 2021 der Pandemie zum Opfer fiel, war die Freude auf die diesjährige Veranstaltung groß. Rund 350 Teilnehmer fanden am 15. und 16. September in Berlin nach drei Jahren zusammen und genossen es sichtlich, sich wieder persönlich über Themen und Trends in der Branche auszutauschen.

Getrübt wurde die gute Stimmung durch die Nachricht vom überraschenden Tod des Ausbauunternehmers Alfred Bircks (DTB Donau Trockenbau). Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der BIG Trockenbau und Ausbau, in der er seit mehr als 20 Jahren mit Gleichgesinnten vehement für die Belange der Trockenbau-Branche kämpfte. Auch das Forum als Branchen-Highlight geht maßgeblich auf seine Initiative zurück. Ihm zu Ehren rief Karl Schlichter, aktueller Vorsitzender der BIG, die Teilnehmer zu Beginn der Veranstaltung zu einer Schweigeminute auf.

v.l.: Moderator Ronald Meyer, Prof. Jochen Pfau, Karl Schlichter (Quelle: BIG / Konstantin Höhne)

Prof. Dr. Jochen Pfau vom Co-Veranstalter VHT ging im ersten Vortrag der Veranstaltung der spannenden Frage nach Alternativen zu Gipssystemen nach. Wie kein anderer Werkstoff prägen Gipsprodukte heute den gesamten Ausbau. Doch mit dem Auslaufen Kohlekraftwerken werden demnächst jährlich viele Millionen Tonnen an relativ günstigem REA-Gips fehlen. Da ist es aus rein strategischer Sicht schon sinnvoll, sich nach möglichen Alternativen umzusehen.

Prof. Pfau beschäftigte sich ausgiebig mit den bauphysikalischen Parametern von Lehmbauplatten sowie Holzplatten und fand, dass sie im „mittleren Anforderungsprofil“ für rund 70 % der Trockenbaulösungen durchaus als Substitution geeignet wären. Allerdings fehlten durch die Bank entsprechende Verwendbarkeitsnachweise, ebenso seien diese Werkstoffe kaum in der benötigten Quantität für den Markt verfügbar.

Pfau kam zum Ergebnis: Eine echte Substitution von GK-Platten ist nicht in Sicht! Folglich führe mittelfristig kein Weg am Recycling von Gipsplatten vorbei. Doch dieses stecke immer noch in den Kinderschuhen. Pfau rief die Hersteller hierbei zu mehr Anstrengungen und zu mehr Gemeinsamkeit auf. „Das Recycling muss herstellerunabhängig werden“, appellierte er an die Industrie.

Die Kreislaufwirtschaft im Ausbau muss forciert werden

Prof. Pfau hatte bereits bei der Einstimmung der Teilnehmer auf die Themen des Forums davor gewarnt, die Themen Umweltschutz und Kreislaufwirtschaft als lästig abzutun: „Viele winken ab und wollen davon nichts mehr hören. Ich aber prognostiziere: Diese Thematik ist noch nicht einmal richtig in Schwung gekommen in unserer Branche!“

Annette von Hagel (Quelle: BIG / Konstantin Höhne)

Entsprechend nahm das Thema breiten Raum auf dem Forum ein. Annette von Hagel, geschäftsführende Vorständin der re!sourc Stiftung, forderte eine Ressourcenwende, da erst 12 % der Baustoffe aus dem Recycling stammten. „Wir können uns eine solche Verschwendung nicht mehr leisten“, sagte sie und verwies auf eine integrale Lebenszyklusbetrachtung von Baustoffen, wie es die meisten EU-Verordnungen bereits vorgeben. – Prof. Dr. Michael Braungart von der Internationalen Umweltforschung GmbH verstärkte in seinem Vortrag das Prinzip „Cradle to Cradle“.

Der Trockenbau ringt um seine Anerkennung

Dr. Bettina Schwegmann (Quelle: T+A)

Neben vielen weiteren Themen wie „Büroräumen der Zukunft“, der Digitalisierung im Planung und Praxis in Baubetrieben, Führungskompetenz u.v.m. war auch der Kampf der Trockenbau-Branche um die Anerkennung ihres Meistertitels im Rahmen der Handwerksordnung ein wichtiges Highlight. Dr. Bettina Schwegmann, die Geschäftsführerin des BIG, stellte ausgiebig die Strategie des Verbandes vor und gab Auskunft über den Stand der Gespräche mit den Marktbeteiligten. Dr. Schwegmann: „Wir brauchen die Anerkennung des Trockenbaumeisters im Handwerk, um die Qualifikation dieses wichtigen Gewerks, dass auch bautechnisch sicherheitsrelevante Konstruktionen erstellt, abzusichern. Die Handwerksordnung ist hierzu die einzige rechtliche Möglichkeit.“ Sie stellte hierzu noch einmal klar, dass ein Weg über Verwandtschaftserklärungen mit anderen Gewerken angestrebt sei, wobei keinem etablierten Gewerk etwas „weggenommen“ werden sollte.

BIG-Vorstandsmitglied Ronny Ringel unterstützte sie bei der Argumentation, indem er aus seiner eigenen Berufserfahrung berichtete. Er sei auch als Quereinsteiger zum Trockenbau gekommen und hätte dabei viel Lehrgeld bezahlen müssen auf seinem Weg zum Meister und Unternehmer. Sein Fazit: „Hätte ich von Anfang an eine fundierte Ausbildung als Trockenbaumeister gehabt, hätte ich mir viele harte Erfahrungen ersparen können“, outete er sich als „glühender Befürworter“ eines Handwerksmeistertitels im Trockenbau.

Qualität im Trockenbau hat einen Award

Die Gewinner des Quality Awards. (Quelle: T+A)

Welchen Stellenwert ein qualitätsvoller Trockenbau hat, zeigt der BIG alle zwei Jahre mit der Verleihung des Quality Awards. In diesem Jahr wurden in den verschiedenen Kategorien gleich 18 Preise vergeben, da die Gewinner des letzten Jahres noch mitgeehrt wurden. Eine ausführlich Vorstellung der Projekte wäre wünschenswert gewesen, fiel aber der Quantität der Objekte zum Opfer.

Zum Abschluss des Forums gab noch der ehemalige Weltmeister und Gentleman-Boxer Henry Maske den Trockenbauunternehmern und Teilnehmern von Handel und Herstellern einige Tipps mit auf den Heimweg, wie man sich durch harte Arbeit und mit starken Motiven zum Erfolg kämpft.

zuletzt editiert am 20.09.2022