Quelle: Stotmeister

AusbauNews

24. May 2022 | Teilen auf:

Trauer um Fritz Stotmeister

Am 21. April 2022 starb Sto-Firmengründer Fritz Stotmeister im Alter von 94 Jahren. Er prägte das südbadische Unternehmen mit Sitz in Stühlingen wie kein Zweiter. Unter seiner Leitung wuchs Sto vom regionalen Putz- und Farbenhersteller zu einer international führenden Unternehmensgruppe, die heute 50 Tochtergesellschaften in 38 Ländern zählt und über 5.700 Mitarbeiter beschäftigt.

Geboren 1927 in Villingen, legt Fritz Stotmeister 1943 das Notabitur ab  und wird noch als Jugendlicher in die Kriegswirren geworfen. Weil in der Bundesrepublik nach dem Krieg ein Numerus Clausus sein Wunschstudium der Architektur verhindert, tritt er in das Unternehmen seines Vaters Wilhelm Stotmeister ein, eine Firma mit Namen „Cement- und Kalkwerk Weizen Stotmeister & Cie.“ Als Anfang der 1950er Jahre die Nachfrage nach Kalk zurückgeht, beginnt die Suche nach neuen Produkten. 1954 entdeckt Fritz Stotmeister eine Zeitungsanzeige, in der nach einem Lizenznehmer für einen neuartigen organisch gebundenen Putz gesucht wird. Er beweist den richtigen Riecher und überzeugt seinen Vater, zu investieren.

Mit einer Anekdote blickte er gerne auf die Anfänge zurück: „Zu Dritt fing alles an: Einer, der den Putz in einem ehemaligen Ziegenstall anrührte – Wilhelm Hamburger. Ein Zweiter, der als Vorführmeister den Handwerkern zeigte, wie es geht – Fritz Stotmeister. Und der Dritte, der den Putz verkaufte – das war auch Fritz Stotmeister.“

Mit Verkaufstouren im VW-Käfer überzeugt er die Handwerker vom neuen Produkt. Das neue Material geht schnell auf Erfolgskurs. Schon im ersten Jahr liegt der Umsatz bei 320.000 DM. 1962 wird aus den Anfängen die „Stotmeister & Co. Farben- und Baustoff-KG" – die Marke „Sto“ ist geboren, inklusive des ikonischen gelben Eimers. Zwei Jahre später startet Stotmeister die Markteinführung von „StoTherm Classic“ – und damit die Geschichte der Fassadendämmung, die sich bald zum Kern-Geschäftsfeld von Sto entwickelt.

1988 baut er das stark gewachsene Unternehmen in eine Aktiengesellschaft um, dessen Vorstandsvorsitz sein Sohn Jochen Stotmeister übernimmt. Er selbst wird Vorsitzender des Aufsichtsrates. 1992 folgt der sehr erfolgreiche Gang an die Börse. 1998 wird sein zweiter Sohn Gerd Stotmeister zum Vorstand Technik berufen. Nach 14 Jahren als Vorsitzender im Aufsichtsrat geht der verdiente Unternehmer 2002 in Pension – und bleibt als Ehrenvorsitzender seinem Lebenswerk weiterhin verbunden.

Quelle: Conrads, Waldshut

Fritz Stotmeister war ein Mensch, für den das Wort Stillstand immer gleichbedeutend mit Rückschritt war, für den sich die Rädchen drehen mussten. Einer, der seine ganze Energie, seinen Ehrgeiz, sein Wissen, seine Erfahrung ein Leben lang in seine Firma, in die Verwirklichung von Ideen und die Entwicklung fortschrittlicher Produkte und Systeme am Bau gesteckt hat. Zu Fritz Stotmeisters Leben gehörte neben einem ausgeprägten Familiensinn auch großes soziales Engagement: Er förderte die Krebsnachsorgeklinik für Kinder in Tannheim, auch die Erlöse der von ihm initiierten Golf-Turniere flossen sozialen Zwecken zu. Mit der Sto-Stiftung entstand im Jahr 2005, zum 50-jährigen Bestehen von Sto, eine Organisation, die den Nachwuchs im Handwerk und in der Architektur unterstützt. Für seinen Einsatz erhielt er 1992 das Bundesverdienstkreuz am Bande, im selben Jahr wurde er Ehrenbürger der Stadt Stühlingen.

Mit der Umwandlung der Sto AG in die Sto SE & Co. KGaA – eine europäische Aktiengesellschaft auf der Basis einer Kommanditgesellschaft auf Aktien – wurden 2013 die Voraussetzungen geschaffen, dass die Firma im Sinne der Familie weitergeführt wird, obwohl das operative Tagesgeschäft derzeit nicht von einem Familienmitglied gesteuert wird. Allerdings werden die Geschicke des Aufsichtsrats nach wie vor von zweien der vier Kinder Fritz Stotmeisters geleitet. Diese Konstruktion kommentierte er, der seine späten Jahre am schönen Bodensee genoss, im Jahr 2017 anlässlich seines 90. Geburtstags mit den Worten: „Ich weiß unsere Firma in guten Händen.“

zuletzt editiert am 25.05.2022