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Abb. 1. Die Leistungsfähigkeit einer mangelhaft eingebauten Trockenbauwand wurde in einem Brandversuch an der TU München getestet. Die Aufnahme zeigt die Seite im Brandraum nach dem Brandversuch. Nach 79 Minuten wurde die maximal zulässige Temperaturerhöhung auf der feuerabgewandten Seite überschritten. Foto: Ernest Berghofer

Brandschutz 2011-01-25T00:00:00Z Versagen von Brandschutzwänden

Wand - Die Ausführung in Gipskarton-Metallständerbauweise entsprach nicht der notwendigen Qualität. Zweifel an der Brandschutzleistung bestätigte ein Brandversuch an der TU München. Der Beitrag von Dipl.-Ing. Architekt Ernest Berghofer beschreibt die mangelhafte Ausführung und die Folgen. (Foto: Ernest Berghofer)

Als Feuerwiderstand in einem ca. 30 Jahre alten Bestandsobjekt war für die nichttragende innere Flurwand feuerbeständig F 90 gefordert. Die Wand bestand aus einer zweilagigen Beplankung mit Gipskarton-Feuerschutzplatten auf Metallständerprofilen. Die Ausführung wies jedoch deutliche Fehler auf, was die Sanierungsplanung erheblich erschwerte.

Die Mängel lassen sich wie folgt zusammenfassen (in Abweichung zu den seinerzeit gültigen bauaufsichtlichen Verwendbarkeitsnachweisen entsprechend DIN 4102-4 und DIN 18181):

› Die erste Lage (untere) ist an den Plattenstößen nicht gespachtelt.

› Die Plattenstöße der unteren Lage sind gegenüberliegend.

› Der Schraubenabstand der unteren Lage ist größer als die geforderten 75 cm.

› Die Rohdichte der Mineralwollezwischenlage ist zu gering.

Diverse Sanierungsmöglichkeiten wurden unter dem Kostenaspekt diskutiert. Insofern stellte ein vollkommener Abbruch der Wände die letzte Möglichkeit dar. Eine Aufdoppelung der Wände mit einer weiteren Plattenlage schien die beste Variante zu sein. Jedoch kann auch dann noch keine konkrete Aussage zu dem tatsächlichen Feuerwiderstand der sanierten Wandkonstruktion getroffen werden. Schließlich sollte eine kostengerechte Sanierung erfolgen, ohne unnötig kostenintensiven Materialeinsatz. Die Aufdoppelung stellte zudem ein Problem in den Anschlussbereichen zu den Umfassungszargen der Türen und den abgehängten Flurdecken dar; diese hätten erneut kostenintensiv angepasst werden müssen.

Tatsächlichen Feuerwiderstand im Labor ermittelt

So sollten zunächst der tatsächliche Feuerwiderstand der bestehenden GK-Wände festgestellt und anschließend die erforderlichen Maßnahmen für die Sanierung festgelegt werden. Hierfür wurde an der Wandkonstruktion ein Brandversuch analog dem anerkannten Prüfverfahren entsprechend DIN EN 1364-1 in Verbindung mit DIN EN 1363-1 durchgeführt. Der Brandversuch erfolgte im Forschungs- und Versuchslabor des Lehrstuhls für Bauklimatik und Haustechnik der Technischen Universität München.

Probekörper 90 Minuten beflammt

Der Brandversuch erfolgte in einem Brandversuchsofen nach DIN EN 1363-1 Abschnitt 4.2. Die Brandraumgröße betrug 3,0 × 3,0 × 4,0 m (Breite × Höhe × Tiefe). An den Seitenwänden des Brandraums wurden vier Ölbrenner angeordnet. Die Rauchgase wurden durch vier in den Ecken des Brandraums befindliche Öffnungen abgezogen.

Zur Messung der Temperatur im Brandraum waren vier Brandraum-Thermoelemente (Messstellen 91 bis 94) in ca. 10 cm Abstand zu dem Probekörper angeordnet. Auf der unbeflammten Seite wurden Temperaturmessstellen entsprechend DIN EN 1364-1 angebracht. Zusätzliche Messstellen wurden im Bereich der CW-Ständerprofile befestigt.

Ergebnisse ins Brandschutzkonzept übernommen

Trotz der Vielzahl der festgestellten Mängel verhielt sich die GK-Wand während des Brandversuchs relativ gutmütig und leistete einen in dieser Länge nicht erwarteten Feuerwiderstand. Die aus dem Brandversuch gewonnenen Ergebnisse erlaubten eine zielgerichtete optimierte Sanierung der Wandkonstruktion, die die in jedem Fall zu sanierenden technischen Durchdringungen dieser Wände betraf.

Der nachgewiesene Feuerwiderstand wurde durch die Genehmigungsbehörde im Zusammenhang mit einem neuen Brandschutzkonzept als ausreichend angesehen. Das neue Brandschutzkonzept sah im Wesentlichen für die betroffenen Bereiche eine flächenmäßige Reduzierung der Nutzungseinheiten und eine Umrüstung der trockenen in nasse Steigleitungen vor.

zuletzt editiert am 23. Februar 2022
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