Akustik

22. December 2017 | Teilen auf:

Das Ohr am Holz

Umfragen belegen es immer wieder: in Leichtbauweisen wird besonders der Trittschall vom darüber liegenden Stockwerk als störend empfunden. Dieser Lärm von Schritten oder Stühlerücken ist zum Teil sehr tieffrequent und wird als dumpfes Dröhnen empfunden. Warum das so ist und welche Ausbaumaßnahmen man bei Holzbaukonstruktionen ergreifen kann, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Warum sind tieffrequente Geräusche bei konventionellen Leichtbaukonstruktionen so dominant hörbar? – Der Grund liegt in der Tatsache, dass sich Leichtbauten bauakustisch anders verhalten als Massivbaukonstruktionen wie z. B.
Stahlbetondecken. Wie Abbildung 1 veranschaulicht, erreicht eine Stahlbetonrohdecke in den Oktavbändern von 50 bis 100 bzw. 250 Hz eine signifikant bessere Trittschalldämmung gegenüber bauüblichen Leichtbaukonstruktionen. Umgekehrt ist bei Stahlbetondecken die Schallübertragung bei hohen Frequenzen in der Regel ausgeprägter.

Aber auch innerhalb des Leichtbaus bestehen hinsichtlich der Konstruktionsprinzipien und der akustischen Eigenschaften Unterschiede. So verhalten sich Balken-/Rippenkonstruktionen anders als Massivholzkonstruktionen. Je nach Ausführungsart, in erster Linie ob mit oder ohne abgehängte Unterdecke, weisen Leichtbaudecken im Mittel- und Hochfrequenzbereich sehr unterschiedliche Trittschallpegel auf (Abbildung 1, Kurven a, c, und d). Basierend auf den genannten Gegebenheiten muss ein Paradigmenwechsel stattfinden, und zwar weg vom einfachen Einhalten der normativen Vorgaben (die DIN 4109 bezieht den tieffrequenten Bereich faktisch nicht ein) hin zur Berücksichtigung der bewohnerbedingten Ansprüche. Folgerichtig wird im Holzbau der Fokus seit einiger Zeit auf die tiefen Frequenzbereiche gelegt. Andererseits wird auch der Zusammenhang zwischen subjektiven und objektiven Beurteilungsgrößen von Trittschall untersucht, so auch im Rahmen des Kooperationsprojekts „Schallschutz im Holzbau“ der Lignum und der Berner Fachhochschule Architektur, Bau und Holz. Gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP) werden dabei innerhalb eines europäischen Projekts die psychoakustische Bewertung sowie die Korrelation zu physikalischen Messgrößen von Trittschall bei Holzbauten beschrieben und in einer Lignum-Dokumentation aufbereitet.

zuletzt editiert am 23.02.2022