Raum-in-Raum-Systeme - Selbsttragende Raumstrukturen sind die Antwort auf die architektonische Anforderung, den Ausbau bei sehr großen Gebäuden von der Gebäudehülle abzukoppeln. Dank industriell vorgefertigter Elemente müssen bei den Systemen aus dem Trockenbau statische Nachweise nicht mehr als Einzelnachweis erbracht werden.
Damit greifen diese Systeme wirtschaftlich nach bislang unerreichbaren Anwendungsfeldern ein Potpourri an Lösungen. Große Räume beeindrucken durch ihre schiere Größe. Das ist bei der Jahrhunderthalle in Bochum nicht anders als bei der aufgegebenen Panzerhalle (siehe S. 24: "Pavillons statt Panzer") in Wolfhagen. Kein Besucher kann sich der Faszination entziehen, wenn der Blick an unendlich langen Wänden oder Dächern entlanggleitet.
Bestandsgebäude, die solche Dimensionen haben, gibt es inzwischen reichlich:
›aufgegebene Produktionseinrichtungen, deren Eigentümer aus Kapazitätsgründen ihre Produktionsstätten an den Stadtrand oder gar ins Ausland verlegt haben,
›militärische Einrichtungen, die aufgrund des Schrumpfungsprozesses der Bundeswehr nicht mehr benötigt werden (s.o.),
›Veranstaltungshallen (z.B. Kinos) aus der Nachkriegsära, die in dieser Funktion nicht mehr genutzt werden.
›Villen mit Raumhöhen von 4 m und mehr.
Doch so attraktiv voluminöse Gebäude auch sein mögen, ihre Funktion ist im Rahmen einer Umnutzung gerade durch diesen Hallencharakter stark eingeschränkt. Sie sind schallschutz- und brandschutztechnisch unzureichend und lassen Infrastruktur vermissen. Aber nur wenn funktionierende Arbeitsplätze eingerichtet werden können, wenn eine Infrastruktur in Sachen Kommunikationstechnik vorhanden ist und wenn sanitäre Anlagen für die Nutzer verfügbar sind, kann eine solche Immobilie wieder genutzt werden.
Planer, die an neuen Funktionen für solche architektonisch ungewöhnlichen Gebäude arbeiten, müssen sich dabei mehr als einer Herausforderung stellen.
›Der Charme eines solchen Gebäudes besteht nur dann fort, wenn seine Authentizität gewahrt bleibt.
›Die Faszination von Größe und Offenheit ist ebenfalls zu erhalten, sonst gleicht das Innere standardisierten Innenräumen.
Die planerische Aufgabe, übergroßen Räumen punktuell Dimensionen vertrauter Raumgrößen zuzuweisen, ist natürlich längst nicht mehr auf Bestandsgebäude beschränkt.
Bei neuen Gebäuden kommt als Anforderungsprofil hinzu, dass Shopping Malls, Autohäuser oder Hightech-Produktionsstätten von heute Nutzungsflexibilität bieten müssen, damit ihr Eigentümer sie über den ganzen Lebenzyklus hinweg wirtschaftlich erfolgreich betreiben kann.
Raum-in-Raum-Systeme integrieren technische Funktionen
Die Antwort auf dieses Spannungsverhältnis aus Authentizität und Nutzungsflexibilität einerseits bei technischer und funktionaler Infrastruktur andererseits sind Raum-in-Raum-Systeme. Als Raumzellen mit einer eigenständigen Statik ermöglichen sie die konstruktive Auflösung des Gebäudes in eine Hülle und einen Ausbaukern. Durch sie bekommt letzterer eine komplett eigenständige Dimension.
Nun sind Raum-in-Raum-Systeme nichts grundsätzlich Neues. Auch in der Vergangenheit wurden sie in Stahlbau- oder in Holzbauweise geplant, berechnet und eingesetzt. Allerdings blieben aufgrund der aufwendigen Planungs- und Montagekosten solche Raum-in-Raum-Systeme teuren Prestigebauten vorbehalten.
Verbessert hat sich die Kosten-Nutzen-Relation erst, seit mit dem Knauf Cubo System ein industriell vorgefertigtes Raum-in-Raum-System aus dem Trockenbau zur Verfügung steht. Seine Tragestruktur besteht technisch gesehen aus der Kombination einer freispannenden Decke (D 131) und mindestens vier Teleskopstützen. Für die Ausfachung der Wände und die Beplankung der Decke wird klassisches Trockenbaumaterial eingesetzt. Möglich sind Raumhöhen von 2,5 m bis 3,70 m, die maximale Breite beträgt 7,50 m. (Bei größeren Räumlängen werden Queraussteifungen notwendig.) Öffnungen sind standardmäßig bis zu einer Breite von 2,0 m möglich. Innerhalb dieser Eckdaten kann sich das Design einer solchen Raumzelle frei bewegen.
Das eigentlich Neue dieses Systems beschreibt Knauf Marktmanagerin Petra Stöcklein: "Was unser System von vorhandenen unterscheidet, ist sein hoher Grad an Standardisierung. Während in allen Stahl- und Leichtbausystemen ein Statiker den Nachweis der Tragfähigkeit erbringen muss, ist das beim Cubo System in der Regel nicht notwendig. In den von uns herausgegebenen Unterlagen sind Bauhöhe, Spannweite und Tragfähigkeit in Tabellenform für jede einzelne Konfiguration abgelegt. Wer sich als Trockenbau-Unternehmer bautechnisch in diesem vorgegebenen Rahmen bewegt, hat den Nachweis der Standsicherheit und Tragfähigkeit mit den Systemelementen mitgekauft.
Erst wenn ein Verarbeiter über die Standardmaße, zum Beispiel die Bauhöhe von 3,7 m, hinausgehen will, muss er sich mit uns in Verbindung setzen. Wir würden dann, je nach Bauhöhe und Einbausituaiton, eine Freigabe im Einzelfall erteilen."
Mit Hilfe dieser großen Standardisierung ist es gelungen, die Wirtschaftlichkeit und damit das Nutzungssprektrum der Raumzellen deutlich zu erweitern. Damit stehen diese Systeme inzwischen auch für Bauaufgaben mit engem Budget zur Verfügung.
Waren diese Zellen in der Anfangsphase vorzugsweise rechteckige Konstruktionen, so hat sich inzwischen die Typologie extrem aufgeweitet. Runde Systeme sind ebenso möglich wie unregelmäßig amorphe. Anwendungstechnisch gesehen ist der Phantasie durch die Technik keine Beschränkung mehr auferlegt.