Renovierter Raum mit vergipsten Wänden
Gips kann nach der Aufbereitung und Verwendung als Baustoff durch Recycling und anschließendes Calcinieren in seinen ursprünglichen Zustand als Roh- und Baustoff zurückgebildet werden. (Quelle: James Hardie Europe GmbH)

AusbauNews 2024-05-14T09:16:48.874Z Ressourcenschonung durch Gipsrecycling

Wie kaum ein anderer Baustoff eignet sich Gips für ressourceneffizientes Bauen, denn er lässt sich beinahe unbegrenzt recyceln und wird nie zu Abfall. Mit einer Zero-Waste-Initiative setzt die Senatsverwaltung Berlin jetzt ein deutliches Zeichen für hochwertiges Gipsrecycling.

Seit Jahresbeginn dürfen nicht nur in Berlin Gipsplatten - sofern sie frei von Anhaftungen und mineralischen Störstoffen sind – nicht mehr auf Deponien abgegeben werden. „Zu Recht“, findet Dipl.-Ing. Holger Ortleb, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Gipsindustrie und der Forschungsvereinigung der Gipsindustrie: „Gips ist das einzige natürliche mineralische  Material, das nach der Aufbereitung und Verwendung als Baustoff durch Recycling und anschließendes Calcinieren in seinen ursprünglichen Zustand als Roh- und Baustoff zurückgebildet werden kann. Ein geschlossener Kreislauf ‚Gips zu Gips‘ ist durchaus denkbar.“

Ortleb weist darauf hin, dass Gipsrecycling eine wichtige Funktion bei der Versorgung mit dem Rohstoff übernehmen kann: „Speziell dieser Baustoff ist dafür ganz hervorragend geeignet, weil man ihn fast sortenrein zurückgewinnen und anschließend immer wieder in hochwertigen Kreisläufen recyceln kann.“ Derzeit werde das Recycling allerdings von entgegenstehenden rechtlichen Rahmenbedingungen erschwert. „Das muss dringend geändert werden,“ so Ortleb weiter und verweist auf den Abschlussbericht der DERA/BGR-Dialogplattform Recyclingrohstoffe vom Oktober vergangenen Jahres. „Darin werden dringend notwendige Handlungsoptionen für die Politik benannt.“ Um die Potenziale beim Gipsrecycling optimal zu nutzen, sei es seitens der Bundesregierung notwendig, möglichst schnell für eine gesetzliche Grundlage zu sorgen, damit eine Verwendung von Recycling-Gips als sekundärer Rohstoff ohne Einschränkungen möglich ist.

Recyling ersetzt zusätzlichen Abbau nicht

Allerdings kann Gipsrecycling selbst bei 100 % Wiederverwertung den zukünftigen Bedarf nur in begrenztem Maße decken. Um die benötigten Mengen an Gips für die Industrie bereitzustellen, ist die Ausweisung neuer Abbaugebiete für Naturgips erforderlich.

Dass dieser zusätzliche Naturgipsabbau und der Umweltschutz sich nicht gegenseitig ausschließen, zeigt eine Studie der Universität Bayreuth. Die zeigt, dass die Natur sich diese Flächen in kürzester Zeit wieder zurückerobert, die sich dann zu wertvollen Ersatzlebensräumen für bedrohte Pflanzen- und Tierarten entwickeln. Viele der in den ehemaligen Steinbrüchen lebenden Arten wie zum Beispiel Orchideen oder Schmetterlinge sind in anderen Kulturlandschaften mittlerweile selten geworden. Zahlreiche alte Gipssteinbrüche wurden wegen ihrer Artenvielfalt von den Behörden inzwischen sogar als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Immer mehr Naturschützer erkennen die Renaturierungs- und Rekultivierungsaktivitäten der Gipsbranche an.

zuletzt editiert am 14. Mai 2024
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