Trocken geht es bei diesen Kompetenztreffen nie zu. Schon deshalb, weil der Verein „WIR für Trockenbau und Ausbau“, Veranstalter dieser spannenden Reihe, ReferentInnen an den Start bringt, die kein Blatt vor den Mund nehmen. Ob BDB-Präsidentin, Unternehmerin und WIR-Vorsitzende Katharina Metzger, WIR-Vorstand Thomas Schmid oder Michael Hölker, Hauptgeschäftsführer des BDB und WIR-Geschäftsführer, sie alle suchen die direkte Aussprache mit VertreterInnen aus Politik, Handel und Industrie, um Konkretes zu erreichen, Komplexität im deutschen Baufach abzubauen und bei allen Optimierungen wieder „von effizienten zu effektiven Lösungen zu kommen“.
Und so wurde auch die achte KTT („kompetenztreff trockenbau“) Veranstaltung in Hamburg und die neunte in Augsburg mit Unterstützung der Industrie in diesem Herbst zu einem Treff der offenen Worte für Transparenz und Sicherheit im Trockenbau. Ganz im Einklang mit dem Vereinsziel, das nicht nur dem Gewerk generell, sondern bekanntermaßen auch den offenen Systemen auf die Sprünge helfen will. Mit Erfolg, so Hölker und Schmid, die gerade von ihrem dritten Prüfverfahren bzw. der Genehmigung für eine weitere offene Lösung (freigespannte Decke F30) mit sehr guten Ergebnissen berichten konnten. „WIR hat es sich zum Ziel gesetzt, einfache, täglich wiederkehrende Konstruktionen und Aufbauten, die in großer Zahl auf Baustellen eingesetzt werden, über Normen abzubilden“, holte Thomas Schmid mit einem Rückblick auf die Entstehung des Vereins neue InteressentInnen mit ins Boot. „Wir wollen den Trockenbau schlanker, aber auch rechtssicher machen“, so das Credo des Stuckateurmeisters mit Ingenieursstudium. Produkte sollten frei vom Lager erworben und eingesetzt werden können.
Dass es aber im Trockenbau nicht nur im Umgang mit den Systemen hapert, sondern auch wesentlich bei den Wertschöpfungsprozessen, belegte Schmid erneut anhand jüngster Zahlen, was vor allem im Bauwerkskostenvergleich mit dem technischen Ausbau schmerzhaft deutlich wurde (Geschosswohnungsbau von 2000 bis 2023: Ausbau (konstruktiv) +139%; Ausbau (technisch) +318%). „Ist die Trockenbau-Branche eigentlich die einzige, die ohne Ertrag auskommt?“, fragte Schmid. Dem kontinuierlichen Minustrend sei nur zu begegnen, wenn Fachhandel, Hersteller und Fachunternehmen über die eigenen Interessen und Motive hinaus, gemeinsame Schnittmengen stärkten. Dazu gehöre, Fachplaner für dieses Gewerk zu sensibilisieren und Fehlerquellen durch viel zu komplex dokumentierte Vorgaben (150 Seiten allgemeine bauaufsichtliche Prüfzeugnisse (abP) nur für eine F 90-Wand!) auf den Baustellen zu reduzieren. Darüber hinaus kämen immer mehr Features und Spezialitäten mit wiederum eigenen Vorschriften für die Montage seitens der Hersteller auf den Markt, obwohl die abP Innovationstreiber genug seien. „Darüber hinaus ist der Trockenbau eine getriebene Branche der Nachunternehmer“, mahnte Schmid, der die Vor- und Nachteile von offenen, halboffenen und geschlossenen Systemen auch unter diesem Aspekt im Hinblick auf Akzeptanz und Haftungssicherheit thematisierte. Er plädierte dafür, in abP-Gremien mit Branchenteilnehmern und Institutionen gemeinsame Nenner in Anlehnung an realistische Anforderungen zu erarbeiten. Bei alltäglichen Standards seien offene Systeme durchaus möglich einzusetzen, bei speziellen Anforderungen an Brand-, Schallschutz etc. geschlossene, so seine Empfehlung.
Dass Prüfzeugnisse nach unserem Recht die Ausnahme sein sollten, die als Bauartgenehmigungen nur zum Tragen kämen, wenn nicht nach DIN gebaut werde, daran erinnerte Markus Runte, Technischer Leiter Danogips und Mitglied des DIN Normausschusses „Gips und Gipsprodukte“. Er plädierte für die Freiheit der Entscheidung im Trockenbau und verteidigte einen gewissen Egoismus der Industrie. Geprüfte Systeme kosteten schließlich Geld und so sei es legitim, herstellerspezifische Produkte zumindest teilweise wie in halboffenen Systemen vorzuschreiben. Runte räumte aber gerade aus eigener Erfahrung als ehemaliger Bauleiter ein, dass der Trockenbau sich in der Tat das Leben mitunter selbst schwer und für die Anwender erst zum Hexenwerk mache. „Mir sind keine Abstoßungsprozesse bekannt, wenn Spachtel oder Schrauben von Fremdanbietern genutzt wurden“, scherzte Runde. Kernaufgabe der Industrie sei es seines Erachtens aber, in den Normungsgremien zu wirken und die Normkonstruktionen und Varianten zu diskutieren und umzusetzen.
Nach vielen (Produkt)-Vorträgen und Ausführungen, die nicht nur eine bessere Orientierung boten, sondern auch alle Vorteile zutage gefördert hatten, stellten sich abschließend die Fragen, warum die Fachunternehmen immer noch nach agP bauten und warum Berlin die offenen Systeme nicht als Vorschlag für baukostengünstige Alternativen aufnehme. Immerhin habe Ministerin Gallwitz ihre Doktor-Arbeit über Normung geschrieben, räumte Katharina Metzger ein, die einen Paradigmenwechsel in der Politik zu erkennen glaubt. Dass wir einfacher bauen müssen, dass Wohnen bezahlbar werden muss, dass wir wieder leistungsfähige Normen brauchen, das sei angekommen. Wie schnell nun Taten folgten, sei freilich eine andere Geschichte.
