Der Fokus der diesjährigen Ausbautagung, die am 31. Januar 2014 am Institut für Bau und Immobilie der Hochschule Augsburg stattfand, war auf „Oberflächen im Innenausbau“ gerichtet. Fünf Fachreferenten gaben einen Einblick in ihr jeweiliges Spezialgebiet der Oberflächenbearbeitung und -beurteilung.
Auf dem Programm standen Sonderlösungen im luxuriösen Innenausbau, das Spektrum verschiedener Oberflächenbearbeitungen von Naturstein, die Qualität von Oberflächen an Wand und Decke sowie das Thema Gesamtschuld im Falle eines Schadens.
Thematischer Bogen von Unikaten über Natursteine, Qualitätsstufen bis zur Gesamtschuld
Prof. Manfred Schnell, Hochschule Augsburg moderierte die gut besuchte Fachtagung und führte das interessierte Publikum mit einem Impulsreferat in das Tagungsthema ein. An Beispielen aus der Praxis zeigte Prof. Schnell, der im Rahmen seiner Tätigkeit als Gerichtssachverständiger regelmäßig auch Oberflächen zu begutachten hat, welche Tücken unter der sichtbaren Oberfläche eines Materials liegen können. „Oberflächen prägen die Raumqualität entscheidend, Beurteilungen der Güte können daher durchaus zu emotionalen Debatten führen“, sagte Prof. Schnell. „Je nach Standpunkt des Betrachters haben aber entweder Messwerte, die Aufenthaltsqualität eines Raumes oder die Nachhaltigkeit der Materialien Priorität.“
Andreas Weber, Ingenieur für Holztechnik in der Abteilung Forschung und Entwicklung der Deutschen Werkstätten Hellerau, und Benjamin Bunk, Tischlermeister, Fachplaner Ausbau und Konstrukteur bei den DWH, brachten mit einem Werkbericht die Zuhörer zum Staunen. Auf Einzelanfertigung im luxuriösen Innenausbau von Yachten und Residenzen spezialisiert zeigten Weber und Bunk, wie sich die Exklusivität und Universalität der Projekte besonders in den Oberflächen spiegelt. „Jedes Objekt ist ein Unikat. Erfahrungen können wir selten in ein anderes Projekt übertragen, da die Anforderungsprofile und Wünsche der Kunden sehr individuell sind. Oft prüfen wir in der Abteilung Forschung und Entwicklung das Einsatzspektrum von ungewöhnlichen Materialien in bisher nicht da gewesenen Kombinationen“, führte Andreas Weber aus. Z. B. wird das hochglänzende Eichenfurnier mit den Blattvergoldungen der Rahmenleisten an 1:1 Modellen von Räumen und Möbeln, sog. Mock Ups, angepasst. Es wird solange getestet, bis der Designer mit dem Ergebnis zufrieden ist.
Einen Einblick in die Varianten der Oberflächenbearbeitung von Naturstein gab Detlev Hill, Informationsdienst Naturstein, Trier. Weit über 20 verschiedene Bearbeitungsarten sind in der entsprechenden DIN gelistet. Hill machte anhand von Bildern deutlich, dass der gleiche Stein mit unterschiedlichen Oberflächenbearbeitungen völlig anders wirken kann, was vor allem bei Ersatz von Steinen in vorhandenen Belägen oder Steinfassaden bedacht werden muss.
Thomas Schmid, Sachverständiger für Putz, Stuck und Trockenbau, Baden-Baden, stellte in seinem Vortrag über Oberflächenqualitäten an Wand und Decke die Frage „Wie glatt ist glatt?“ und zog zur Beantwortung die vier gängigen Qualitätsstufen heran. Er machte dabei deutlich, dass sich zulässige Maßtoleranz und subjektive Beurteilung nicht immer decken.
Abschließend skizzierte Rechtsanwalt Werner Hoffmann, Memmingen, das Beziehungsgeflecht zwischen Auftraggeber, Unternehmer und Planer innerhalb eines Gesamtschuldverhältnisses in unterschiedlichen Konstellationen und gab Hinweise, wie sich das Risiko der Gesamtschuld reduzieren lässt.
Weitere Infos unter www.hs-augsburg.de/ibi
