Das Orchester der Staatsoper Hannover probt seit Kurzem in einem Saal der raumakustischen Extraklasse. Dafür sorgen eine ausgeklügelte weitgehend schallstreuende Unterdecke auf mehreren Ebenen sowie eine schallentkoppelnde Raum-in- Raum-Lösung an Boden, Wand und Decke. Beides entstand in enger Abstimmung mit dem Akustiker durch die Germerott Innenausbau, die für diese Ausbauleistung bei der Rigips Trophy 2013 I 2014 den Sieg im Bereich Akustiksysteme errang. (Foto: Ralf Mohr, Hannover)
Das Zusammenspiel der einzelnen Musiker in einem großen Orchester will geübt sein. Deshalb sind die Ansprüche der Musiker nicht nur an Konzertsäle hoch, sondern gelten auch für Proberäume. Denn die Musiker müssen sich beim gemeinsamen Proben untereinander gut hören können, um das Zusammenspiel harmonisch aufeinander abzustimmen. Dafür hat das Orchester der Staatsoper Hannover nun beste Voraussetzungen. In nur wenigen Monaten Bauzeit wurde für das Orchester das ehemalige Landesbühnentheater zu einem Probesaal mit überzeugender Klangreinheit umgebaut. Die Grundlage dafür schuf ein beispielhaftes Akustikkonzept. Messungen vor den Umbaumaßnahmen sowie Befragungen der Musiker durch den Akustiker standen am Anfang der Planungen. Nach dem Umbau wurden die realisierten Maßnahmen noch einmal auf den Prüfstand gestellt.
Konsequente Schallentkopplung an kompletter Innenschale
Herausforderung Nr. 1 war: Senkung des Grundgeräuschpegels durch ein ausreichendes Raumvolumen. Zusammen rund 1.400 m2 messen die Wand-, Decken- und Bodenflächen des neun Meter hohen Probesaals. Messungen vor den Umbaumaßnahmen und Befragungen der Musiker durch den Akustiker standen am Anfang der Planungen. „Wie bei jeder raumakustischen Planung ist auch für einen Orchesterproberaum ein sehr niedriger Grundgeräuschpegel die erste Voraussetzung“, erläutert der Akustiker Vladimir Szynajowski. „Bereits bei einem Grundgeräuschpegel von 30 dB(A) ist bei einigen Instrumenten die untere Grenze des Dynamikbereichs stark gestört und subtile Klangnuancen können nicht mehr ausreichend wahrgenommen werden. Aus diesem Grund wurde für den Probensaal in Hannover ein Schallimmissionsgrenzwert von maximal 25 dB(A) festgelegt, der auch bei einem Luftdurchsatz von 10.000 m3/h eingehalten werden sollte.“
Die Einhaltung dieses niedrigen Grundgeräuschpegels gewährleisten zwei wichtige Eckpfeiler des akustischen Konzepts: Um die Strömungsgeräusche der Lüftungsanlage zu reduzieren, wurden großzügig dimensionierte Austrittsflächen erstellt. Sie finden sich dezent etwa im unteren Bereich der „Dirigentenwand“ und in der Podesterie. Die gemessene Luftaustrittsgeschwindigkeit beträgt bei diesen Auslassbereichen geringe 0,16 m/s, was eine nicht nur geräuscharme, sondern auch eine zugfreie Einbringung der Frischluft garantiert.

Für eine weitere Reduzierung des Geräuschpegels sorgt die Raum-in-Raum- Bauweise. „Die gesamte Innenschale inklu- konsequent vom bestehenden Baukörper schallentkoppelt hergestellt“, erläutert Frank Fenselau, Geschäftsführer der Germerott Innenausbau GmbH & Co. KG aus Gehrden. So entstand z. B. die Bodenunterkonstruktion auf dem vorhandenen Betonestrich aus C-Profilen auf Polymerlagern mit einer eingelegten Mineralwolldämmung und einer Auflage aus verleimten und verschraubten Holzwerkstoffplatten.
Dicke Bitumenbahnen helfen bei der konstruktiven Entkopplung
Weit aufwendiger und an Herausforderungen reicher gestalteten sich die Arbeiten an den Deckenflächen. In einem ersten Schritt wurden eine Unterdecke aus zwei Lagen Feuerschutzplatten RF (Beplankungsmaterialien wie Unterkonstruktion allesamt Rigips) erstellt. Hierfür wurde eine Unterkonstruktion aus UA-50-Profilen als Grund- und CD 60/27/06 als Tragprofile mittels schwingungsentkoppelnden Befestigungselementen an den vorhandenen Stahlträgern montiert. Die Abhanghöhe betrug ca. 500 mm. Anschließend wurden 80 mm dicke Mineralwollematten auf die Unterkonstruktion gelegt und gleitsicher befestigt. Zur Verbesserung der Schallschutzeigenschaften wurden zwischen die beiden Plattenlagen zusätzlich eine 5 mm dicke Bitumenbahn eingelegt.
Von dieser Unterdecke wiederum wurde über Noniusabhänger die Tragkonstruktion für die Sichtdecke aus gefalteten Gipskartonelementen abgehängt. Die Faltelemente bestehen aus speziellen Schallschutzplatten („Die Blauen“ von Rigips) und weisen jeweils eine Schrägstellung von ca. 21° auf einer Länge von 1.250 mm auf. Sie sorgen so für eine gleichmäßige Schallstreuung. „Insbesondere das Anbringen der großen Faltelemente erforderte aufgrund der Kürze der Bauzeit ein hohes Maß an Vorplanung und Vorfertigung. Sämtliche Anschlüsse der Decke an die Massivwand wurden mithilfe eine Rotationslasers exakt justiert und elastisch mit Frank Fenselau.
Material- und Formenmix sorgt für eine ausbalancierte Diffusität
Der raumakustische Entwurf basiert in seinen Überlegungen auf einer mittleren Orchesterbesetzung, was in etwa 80 Musikern entspricht. Für die Herstellung einer ausreichenden Schalldiffusität wurden neben der Deckenfläche auch die Wände prismatisch geformt. Hierfür erhielten die 9 m hohen umlaufenden Wände Vorsatzschalen aus Profilen mit einer eingelegten Mineralwolledämmung (Isover Akustik TP 1). Der Ständerabstand betrug 625 mm. Die Vorsatzschalen wurden an den vorhandenen Betonstützen (Abstand von ca. 5 m) schwingungsentkoppelt befestigt.

Die Beplankung gleicht derjenigen der Deckenlösung: zwei Lagen Feuerschutzplatten RF (12,5 mm) mit einer eingelegten Bitumenbahn zur besseren Schalldämpfung. „Die Wandinnenseiten wurden als selbsttragende Konstruktion aus Konstruktionsvollholz ausgeführt, die mit Elementen von unterschiedlichen Schallabsorptionsgraden ausgefacht wurde, wodurch die Nachhallzeit im gesamten relevanten Frequenzbereich eingestellt werden konnte. Hier sorgt die Kombination aus unterschiedlichen Materialien wie Blähglasgranulatplatten, Holz oder Lochplatten 8/18 R für das gewünschte Ergebnis“, berichtet Frank Fenselau.
Die Nachhallzeitdauer des unbesetzten Orchesterproberaumes beträgt bei mittleren Frequenzen etwa 1,0 s und fällt bei einer Besetzung des Saals mit 80 Personen auf 0,8 s ab. Der Unterschied der Nachhallzeit im besetzten Zustand beträgt in den Frequenzen von 250 Hz bis 2 kHz weniger als 10 %. Für die Eigenkontrolle und zur Unterstützung des gegenseitigen Hörens der Musiker sind unterhalb der prismatisch geformten Decke zusätzlich Schallreflektoren angebracht worden, die oberhalb von ca. 500 Hz eine geometrische Schallreflexion bewirken. Der Grundgeräuschpegel des Orchesterprobesaals, der im Wesentlichen durch die Lüftungsanlage bestimmt wird, lag bei der Abschlussmessung bei nur 23 dB(A).