Während Materialien für die Außendämmung bereits seit Jahren güteüberwacht sind, gab es für Innendämmungen bislang noch kein verlässliches Gütesiegel. Mit Einführung eines neuen RAL-Gütezeichens wurde hier Abhilfe geschaffen. Jörg Rahnfeld sprach hierüber mit den beiden Initiatoren des neuen Gütezeichens, Dr. Werner Fuchs, Geschäftsführer der GG-Cert, und Kay Beyen, Vorsitzender des zuständigen Güteausschusses.

Herr Dr. Fuchs, die GG-Cert ist hauptsächlich dafür bekannt, im Bereich der Bauprodukte und Zuliefersysteme tätig zu sein. Was war der Anlass dafür, ein RAL-Gütezeichen Innendämmung ins Leben zu rufen?
Dr. Werner Fuchs: Die Nachfrage ist bei der Innendämmung sehr groß. Dieses technisch anspruchsvolle Thema, bei dem viel schief gehen kann und gerade auf Verarbeiter-Seite „Wildwuchs“ herrscht, benötigt ein Gütezeichen für nachvollziehbare Qualität. Wir als GG-Cert sind in Gesprächen immer wieder auf dieses Thema direkt angesprochen worden. Am Ende haben wir uns entschieden, für den Markt ein solches Kennzeichen zu entwickeln.
Herr Beyen, wie sehen für Sie die Vorteile eines RAL-Gütezeichens Innendämmung aus?
Kay Beyen: Ein Gütezeichen kann jeder ins Leben rufen. Dabei handelt es sich ja nicht um einen geschützten Begriff. Doch wirklichen Sinn macht nur ein Gütezeichen, bei dem die Qualitätsmaßstäbe vorgegeben werden und dem Endkunden die nötige Sicherheit in der Anwendung bieten, so wie es beim RAL-Gütezeichen der Fall ist. Dabei achten wir natürlich auf Unabhängigkeit. Denn der RAL-Verbund prüft jedes neue RAL-Gütezeichen, ganz ohne Lobbyinteressen.
Wie lang war der Weg, den Sie von der Idee bis zur Umsetzung gegangen sind?
Dr. Werner Fuchs: Es war die schnellste Anerkennung eines RALGütezeichens in der Baubranche, die ich je erlebt habe. Da muss ich unseren Ansprechpartnern beim RAL-Verbund großen Respekt zollen. Wir wurden hervorragend durch den Anerkennungsprozess begleitet.
Kay Beyen: … und natürlich haben wir bei der GG-Cert auch unsere Hausaufgaben gemacht.
Für wen ist das Gütezeichen interessant? Gibt es hier Einschränkungen bei der Zertifizierung oder müssen spezielle Grundvoraussetzungen erfüllt werden?
Kay Beyen: Für den Endkunden ist es interessant, zukünftig auf das RAL-Gütezeichen Innendämmung zu achten. Denn er erkennt daran, dass er „nicht irgendwas“ verbaut bekommt. Für Hersteller macht das Zeichen Sinn, da sie dadurch die Unbedenklichkeit ihrer Innendämmungssysteme im Rahmen der Gütebestimmungen auszeichnen. Und für Planer wie Monteure ist durch die Kennzeichnung der eigenen Arbeit sichergestellt, dass ein durchgängiger Prozess umfangreicher Kontrollen die Grundlage bildet. Diese bisher nicht greifbare Qualität in Planung und Ausführung erhält damit ein ganz eigenes Qualitätsmerkmal. Denn dadurch trennt sich, wenn man so will, die Spreu vom Weizen. Erst Recht, weil Planung und Einbau RAL-gütegeprüfter Innendämmsysteme nur durch qualifiziertes Personal ausgeführt werden darf.
Dr. Werner Fuchs: Ein RAL-Gütezeichen ist ja gerade durch seine hohe Transparenz in allen Phasen der Prozesse gekennzeichnet. Jeder kann das RAL-Gütezeichen „InnenDämmung“ erteilt bekommen, der die Prüfbestimmungen erfüllt. Außerhalb dieser klaren Regelungen gibt es keine weiteren Bedingungen, weder eine Verbandsmitgliedschaft, noch die Unterwerfung unter branchenweite Regelungen.
Wie funktioniert die Vergabe des RAL-Gütezeichens „InnenDämmung“?
Kay Beyen: Die Güte- und Prüfbestimmungen fordern den Eignungsnachweis des Innendämmsystems. Diese Eignung ist zunächst durch Laborprüfungen zu belegen. Die werkseigene Produktionskontrolle hat im Anschluss die Aufgabe, diese geprüfte Qualität kontinuierlich sicherzustellen. Regelmäßige Überprüfungen dieser Vorgänge durch externe Gutachter garantieren die korrekte Einhaltung der Gütebestimmungen.
Wie viel Zeit vergeht von der Anmeldung bis zur Erteilung
des Gütezeichens?
Kay Beyen: Aus der Erfahrung der GG-Cert wissen wir, dass es dafür zwei entscheidende Komponenten gibt: die Unterstützung durch Ansprechpartner bei uns und die Zuarbeiten des Kunden. Für erstere können wir uns verbürgen, schließlich wissen wir, worauf es ankommt, und können so mit Rat und Hilfestellung den Antragstellern zur Hand gehen. Für die zweite Komponente kommt es ganz auf Wunsch und Wollen der Unternehmen an.
Ist diese Kennzeichnung ein einmaliger Prozess für die Teilnehmer?
Dr. Werner Fuchs: Wie bei jedem Gütezeichen, das den Kriterien des RAL-Verbundes genügen will, sind natürlich regelmäßige Prüfungen angesetzt. Hier werden in festgeschriebenen Zeiträumen die Prüfkriterien erneut unter die Lupe genommen. Im Idealfall kann die Nutzung des Zeichens dann verlängert werden, im schlimmsten Fall wird es aberkannt.
Gibt es denn schon Interessenten, die sich gerade qualifizieren lassen?
Dr. Werner Fuchs: Ja, die Anerkennung durch den RAL-Verbund wurde auf der Farbe – Ausbau & Fassade 2013 in Köln bekannt gegeben. Darauf haben einige namhafte Unternehmen gewartet, um direkt mit der Antragstellung zu beginnen. Wir haben also die ersten Unterlagen von der Industrie zur Prüfung vorliegen.