Quelle: Statistisches Bundesamt, Abb.: Hauptverband der Bauindustrie

AusbauNews

10. January 2023 | Teilen auf:

Die Skepsis verfestigt sich

Nachdem nun auch die Baustatistiken für den Monat Oktober 2022 festliegen, sehen sich die beiden großen Bauverbände in ihrem skeptischen Blick auf die weitere Entwicklung der Branche bestätigt. Der einstige Konjunkturmotor Bau gerät ins Stottern. Besonders der Wohnungsbau gibt Anlass zur Sorge. Die Rahmenbedingungen für den Bau sind derzeit alles andere als vielversprechend.

Das Statistische Bundesamt meldete für Oktober einen preisbereinigten Einbruch des Umsatzes im Bauhauptgewerbe im Vergleich zum Vorjahresmonat von real 9,6 Prozent. „Der Gegenwind wird immer stärker. Insbesondere der Wohnungsbau ist fast zum Erliegen gekommen. Hier wird ein reales Umsatzminus von 12,1 Prozent gemeldet“, kommentiert der Hauptgeschäftsführer der Bauindustrie, Tim-Oliver Müller, die aktuellen Konjunkturindikatoren. Für die ersten zehn Monate werde damit ein reales Minus von 5,3 Prozent ausgewiesen. „Unsere bisherige Umsatzprognose von minus 5 Prozent für das laufende Jahr könnte somit obsolet sein“, meint Müller. Eine neue Einschätzung für 2022 und einen Ausblick für 2023 werde erst im Laufe des Januar möglich sein.

Anders als das ifo Institut kürzlich einschätzte, könne man die Branche nicht als Inflationsgewinner darstellen – auch wenn der Umsatz 2022 nominal noch im Plus ist und das reale Minus auf überdurchschnittliche Preissteigerungen für Bauleistungen zurückzuführen ist. “Die Einschätzung ist ein Schlag ins Gesicht der Bauunternehmen, die aufgrund steigender Preise für Baumaterialien und Energie um ihre Existenz kämpfen“, ist Müller angesichts solcher Darstellungen von außen nicht erfreut.

„Angesichts der ausgesprochen schwachen Auftragslage und des starken Wettbewerbs in unserer Branche wird dies 2023 auch nicht besser werden“, fasst Müller die Situation zusammen. Demnach sei der Auftragseingang im Bauhauptgewerbe im Vorjahresvergleich preisbereinigt um 15,2 Prozent eingebrochen (kalenderbereinigt: - 12,9 Prozent). Der einzige Lichtblick sei das (saison-, kalender- und preisbereinigte) Orderplus zum Vormonat von 7,3 Prozent. Da im Rahmen der ifo-Konjunkturumfrage Mitte Dezember aber 23 Prozent der befragten Bauunternehmen über Auftragsmangel geklagt hätten, dürfte es sich hierbei nicht um einen Turnaround, sondern um einen rein statistischen Bereinigungseffekt handeln.

Auch das Baugewerbesieht den Wohnungsbau auf Talfahrt

Der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe, Felix Pakleppa, macht sich besondere Sorgen um den so dringend benötigten Wohnungsbau: „Das ist der dritte Monat in Folge, wo im Wohnungsbau die Aufträge in deutlich zweistelliger Höhe ausbleiben. Real ist es ein Rückgang um fast 26 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Eine Trendumkehr ist mit Blick auf die Baugenehmigungen in den nächsten Monaten auch nicht in Sicht. Die genehmigten Wohneinheiten gingen im Oktober um gut 14 Prozent zurück.

Mit besonderer Sorge betrachtet der ZDB den Mehrfamilienhausbau. Im Oktober wurden fast 2.000 Wohneinheiten weniger genehmigt als im Vorjahr (-12 %). Die heute fehlenden Aufträge seien die fehlenden Fertigstellungen von morgen. „Man sieht deutlich, dass Inflation und steigende Zinskosten nachhaltig die Investitionsbereitschaft im Wohnungsbau bremsen. Es ist gut, dass die Bundesregierung mit der Gas- und Strompreisbremse Signale setzt, der Verteuerung bei der Lebenshaltung entgegenzuwirken. Auch die zum Jahresbeginn 2023 avisierten verbesserten Abschreibungsbedingungen können dem Mietwohnungsbau Impulse bringen“, so Pakleppa, der aber gleichzeitig einschränkt: „Das allein wird aber nicht reichen. Um dem drohenden Abwärtsszenario zu begegnen, müssen die Förderbedingungen für Neubau und Sanierung auskömmlich und niedrigschwellig ausgestaltet werden. Die geplante Veröffentlichung der Fördervoraussetzungen erst zum März 2023 bringt nicht die erforderliche Planungsklarheit. Wir halten das angekündigte Volumen von 1 Mrd. Euro für deutlich zu niedrig. Eine Orientierung bietet hier das bisherige Volumen um 10 Mrd. Euro. Die geplante Bindung der Förderung an das EH 40 Niveau ist zu ambitioniert. Zudem stehen zu wenig Kapazitäten zur Zertifizierung und an Ausrüstungen zur Verfügung“, betont der Hauptgeschäftsführer.

zuletzt editiert am 10.01.2023