In ihren Pressekonferenzen zur Konjunkturlage loben die Handwerkskammern derzeit die „ausgesprochen gute Stimmung bei den Unternehmen“, so etwa die Kölner Kammer. Das schließe auch das Bauhauptgewerbe ein. In diesen positiven „Wein“ muss der Präsident der Baugewerblichen Verbände, Rüdiger Otto, indes „Wasser“ gießen.
Otto verweist unter anderem auf die offizielle Statistik des Landesbetriebs Information und Technik NRW als Statistischem Landesamt. Danach ist zwar der Auftragseingang 2013 im Vergleich zu 2012 um 6,6 Prozent angestiegen, der Umsatz der Betriebe jedoch um 2,2 Prozent gesunken. Darüber hinaus hätten laut Otto die betrieblichen Kostensteigerungen das Plus bei den Preisen von Rohbauten (1,1 Prozent in 2013 gegenüber 2012) und beim Straßenbau (3,0 Prozent) mehr als überkompensiert. Im langfristigen Vergleich liege der Umsatz trotz der Erholungstendenzen seit etwa 2005 im Übrigen noch immer um mehr als fünf Prozent unter dem Stand des Jahres 2000. Rüdiger Otto verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass die amtliche Statistik sich ausschließlich auf Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern beziehe. Man könne davon ausgehen, dass die Ertragslage bei den kleineren Betrieben wegen der harten Konkurrenz untereinander „noch nach unten abweicht“.
Einen weiteren Beleg für die Unterschiede zwischen Geschäftslage und finanzieller Situation im Bauhauptgewerbe gebe die landesweite Auswertung der Konjunkturbefragungen im Handwerk. Im Herbst 2013, dem aktuellsten Stand, hätten die Baufirmen in NRW tatsächlich ihre Lage überdurchschnittlich positiv eingeschätzt, zugleich jedoch die Preisentwicklung vergleichsweise schlecht dargestellt: Während 21 Prozent aller Handwerker von höheren Preisen berichtete, taten dies damals nur 17 Prozent der Bauunternehmer. Umgekehrt hatten 13 Prozent im Gesamthandwerk ihre Preise senken müssen, aber 15 Prozent der Bauhandwerker. Diese Unterschiede hatten sich, zum Teil sogar noch deutlicher, bereits in den Konjunkturbarometern im Frühjahr 2013 und im Herbst 2012 gezeigt.
„Wir dürfen also angesichts der in der Tat erfreulichen Entwicklung beim Auftragseingang davon nicht auf die wirtschaftliche Situation der Betriebe in ihrer Gesamtheit schließen“, warnt der Präsident der Baugewerblichen Verbände. Nicht zuletzt dort liege nämlich eine zentrale Ursache dafür, dass 2013 erstmals wieder die Zahl der Beschäftigten leicht zurückgegangen ist: Nach einer viele Jahre anhaltenden Talfahrt hatte sie sich seit 2008 leicht erholt, war jedoch 2013 laut Landesbetrieb Information und Technik um 0,4 Prozent auf knapp 129.000 Mitarbeiter gesunken.
