Blick in eine Wohnsiedlung mit Bestandsgebäuden
Der Gebäudebestand hat in Sachen Energieeffizienz enormen Nachholbedarf. (Quelle: Passivhaus Institut)

AusbauNews 2024-06-05T07:26:19.221Z ENBIL liefert Vorschläge für geeignete Sanierungsschritte

Unter dem Namen ENBIL hat das Passivhaus Institut ein Programm entwickelt, dass die ersten Schritte hin zu einer energetischen Modernisierung erleichtern soll. Aufgrund einiger Angaben zum jeweiligen Haus erstellt ENBIL eine vereinfachte Gebäudeanalyse und schlägt passende Sanierungsschritte vor. Dabei wird neben der Wirkung dieser Maßnahmen auch deren Wirtschaftlichkeit bewertet. Die Ergebnisse sind eine gute Grundlage für die weitere Planung der Sanierung mit Energieberaterinnen und Energieberatern. ENBIL steht online zur Verfügung und ist gebührenfrei nutzbar.

Das Online-Programm erstellt mit einigen Informationen zum jeweiligen Gebäude eine vereinfachte energetische Bilanz, anhand derer sich der Energiebedarf des Hauses im aktuellen Zustand ablesen lässt. Im Anschluss können Nutzerinnen und Nutzer aus einer Reihe von automatisch erstellten Vorschlägen verschiedene Maßnahmen für energetische Verbesserungen auswählen, mit denen der Verbrauch an Heizwärme gesenkt werden kann. Dabei lässt sich auch direkt ablesen, wie hoch die jeweilige Energieeinsparung sein wird, wenn zum Beispiel das Dach oder die Außenwände mit einem guten Wärmeschutz versehen oder gute, dreifach verglaste Fenster eingebaut werden.

Den Einstieg finden

„Energie wird in den kommenden Jahrzehnten nicht günstiger, eher ist das Gegenteil der Fall. Der Klimaschutz braucht gerade auch bei Gebäuden noch einen kräftigen Schub, wobei es hauptsächlich auf den Bestand ankommt. Mit ENBIL wollen wir die ersten Schritte zu einer Sanierung erleichtern, denn der zuverlässige Überblick zeigt, was alles machbar ist und wie viel das ungefähr kostet“, erläutert Jürgen Schnieders vom Passivhaus Institut. Dabei betont der Wissenschaftler, ENBIL biete eine gute Orientierung über mögliche Sanierungsarbeiten, für die weiteren Schritte sollte jedoch mit Fachleuten im Bereich Energieberatung zusammengearbeitet werden.

Gute energetische Qualität

Damit sich Verbesserungen am Gebäude lohnen, sei es wichtig, günstige Gelegenheiten zu nutzen, so Jürgen Schnieders weiter. Würden Bauteile ohnehin erneuert oder repariert, dann verursachten energieeffizientere Komponenten nur relativ geringe Mehrkosten, die sich zudem zuverlässig amortisierten. Werde jedoch lediglich eine mittlere energetische Qualität für die neuen Bauteile ausgewählt, dann bleibe die Energieeinsparung hinter den Möglichkeiten zurück, und weder die Bewohner noch der Klimaschutz profitierten davon.

Ausgebremst durch Lock-in-Effekt

Die Folge der mittleren Qualität sei ein Lock-in-Effekt: Neue Fenster zum Beispiel, die lediglich einen mittelguten Wärmeschutz aufweisen, würden in den nächsten Jahrzehnten sicherlich nicht noch einmal erneuert, das wäre einfach zu kostspielig. „Im Endeffekt ist dann die einmalige Möglichkeit verpasst worden, gleichzeitig Energie und Kosten einzusparen und den Wohnkomfort zu Hause spürbar zu erhöhen“, sagt Schnieders. Wie günstig es sich auswirkt, wenn eine energetische Erneuerung an so genannte Ohnehin-Maßnahmen gekoppelt wird, kann mit ENBIL ebenfalls leicht berechnet werden.

Sanieren mit Köpfchen

Ende Juni sind alle interessierten Personen dazu eingeladen, sich bei der Veranstaltung „Sanieren mit Köpfchen“ in Darmstadt ein aktuelles Sanierungsprojekt anzuschauen. Das charmante Einfamilienhaus aus dem Jahr 1928 wird mit Passivhaus-Komponenten energetisch saniert. Im Rahmen der Tage der offenen Tür im Passivhaus führt das Passivhaus Institut am Freitag, 28. Juni 2024 durch das Gebäude, und auch die Baufamilie steht für Fragen zur Verfügung. Bereits am Vormittag findet ein Workshop für Kommunen statt. Weitere Informationen dazu hier.

Wer ENBIL besser kennen lernen möchte, der hat Ende August die Gelegenheit dazu, denn beim Passivhaus-Abend „ENBIL – schnell und kostenlos Sanierungsoptionen für Wohngebäude identifizieren“ am Mittwoch, 28. August 2024 stellt Jürgen Schnieders das Energiebilanzierungstool ausführlich vor. Die Teilnahme am Webinar ist gebührenfrei.

zuletzt editiert am 05. Juni 2024
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