Daten: Statistisches Bundesamt (Quelle: HV der Deutschen Bauindustrie)

AusbauNews

22. November 2022 | Teilen auf:

Baurealität 2022: starke Einbrüche

Die Prognosen für die Baukonjunktur sahen noch knapp vor einem Jahr ganz anders aus. Rasant steigende Materialkosten, höhere Zinsen und ein deutlich nachlassendes Interesse bei Bauherren und Investoren machen der deutschen Bauwirtschaft im Jahr 2022 zu schaffen. Ende Oktober 2022 lagen die statistischen Daten bis einschließlich August vor – und die zeigen einen Abwärtstrend.

„Für die ersten acht Monate sind wir mittlerweile bei einem realen Minus von 4,3 %. Wir sehen uns daher gezwungen, unsere Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2022 vom Mai anzupassen. Zur Jahresmitte sind wir (für alle Betriebe) noch von einer Spannbreite von real Null bis minus zwei Prozent ausgegangen. Dies ist nicht mehr zu halten. Wir erwarten nun für das Gesamtjahr 2022 einen realen Umsatzrückgang von fünf Prozent.“ Mit diesen Worten kommentiert der Präsident der Bauindustrie, Peter Hübner, die aktuellen Konjunkturindikatoren für die Bauwirtschaft.

Zwar wiesen die Unternehmen nach wie vor hohe Umsätze aus und auch ihr Auftragsbestand seien noch relativ hoch, doch dies liege daran, dass die die Unternehmen nicht in preisbereinigten (realen), sondern in tagesaktuellen (nominalen) Preisen rechnen. Hübner: „Der Effekt, dass für das gleiche Geld inflationsbedingt aber weniger Bauleistung erbracht wird, trifft vor allem die Auftraggeber. Diese können künftig mit dem gleichen Geld weniger Projekte umsetzen. Zudem schaffen die starken Preissteigerungen bei Baumaterial und Energie, der Zinsanstieg sowie höhere Lebenshaltungskosten ein zunehmend unsicheres Marktumfeld für private und öffentliche Bauherren. Schon heute führt dies zu einem Rückgang beim Auftragseingang sowie zu Stornierungen auf einem ungewöhnlich hohen Niveau.“

Die Bauunternehmen hätten für den August im Vergleich zum Vorjahresmonat ein reales Orderminus von 14,2 % (kalenderbereinigt: - 15,6 %), zum Vormonat von 6,0 % gemeldet. Für die ersten acht Monate sei dies mittlerweile ein Rückgang von real 5,0 % (kalenderbereinigt: - 5,2 %). „Das sind keine guten Vorzeichen für das laufende und das kommende Jahr,“ beurteilt Hübner die aktuelle Lage.

Das Baugewerbe ruft nach staatlicher Neubauförderung

„Mit großer Sorge sehen wir einen zunehmenden Einbruch der Auftragseingänge im Wohnungsbau. Wir haben bereits in den letzten Monaten darauf hingewiesen, dass aufgrund stark gestiegener Lebenshaltungs- und steigender Finanzierungskosten sowie zulegender Materialpreise die Nachfrage im Wohnungsbau erheblich gesunken ist. Der Rückgang der Auftragseingänge hält weiter an. Im August sind es nunmehr real fast 24 % unter dem Vorjahresniveau. Insgesamt fehlen uns zum Vorjahr nun schon real ca. 11 %.“ So Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des ZDB. Pakleppa verwies auf den politischen Anspruch, im Jahr 400.000 Wohnungen zu errichten, der nach seiner Einschätzung nicht aufgehen werde. Deshalb müssten die Bürger bei den explodierenden Energiepreisen entlastet werden. Ebenso müsse der Druck der Materialpreisentwicklung auf die Baupreise reduziert werden. Hier sei die Baustoffindustrie schnellstmöglich auf Entlastungen angewiesen.

Im Hinblick auf den Wohnungsbau erklärte Pakleppa: „Wir stehen zu unserer Verpflichtung aus dem Bündnis für bezahlbaren Wohnraum, die Kapazitäten weiter anzupassen. Dies kann aber nur erfolgen, wenn die Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau nachhaltig auf Investitionen ausgerichtet sind. Das ist derzeit nicht der Fall. Gerade private Investoren benötigen angesichts steigender Finanzierungskosten eine zielentsprechende Neubauförderung. Hier fehlt es deutlich an Wumms.“

Nach den Daten des statistischen Bundesamtes haben die Unternehmen des Bauhauptgewerbes mit 20 und mehr Beschäftigten im August einen Umsatz von ca. 9,5 Mrd. Euro erwirtschaftet, nominal ein Zuwachs um ca. 11,2 %, real ein Verlust von 5,1 %. Die Branche generierte bis zum August einen Umsatz von ca. 65,7 Mrd. Euro, nominal ein Zuwachs um 11,5 %, real ein Rückgang um 4,3 %. Die Order erreichten bis August ca. 67,3 Mrd. Euro, nominal ein Zuwachs um 10 %, real ein Rückgang um 5 %.

zuletzt editiert am 22.11.2022