Mit der kontinuierlichen Sanierung und Modernisierung des historischen Posthofs entsteht in Trier ein Bürgertreffpunkt für das Projekt der „Neuen Mitte“. Die historische Dimension sowie der städtebauliche Anspruch verlangten eine Brandschutzertüchtigung mit viel Augenmaß. Unter anderem für diese brandschutztechnische Sensibilität wurde die Frings Montagebau GbR aus Altrich in diesem Jahr mit einem Preis der 9. Rigips Trophy 2013 I 2014 ausgezeichnet. (Foto: Frings Montagebau/Saint-Gobain Rigips)
Wenn in einer der ältesten Städte Deutschlands eine „Neue Mitte“ geschaffen wird, kann man davon ausgehen, dass die Stadtväter und Investoren kein futuristisches „Stahl-Glas-Beton-Bauwerk“ im Sinn haben. Vielmehr entsteht in Trier mit der Wiederbelebung des historischen Posthofs eine Identität stiftende Innenstadtmarke mit einzigartigem Charakter. Das zentral am Kornmarkt in der Trierer Altstadt gelegene Gebäudeensemble verfügt über knapp 17.000 m² Bruttogeschossfläche. Neben Einzelhandelsgeschäften sowie einem inzwischen preisgekrönten Restaurant haben sich inzwischen auch zahlreiche Dienstleistungsunternehmen hier niedergelassen. Als letzter Neumieter wird im Sommer 2015 ein Hotel die frisch sanierten Räumlichkeiten beziehen.
Nimmt man es genau, reichen die Wurzeln des heutigen Posthofs bis ins Jahr 1759 zurück. Damals entstand am Kornmarkt im Auftrag des Trierer Kurfürsten Philipp von Walderdorffs die so genannte „Kronenburg“. Die Entwürfe des Architekten und Hofbaumeisters Johannes Seiz gelten noch heute als Paradebeispiel des gehobenen Bürgerhausbaus an der Schwelle zum Klassizismus.
Auch als an gleicher Stelle in den Jahren 1879 bis 1892 das neue Post- und Telegrafengebäude der Kaiserlichen Oberpostdirektion errichtet wurde, sollte die barocke Anmutung des Vorgängergebäudes erhalten bleiben. Entsprechend flossen zahlreiche Originalbauteile der Kronenburg in den Neubau ein. Im Laufe der Jahre wuchsen die Aufgaben der Postdirektion und so entschied man sich für eine umfassende Erweiterung des Gebäudes. Zwischen 1909 und 1911 entstanden die heutigen Grundrisse und Gebäude, mit deren Sanierung sich Christian Frings, Geschäftsführer der Frings Montagebau GbR, in den letzten Jahren beschäftigte.

„2011 erhielten wir eine erste Anfrage hinsichtlich der erforderlichen Brandschutzmaßnahmen im Zuge einer umfassenden Sanierung“, erinnert sich der Trockenbauprofi. „Uns war schnell klar, dass die Gebäude eine Reihe von Herausforderungen für uns bereithielten.“ Weite Teile des Posthofs stehen unter Denkmalschutz. Unterschiedlichste Konstruktionen und Bausubstanzen – beispielsweise Rohdecken der Bauarten I bis IV – finden sich auf engstem Raum. Erschwerend kam hinzu, dass für die meisten Bereiche keinerlei historische Baupläne mehr vorlagen. Entsprechend haben die Trockenbauexperten von Frings in enger Zusammenarbeit mit dem Planer und den Technikern bei Rigips fast alle Details auf der Baustelle analysiert und gelöst.
Ertüchtigung der Bestandsdecken mit „Luft“ für zusätzliche Lasten
Ein Schwerpunkt der im Januar 2012 angelaufenen Arbeiten bestand in der brandschutztechnischen Ertüchtigung der Bestandsdecken. Da das Objekt nach Vermietungsstand kontinuierlich ausgebaut wird, sind Christian Frings und seine Mitarbeiter auch heute noch vor Ort tätig. Von den rund 6.000 m² Deckenflächen wurden und werden rund 4.800 m² als Brandschutzdecken ausgeführt.
Gemäß dem Rigips-System 4.45.00 wurden hierfür zunächst Grund- und Tragprofile (Deckenprofile CD 60/27) über Noniusabhänger zwischen 200 und 800 mm tief abgehängt. Um von der Deckenbauart unabhängig F90 zu erreichen, setzte das Ausbauteam auf eine Beplankung mit der Brandschutzplatte Glasroc F (Ridurit) in 25 mm. Gleichzeitig wurde eine Zusatzlast für mögliche Sichtdecken von bis zu 15 kg/m² eingeplant und bei der Montage der Unterkonstruktion berücksichtigt. Mit weniger als 700 mm fielen die Achsabstände der Grund-/Tragprofile entsprechend gering aus.

„In Bereichen, in denen Unklarheit über die Beschaffenheit der Bestandsdecken herrschte, haben wir gemäß Rigips-System 4.10.22 selbstständige F90-Decken mit einer 2 × 20 mm dicken Beplankung aus „Die Dicke RF“ (Rigips) montiert, ebenfalls unter Berücksichtigung der genannten Zusatzlast von 15 kg/m²“, so Christian Frings.
F90 auch im Dachgeschoss mit individuellen Lösungen
F90 war auch in den Dachbereichen gefordert. Hierfür mussten zunächst die im Dachgeschoss vorhandenen Luftkanäle ausgebaut werden. Eine eingebrachte Zwischensparrendämmung sorgt für den erforderlichen Wärmeschutz, eine doppelte Beplankung der Dachschrägen mit „Die Dicke RF“ für den baulichen Brandschutz. „Viele der historischen Dachbalken sollten weiterhin sichtbar bleiben, entsprechend genau haben wir die Decken an die Balken angearbeitet. Eingebrachte Stahlträger wurden vollflächig mit Glasroc F (Ridurit) in F90 bekleidet und in die Raumgestaltung mit eingebunden“, beschreibt Christian Frings.
In Teilbereichen, die nur vorübergehend vermietet werden sollten, wurden keine Unterdecken montiert. In Zusammenarbeit mit dem betreuenden Rigips-Techniker fand man jedoch auch hier eine Lösung für die in den Massivdecken befindlichen Stahlträger: Auf dem sichtbaren Flansch der Träger wurde eine Lage Glasroc F mittels Kleber und Gasnägeln mit Dichtscheiben befestigt. Der Überstand von 20 bis 30 mm wurde dann mit Handputz geschlossen und über einen selbst hergestellten Rundspachtel an die Decken angearbeitet. „Ein gutes Beispiel für die gleichermaßen individuell entwickelten wie überzeugenden Lösungen, die wir an vielen Stellen im Posthof finden mussten.“
Wie bei Totalsanierungen üblich, mussten neue Brandabschnitte gebildet und die Gebäudetechnik in Schächten untergebracht werden. Die nach der Dachbekleidung neu installierten Zu- und Abluftkanäle etwa verschwanden hinter einer großen F90- Schachtwand aus Glasroc F (2 × 20 mm).
Bögen und Stuckprofile erwecken Gebäudehistorie zu neuem Leben
Auch wenn viele Brandschutzkonstruktionen hinter Sichtdecken und Einbauteilen verschwanden, bleiben andere Ausbauleistungen für die Mieter und Gebäudenutzer deutlich sichtbar: eher unscheinbar, wie die unter die Sanierungsdecken montierten Akustikdecken in den Büroräumen, extravagant hingegen wie die großen Bögen- und Stützenverkleidungen in stark frequentierten Ladenlokalen. Unter anderem durch sie wird das historische Ambiente der Gebäude, das über die Fassadengestaltung und Grundrisse nach außen vermittelt wird, auch im Inneren neu zum Leben erweckt. „Es sind ja vorhandene Bögen, die schon zu Zeiten der Postdirektion die Decken überspannten. Diese hinter geraden Decken- und Stützenbekleidungen zu verstecken, wäre dem Charakter des Gebäudes nicht gerecht geworden“, findet auch Christian Frings. „Dort, wo die Rundungen nicht mehr intakt waren, haben wir die Bögen mit den trocken biegsamen GK-Form-Platten von Rigips rekonstruiert. Mit Stuckzierprofilen, die wir mittels Schablone direkt auf der Baustelle hergestellt haben, wurden dann die Details ausgebildet.“
Diese Liebe zum (Gebäude-)Detail merkt man dem gesamten Gebäudeensemble an. Der öffentlich zugängliche Innenhof mit Gastronomieangeboten sowie die ausgewogene Mieterzusammensetzung haben den Posthof inzwischen zu einem beliebten Treffpunkt und einer „Neuen Mitte“ von Trier werden lassen.