Wo bauen und wie?

Branche 2016-12-06T00:00:00Z Wo bauen und wie?

Am 23. November 2016 fand im Bayerischen Hof in München das 2. Kolloquium zum modularen und seriellen Bauen statt. Dabei ging es um die Schaffung preiswerten Wohnraumes in den Ballungszentren. Nur die Nutzung der Dächer von Bestandsgebäuden hat dazu genügend Potenzial. Und nur moderne Planungsinstrumente (BIM) schaffen die Möglichkeit, dass dieser bezahlbar bleibt.

Deutschland hat einen Fehlbedarf von 400 000 Wohneinheiten – in den Ballungszentren im Norden und im Süden. Für diesen Bedarf stehen aber kaum noch Grünflächen zur Verfügung. „Wenn man nicht mehr in die Fläche bauen kann oder will, denn muss man in die Höhe bauen. Und in der Tat sind in vielen Ballungszentren noch ungehobene Potenziale auf den Dächern von Bestandsgebäuden. So Prof. Karsten Tichelmann.

Wem beim Thema Nachverdichtung das Schreckgespenst großer Menschenmengen und nicht mehr vorhandene Parkplätze vor Augen stand, wurde von Prof. Eberle (ETH Zürich) eines besseren belehrt. „Die Menschen träumen vielleicht von einem frei stehenden Einfamilienhaus in dünn besiedelten Vororten. Aber unserer Studien haben nachgewiesen, dass sie gegenteilig handeln. Menschen ziehen de facto dorthin, wo es so etwas wie Atmosphäre, Wohnqualität, „urbanes Leben“ mit einer Szene gibt. Und genau das sind die Quartiere mit der höchsten Wohndichte.“

Doch gerade in den Zentren ist der Wohnraum begehrt und damit die neue Wohnung (über dem Bestand) bezahlbar bleibt, muss das Bauen preiswerter werden. „Gebäude können bis zu 60 % preiswerter errichtet werden, wenn wir einen Technologietransfer aus dem Maschinenbau oder der Automobilindustrie schaffen.“ So Prof. Christof Achammer in seinem Vortrag. „Alle unsere Gebäude sind Unikate, d. h. wir bauen Losgröße 1. Aber inzwischen tut das die Fahrzeugindustrie ebenfalls: Das Geheimnis der Effektivität dieser Branchen liegt in der integrierten Planung, hoher Vorfertigung und eindeutig definierter Produktionsprozesse.“

Aber es werden nicht nur Architekten sein, die sich mit der neuen Zeit auseinandersetzen müssen. Das Thema BIM und das Thema Vorfertigung werden nicht an Ausbauunternehmen vorbeigehen, wollen sie langfristig im Geschäft bleiben. Es wird in Zukunft nicht mehr diverse Pläne für jedes Gewerk geben, es wird in ein virtuelles 3D-Modell hineingearbeitet werden. Trotz dieser elektronischen Herausforderung wird das Bauen auf Bestandsgebäuden dem Trockenbau für eine für nachhaltige Beschäftigungsgarantie sorgen. Denn auf dem Bestand können nur Leichtbaukonstruktionen entstehen, sei es in Holz- oder Stahlleichtbauweise.

zuletzt editiert am 23. Februar 2022
Newsletter