Die Unternehmen des deutschen Bauhauptgewerbes haben im zweiten Quartal bundesweit 11.300 neue Lehrverträge abgeschlossen. Damit konnte sich die Zahl der neuen Ausbildungsverträge zwar stabilisieren, die Hoffnungen auf eine Wende am Ausbildungsmarkt haben sich aber nicht erfüllt.
Mit diesen Worten bewertet Dipl.-oec. Andreas Schmieg, Vizepräsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, die jüngsten Ausbildungszahlen der Sozialkassen der Bauwirtschaft SOKA-BAU (Urlaubs- und Lohnausgleichskasse der Bauwirtschaft und Zusatzversorgungskasse des Baugewerbes).
Weitere Verträge kämen zwar erfahrungsgemäß bis Ende des Jahres hinzu, dies reiche aber bei Weitem nicht aus, um den steigenden Bedarf zu decken.
"Immer mehr Unternehmen sehen im Fachkräftemangel inzwischen ein großes Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung ihrer Unternehmen", erläuterte Schmieg. Nach einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) hätten sich im Frühsommer über 60 % der befragten Bauunternehmen besorgt gezeigt (Anfang 2010: 20 %).
Gleichzeitig sei die Zahl der Ausbildungsbetriebe Ende Juni auf ein Bestandstief von 14.400 Betriebe zurückgegangen, ergänzte Schmieg. Schmieg führt dies nicht auf ein gesunkenes Interesse der Unternehmen an der Ausbildung zurück, sondern auf zunehmende Schwierigkeiten, Lehrstellen überhaupt besetzen zu können. Schon im vergangenen Jahr habe nach einer Umfrage des DIHK zur Ausbildungssituation jedes dritte befragte Bauunternehmen nicht alle Ausbildungsplätze vergeben können. Schmieg appelliert dennoch an die Unternehmen: "Lassen Sie trotzdem in Ihren Ausbildungsanstrengungen nicht nach. Die fehlenden Azubis von heute sind die fehlenden Fachkräfte von morgen."
"Allein den Personalbestand zu halten, stellt die Branche vor eine große Herausforderung", erklärte Schmieg weiter. "Seit Jahren übersteigen die altersbedingten Abgänge die Zugänge an Nachwuchskräften deutlich. Zum Jahresende 2015 standen 16.000 Abgänge von gewerblichen Arbeitskräften in die Rente nur 10.600 gewerbliche Nachwuchskräfte im ersten Lehrjahr gegenüber. Erste Auswirkungen des demographischen Wandels zeigen sich schon jetzt in der Personalstruktur der Unternehmen: Mehr als ein Drittel der gewerblichen Arbeitnehmer ist bereits älter als 50 Jahre."
