In enger Kooperation haben Staab Architekten und Licht Kunst Licht bei der Generalsanierung des Landtagsgebäudes Baden-Württemberg eine elegante Lösung entwickelt, die unter Beibehaltung des äußeren Erscheinungsbilds des denkmal-geschützten Gebäudekubus aus Glas und Bronze einen Tageslichteintrag bis in sein Zentrum ermöglicht. (Foto: Marcus Ebener)
Durch die partielle Öffnung des Dachs des fensterlosen und introvertierten Plenarsaals werden ein spürbarer Eintrag natürlichen Lichts sowie ein direkter Außenbezug erreicht. Dazu wurden 12 kreisrunde große (Æ 2,60 m) und 36 kleine (Æ 0,80 m) Oberlichter bündig in das Flachdach eingesetzt.
Das natürliche Licht wird durch ein innovatives Tageslichtsystem transportiert und über eine transluzente, satinierte Decke aus Kunststoffpaneelen in den neuneckigen Raum eingekoppelt. Kurze Kunststoff-Zylinder unterhalb der kleinen und lange, als sich nach unten verjüngende Kegelstümpfe ausgeführte Zylinder unterhalb der großen Oberlichter transportieren das Tageslicht mittels einer hochreflektiven Folie gleichmäßig in den Deckenzwischenraum. Die großen konischen Tageslichtöffnungen sind als transparente Kreise in die satinierte Lichtdecke eingebettet. Die Wandung der Kegelstümpfe ist von der Innenseite mit einer glatten und leicht spiegelnden Oberfläche versehen, während der Außenseite durch ein spezielles Lackierungsverfahren ein opaler Charakter verliehen wurde. Auf diese Weise werden im Deckenzwischenraum leuchtende Volumina generiert, die der Decke Lebendigkeit und Tiefe verleihen.
Die klaren Abschlussscheiben der Kegel setzen markante Lichtschwerpunkte und erlauben von jedem Sitzplatz aus direkte und weitestgehend ungehinderte Ausblicke in den Himmel. Das konisch zulaufende Detail der Lichtöffnungen verringert dabei optisch die Deckenstärke und scheint den Himmel an die Kante der Lichtdecke heranzuführen. Mit dem Tageslichtsystem lassen sich vitale Lichtstimmungen bei mittleren Beleuchtungs-stärken zwischen 150 Lux an trüben und mehr als 800 Lux an klaren, sonnigen Tagen generieren. Bedarfsgerecht kann das Tageslicht jederzeit um LED-Licht mit wählbarer Farbtemperatur zwischen 2.700 Kelvin und 6.500 Kelvin ergänzt, bzw. am Abend ersetzt werden. Dafür wurden lineare LED-Leuchten wie Schaufeln einer Turbine ringförmig um die Tageslichttrichter und -zylinder angeordnet und um 30° in deren Richtung geneigt.
Lichtplanung:
Benjamin Dorff, Maik Czarniak, Tanja Baum, Thomas Möritz, Andreas Schulz
Weitere Projektbeteiligte:
Bauherr:
Land Baden-Württemberg vertr. Durch den Landesbetrieb Vermögen und Bau Baden-Württemberg
Architekt/Innenarchitekt:
Staab Architekten GmbH
Elektroplanung:
F & E Elektroanlagen GmbH
