Die Ausstellung "Der Klang der Tiefe" zeigt eine moderne Installation mit reflektierenden Oberflächen und informativen Tafeln.
Im Gasometer in Oberhausen ist ein hochschallgedämmter Ausstellungsraum im Trockenbauverfahren entstanden. (Quelle: Nielinger Fotografie, Essen)

AusbauNews 2025-12-16T09:03:00Z Akustikraum! Aber spurlos.

Wie baut man einen runden, hochschallgedämmten Raum, ohne denkmalgeschützte Tragstrukturen zu beeinträchtigen? Im Gasometer Oberhausen ist das gelungen.

Der Gasometer in Oberhausen war bis 1988 Europas größter in Betrieb befindlicher Scheibengasbehälter. Seit drei Jahrzehnten ist er ein bedeutendes Wahrzeichen der Industriekultur im Ruhrgebiet und mit bisher 18 aufsehenerregenden Ausstellungen ein beliebter Publikumsmagnet. Das 117,5 Meter hohe Bauwerk mit einem Durchmesser von knapp 68 Metern ist die höchste Ausstellungshalle Europas. Ein besonderes Highlight der letzten Ausstellung „Planet Ozean“, die bis November 2025 in Oberhausen zu sehen war, war die immersive Installation „Klang der Tiefe“.  

Eigens für diese wurde unter Denkmalschutzbedingungen ein runder, hochschallgedämmter und multifunktionaler Akustikraum geschaffen. Für die architektonische Gestaltung und die besondere Form des Projekts war das KunstPlus Studio aus Berlin verantwortlich. Die höchst anspruchsvolle Planungsarbeit verlangte nach einer ebenso perfekten Umsetzung: Diese wurde von der Bauunternehmung J. Brinkmann GmbH aus Oberhausen ausgeführt. Für ihre herausragende Leistung erhielten die Ausbauprofis im Rahmen der 14. Rigips Trophy den Sonderpreis Akustik. 

Der „Klang der Tiefe" war eine faszinierende Reise durch die unbekannten Klanglandschaften der Weltmeere. Ein spannender Ausflug in die geheimnisvolle Unterwasserwelt und die einmalige Welt des Klangs. In einem runden, annähernd schalldichten Akustikraum mit einem Durchmesser von 14,5 Metern lauschten Besucher:innen dem geheimnisvollen Gesang der Wale, den typischen Klicklauten der Delfine oder den vielfältigen Geräuschen der kleinen Meeresbewohner unterhalb der Wasseroberfläche. Der Akustikraum findet sich in zentraler Lage des Gasometers und wird optisch überarbeitet auch im Rahmen der kommenden Ausstellung genutzt werden.  

Denkmalschutz stellte hohe Anforderungen 

Ein runder Raum im Bau mit Metallrahmen und Baugeräten.
Aus Denkmalschutzgründen durfte die Befestigung der Wand- und Deckenanschlüsse nicht mit herkömmlichen Verbindungsmitteln erfolgen. (Quelle: Karsten Schuhl, Kunst+ Studio, Berlin)

Zentrales Element des Akustikraums ist die riesige, denkmalgeschützte Gasdruckscheibe, das Herzstück des Gasometers. Die Scheibe „schwamm" einst auf dem im Bauwerk gelagerten Gas und hielt den Druck konstant. Nun lagert sie auf 4,30 Meter hohen Stahlstützen und bildet so die tragende Deckenkonstruktion. Aufgabe der Ausbauspezialisten der Bauunternehmung J. Brinkmann war es, hochschalldämmende Trockenbauwandkonstruktionen in die Stahlkonstruktion zu integrieren. Zudem sollten die Wände für die Aufnahme von Ausstellungsexponaten ausgerüstet werden. Dabei waren die Bedingungen erschwert: Während der gesamten Bauzeit musste das Team konsequent auf die Sauberkeit der Baustelle achten, da parallel bereits Ausstellungsexponate aufgebaut wurden.

Geklebt und geklemmt statt gedübelt und geschraubt 

Den Anschluss des oberen Wandkopfes realisierte das Ausbauteam über eine Anpresstechnik.
Den Anschluss des oberen Wandkopfes realisierte das Ausbauteam über eine Anpresstechnik. (Quelle: Nielinger Fotografie, Essen)

Die zentrale Herausforderung bestand darin, dass die Befestigung der Wand- und Deckenanschlüsse aus Denkmalschutzgründen nicht mit üblichen Verbindungsmitteln erfolgen durfte. „Es durften also keine Verschraubungen vorgenommen werden – weder in die denkmalgeschützte Gasdruckscheibe noch in die Stahlstützen. Wir mussten garantieren, dass sich von uns verbaute Konstruktionen, wie zum Beispiel die Abdichtung der Wand- und Deckenanschlüsse, rückstandslos entfernen lassen", erläutert Projektleiter Benjamin Brinkmann. Daher wurden die seitlichen Wand- und Deckenanschlüsse der Wandkonstruktion statt mit herkömmlichen Verbindungsmitteln mittels Klebetechnik in den Stahlstützen fixiert.

Anschlüsse von Wand-, Decke- und oberem Wandkopf waren herausfordernd 

Die Anschlüsse wurden zusätzlich verkeilt, verspannt und auf voller Wandhöhe ausgeschäumt, um die Stabilität sicherzustellen. Anschließend hat das Team die seitlichen Wandfugen mit Klebeband luftdicht abgedichtet. Den Anschluss des oberen Wandkopfes realisierten die Trockenbauer über eine Anpresstechnik. Dabei wurde der Hohlraum zwischen dem oberen UA-Profil und der denkmalgeschützten Stahl-Gasdruckscheibe in den Wänden dicht mit Schallschutzplatten aus Glaswolle und im Bereich des Deckenanschlusses mit Brandschutzplatten ausgefüllt. 

Beste Q4-Qualität für Projektionsflächen  

Für die Ausführung der Wandkonstruktionen fand das Ausbauteam gemeinsam mit dem Architekten, dem Brandschutzbeauftragten und Technikern des Herstellers Rigips eine Lösung. Als Beplankungsmaterial kam eine besonders hoch schalldämmende Gipsplatte zum Einsatz: „Rigips Habito“. Sie wurde an die zwischen den Stahlstützen verspannten Ständerwerksprofile montiert. „Bedingt durch den zu wahrenden Abstand von etwa drei Zentimetern zwischen der sich ausdehnenden Raumdecke beziehungsweise Stahl-Gasdruckscheibe und der eigentlichen Wandbeplankung haben wir die Dehnungsfuge genau wie bei den Wandanschlüssen mit Hilfe eines Spezialkompressionsbandes luftdicht abgedichtet", sagt Benjamin Brinkmann. Zuletzt haben die Trockenbauprofis den Raum in Q4-Qualität verspachtelt, um eine optimale Oberfläche für die Projektionen zu gewährleisten.

Intelligente Lösungen für besonders knifflige Aufgabenstellungen 

Die Fachjuroren der „14. Rigips Trophy 2024 I 2025“ zeigte sich von der Vielzahl intelligenter Lösungen für besonders knifflige Aufgabenstellungen auf Anhieb überzeugt. So mussten die Spezialisten der Bauunternehmung J. Brinkmann GmbH die Raum- und Bauakustik stets parallel im Blick haben. Auch musste wegen der temporären Nutzung des Ausstellungsraums der Rückbau bereits von Anfang an mit eingeplant werden. Das Bauprojekt profitiere in besonderem Maße von den ausgezeichneten Schallschutzeigenschaften der verwendeten „Rigips Habito“-Platten sowie deren hohe Robustheit zum Schutz von Exponaten und Wänden, so das einhellige Votum der Jury.

Bautafel:

Bauherr:

Gasometer Oberhausen GmbH, Oberhausen

Architekt:

Kunst+ (Kunst Plus) - Karsten Schuhl, Berlin

Trockenbau:

Bauunternehmung J. Brinkmann GmbH, Essen / Oberhausen

Rigips Gebietsleiter:

Udo Struensee, SAINT-GOBAIN RIGIPS GmbH, Düsseldorf

zuletzt editiert am 17. Dezember 2025