Ein Schiff löscht einen Brand auf einem anderen Schiff im Hafen mit einem starken Wasserstrahl.
Brandschutzbauteile, die auf Schiffen eingesetzt werden, müssen Feuerwiderstände von bis zu 120 Minuten aufweisen. Außerdem sind Bauelemente hier oft besonders groß. Das macht ihre Prüfung zu einer technischen Herausforderung. (Quelle: muratart – stock.adobe.com)

AusbauNews 2026-04-22T09:22:00Z IFT Rosenheim prüft Brandschutzbauteile für den Einsatz auf See

Brandschutzelemente auf Schiffen müssen besondere Anforderungen erfüllen. Ein entsprechendes Prüfverfahren am IFT Rosenheim eröffnet Herstellern neue Möglichkeiten.

Auf hoher See ist die nächste Feuerwache oft hunderte Kilometer entfernt. Deshalb ist es wichtig, dass Brandschutzelemente auf Schiffen besonders widerstandsfähig sind, um Menschenleben und Sachgüter zu schützen. Seit Ende 2025 ist das IFT Rosenheim als anerkanntes Prüflabor in der „GISIS-Datenbank“ der International Maritime Organization (IMO) gelistet und prüft Bauelemente sowie Baustoffe für den Einsatz im Schiffsbau nach dem FTP-Code. Dieser lehnt sich an bekannte EN-Normen an.  

Prüfungen nach IMO-Standard stellen aufgrund der langen Prüfdauern hohe technische Anforderungen an Labor, Prüftechnik und Prüfpersonal. Neben großformatigen Prüfungen bis 8 m × 5 m liefern Prüfungen des Brandverhaltens einzelner Baustoffe wichtige Erkenntnisse bei Neuentwicklungen und ermöglichen eine ganzheitliche Betrachtung. Herstellern, die bereits am IFT Rosenheim prüfen, erleichtert das den Eintritt in den maritimen Markt, da sie ihre Türen, Tore, Fenster, Schotte, Beschläge sowie Baustoffe nun aus einer Hand auch nach den Vorgaben des FTP-Codes prüfen können. Sie erhalten Nachweise, die bei Werften, Schiffsausrüstern und Reedereien weltweit anerkannt sind. 

Feuerwiderstand bis 120 Minuten benötigt  

Während Brandschutzbauteile für den Einsatz an Land in der Regel über 30, 60 oder 90 Minuten auf den Feuerwiderstand geprüft werden, schreibt der FTP-Code Prüfzeiten von bis zu 120 Minuten vor. „Der Unterschied zwischen 90 und 120 Minuten Prüfdauer ist nicht zu unterschätzen. Über den gesamten Zeitraum muss die Temperatur im Ofen stabil gehalten und gleichmäßig verteilt werden. Am IFT-Brandschutzzentrum verfügen wir über fünf Öfen für Elemente bis 8 m × 5 m sowie die notwendige Prüferfahrung, um diese Anforderungen zuverlässig zu erfüllen“, so Dipl.-Ing. Markus Leppin, Geschäftsbereichsleiter Prüfung für die Bereiche Brand, Bauakustik und Fassade am IFT Rosenheim. Zudem kann auf den Prüfständen des IFT Rosenheim das Brandverhalten sämtlicher relevanter Baustoffe für den Schiffsbau geprüft werden. Diese Kombination ermöglicht eine ganzheitliche Betrachtung der Produkte und liefert Herstellern wichtige Erkenntnisse bei der Neuentwicklung. 

Weitere Besonderheiten beim Brandschutz auf Schiffen  

Neben den besonderen Feuerwiderstandsdauern bestehen auf Schiffen besondere bauliche Voraussetzungen im Brandfall. Yachten, Kreuzfahrt- oder Containerschiffe müssen viele verschiedene Räume auf engstem Platz unterbringen, beispielsweise Wohnbereiche, Küchen, Lager- oder Maschinenräume. An Bord sind zum Großteil Stahlwände verbaut, die Hitze schnell weiterleiten. So können sich Brände durch reine Wärmeleitung ausbreiten. Lange Flure, Treppenhäuser und Lüftungsschächte verstärken den Kamineffekt. Türen, Tore, Schotte und Fenster sind deswegen eine entscheidende Barriere, um die Ausbreitung von Bränden auf Schiffen einzuschränken.

zuletzt editiert am 22. April 2026