Was kostet gute Raumakustik? Diese Frage kann man noch halbwegs leicht anhand von Material- und Stundensätzen beantworten. Aber was kostet es den Auftraggeber oder Investor, wenn gute Raumakustik fehlt? – Kann man die Vorteile einer guten Raumakustik in Cent und Euro beziffern? Dieser Frage ging ein Akustiker auf einer Konferenz für Facility Management nach. Seine Berechnungen sollten Augen und Ohren öffnen.
Schon seit Urzeiten sind wir Menschen perfekt an das Leben in freier Natur angepasst. Unser extrem sensibles Gehör registriert jedwede Art von Geräuschen. Früher war das überlebenswichtig, half es uns doch bei der Jagd oder veranlasste uns zur Flucht vor tödlicher Gefahr. Dieser Mechanismus hat sich nicht geändert, auch nicht, als wir anfingen, den größten Teil unseres Tages in Gebäuden zu verbringen. Lärm führt auch heute noch zu erhöhtem Puls und Blutdruck, Schweißproduktion und der Ausschüttung des Stresshormons Adrenalin – dabei ist es unerheblich, ob wir uns gerade in der Wildnis befinden oder in einem Krankenhaus, einem Büro, in einer Schule oder Universität oder in irgendeinem anderen Gebäude.
Rainer Machner von der Firma Ecophon demonstrierte diesen Mechanismus sehr anschaulich im Rahmen seines Workshops auf der European Facility Management Conference (EFMC) 2014 in Berlin. Darüber hinaus erklärte er dort weitere akustische Phänomene, z. B. wie der Lombard-Effekt zum Café-Effekt führt (die Neigung, in einem ohnehin lauten Umfeld noch lauter zu reden) oder wie viel schwerer es uns fällt, uns eine Zahlenfolge in lärmerfüllter im Gegensatz zu einer ruhigen Umgebung zu merken. Diese beeindruckenden (Hör-)Beispiele und praktischen Übungen haben unmissverständlich „vor Ohren“ geführt, wie wichtig eine gute akustische Umgebung am Arbeitsplatz ist.
Unwissen der Gebäudeeigner ist Haupthindernis für gute Akustik
Dass in Konzertsälen der Klangqualität allergrößte Bedeutung beigemessen wird, dürfte nicht überraschen. Aber auch in anderen Branchen wächst das Bewusstsein für gutes Akustikdesign. So beschäftigen Autohersteller der Oberklasse, wie z. B. Porsche, eigens eine ganze Reihe von Ingenieuren, die sich ausschließlich der Akustik ihres Produkts widmen. Die Erkenntnis, dass die Akustik natürlich auch am Arbeitsplatz eine wichtige Rolle spielt, hat sich dagegen leider noch nicht vollständig durchgesetzt.
Wie eine Umfrage während der EFMC ergab, klafft eine große Lücke zwischen theoretischem Wissen bzw. Bewusstsein und praktischer Realität. Der Umstand, dass Akustikmaßnahmen häufig erst getroffen werden, wenn ein neues Gebäude bereits bezogen wurde und die akustischen Defizite offenbar werden, ist sicher nicht nur den Planern oder Architekten zuzuschreiben und definitiv nicht den Akustikern. Es sind viel eher die Gebäudeeigentümer oder Bauträger, die sich der späteren Auswirkungen einer ungeplanten Akustik nicht bewusst sind, keine bewährten Praxislösungen kennen und für Neuerungen nicht offen sind.
Hinzu kommt, dass sie die Investition scheuen, offensichtlich in der Annahme, es sei weder notwendig noch rentabel, in ein Akustiksystem zu investieren, das, auch im Falle von veränderten Anforderungen, diese noch flexibel erfüllen kann.
Die Personalkosten aufgrund schlechter Akustik sind erheblich
An dieser Stelle tritt die „Machner-Formel“ auf den Plan: Sie berechnet den wirtschaftlichen Verlust, die Angestellte aufgrund von lärmbedingten Störungen generieren:
- Im Durchschnitt gehen wir an 220 Tagen im Jahr arbeiten, acht Stunden pro Arbeitstag. Nun sei angenommen, das Jahresgehalt eines Angestellten im Großraumbüro beträgt 60.000 Euro. Somit ergibt sich ein Gehalt von 0,57 Euro pro Minute.
- Da sich der Schall von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz fortsetzt, wird eine gewisse Anzahl an Mitarbeitern mehrmals am Tag durch Geräusche gestört werden. Forschungsergebnisse haben bewiesen, dass es im Schnitt 25 Minuten dauert, bis man wieder auf dem gleichen Leistungsniveau wie vor der Störung ist. Konservativ gerechnet gehen wir bei diesem Beispiel nur von zehn Minuten aus. Wenn also ein Angestellter dreimal für jeweils zehn Minuten am Tag unterbrochen wird, ergibt sich bereits ein wirtschaftlicher Verlust von 17,10 Euro pro Tag. Bei einer Belegschaft von 150 Mitarbeitern summiert sich so ein Jahresverlust von 564.300 Euro.
Wer hätte gedacht, dass der wirtschaftliche Schaden aufgrund von ungehinderter Schallausbreitung etwa dem Jahresgehalt von 9,5 Mitarbeitern entspricht? Natürlich lassen sich diese Einbußen vermeiden – aber zu welchem Preis? Die Erfahrung aus vielen Projekten zeigt, dass sich die Kosten für wirksame Akustikmaßnahmen meist auf 1 bis 2 % der Gesamtkosten begrenzen lassen. Eine Investition in die akustische Leistung hat sich also meist schnell amortisiert.
Akustik bringt bares Geld, weil sie die Effizienz der Mitarbeiter steigert
Egal welches Akustiksystem installiert wird, eine vollflächig verlegte Decke, einzelne Deckensegel oder Trennwände oder eine Kombination daraus, unter dem Strich ergibt sich ein signifikanter geldwerter Vorteil, der sich auf mehrfache Weise auszahlt. Auch Decken mit Betonkernaktivierung sind keine Entschuldigung mehr, um sich nicht um ein gutes akustisches Umfeld am Arbeitsplatz zu bemühen.
Forschung und Praxis haben die Vorteile einer guten Akustik am Arbeitsplatz hinreichend belegt: Nicht nur spart sie bares Geld ein, sondern sie steigert außerdem noch die Leistungsfähigkeit, führt zu mehr Zufriedenheit am Arbeitsplatz, verbessert das Wohlbefinden und erhöht insgesamt sowohl die Qualität als auch die Quantität der Leistung. Sie vermindert Stress, schützt vor Burnout und hilft, teure Missverständnisse und doppelte Arbeit zu vermeiden.
Nebenbei wird so die Attraktivität eines Arbeitsplatzes erheblich erhöht – vor dem Hintergrund eines zunehmend härter werdenden Wettbewerbs ein sicherlich nicht unwesentlicher Faktor im Kampf um talentierte und hoch qualifizierte neue Mitarbeiter. Natürlich gibt es nicht die eine allgemeingültige Lösung für gute Raumakustik. Aber eine Investition in die Akustik lohnt sich für die Auftraggeber – auch in Cent und Euro! Das zeigt die „Machner-Formel“ eindrücklich.
