In technischen Regelwerken und Ausschreibungen werden häufig ähnlich lautende Begriffe zum Thema Korrosion und Korrosionsschutz benutzt, die auf keinen Fall verwechselt werden dürfen.
Die folgenden Definitionen sollen die richtige Anwendung dieser Begriffe erleichtern und deutlich machen, dass es sich immer um ein System mit Wechselwirkungen aus mehreren Komponenten und Einflussfaktoren handelt. In diesem Zusammenhang spricht die Firma Modersohn, ein Hersteller von Edelstahlbauteilen, daher von einem "Korrosionssystem". Aus diesem Grund müssten diese Begriffe in technischen Texten und Ausschreibungen immer durch konkrete Angaben zu den einzusetzenden Werkstoffen, der Oberflächengüte, den Kontaktbaustoffen und weiteren Umweltbedingungen (Lichteinfluss, Temperatureinflüsse, besondere umgebende Medien etc.) ergänzt werden. Hierzu wurde durch die Firma Modersohn ein entsprechnendes Thesenpapier verfasst, welches die Begriffe näher erläutern soll:
Unterscheidung der Begriffe
Vorab: die folgenden Begriffe wurden von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) in Abstimmung mit dem Deutschen Institut für Bautechnik (DIBT) definiert. Somit sind diese Definitionen offiziell und amtlich bestätigt.
Korrosionsschutz (DIN EN ISO 8044)
Veränderung eines Korrosionssystems derart, dass Korrosionsschäden vermieden werden.
Erläuterung: Unter Korrosionsschutz wird die Summe aller Maßnahmen verstanden, die dazu beitragen, Werkstoffe vor der Zerstörung durch chemische und/oder physikalische Angriffe zu schützen, z.B. aggressive Medien, Bewitterung, Tauwasser etc.). Ziel ist, das Ausmaß der Korrosion so zu begrenzen, dass Korrosionsschäden, d. h. der Verlust oder die Einschränkung der Funktion eines Bauteils oder einer Anlage, vermieden werden.
Korrosionsgeschützt (nicht normativ geregelter Begriff)
Dieser Begriff gibt an, dass Bauteile mit Hilfe von Beschichtungen (organische Schichten, z.B. Lack, Pulverbeschichtung) und/oder Überzügen (anorganische Schichten, z.B. Verzinkung, Chromatierung, Emaillierung) vor den einwirkenden Umgebungsbedingungen geschützt werden.
Erläuterung: Teilweise wird dieser Begriff auch für korrosionsbeständige Werkstoffe verwendet, bei denen die vorhandene Korrosionsbeständigkeit durch weitere Maßnahmen erhöht wurde (z.B. "Aluminium korrosionsgeschützt" = anodisch oxidiertes Aluminium.
Korrosionsbeständigkeit (DIN EN ISO 8044)
Dieser Begriff beschreibt die Fähigkeit eines Metalls, seine Funktionen in einem gegebenen Korrosionssystem ohne Beeinträchtigungen durch Korrosion zu erfüllen.
Erläuterung: Ist vom Planer gefordert, dass ein Bauteil "korrosionsbeständig" sein muss, so ist damit gemeint, dass der Werkstoff (z.B. Edelstahl Rostfrei), aus dem diese Bauteil hergestellt werden soll, unter den gegebenen Randbedingungen dauerhaft keinen Korrosionsschaden erleidet. Es ist dann nicht zulässig, einen Werkstoff mit Beschichtungen, bzw. Überzügen einzusetzen. Dies könnte die Funktion des Bauteils einschränken und Korrosionsrisiken wieder erhöhen.
Korrosionswiderstand* (nicht normativ geregelter Begriff)
Dieser Begriff dient häufig der Werkstoffklassifikation korrosionsbeständiger Werkstoffe. Er ist keine Werkstoffkenngröße. Der Korrosionswiderstand ermöglicht eine Einteilung von Werkstoffen in Gruppen, die unter bestimmten Umgebungsbedingungen die Korrosionsbeständigkeit ohne zusätzliche Maßnahmen dauerhaft sicherstellen können.
Erläuterung: Zur Verdeutlichung verweisen wir auf die Definition von Korrosionswiderderstandsklassen in der Allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung Z-30.3-6 "Erzeugnisse, Verbindungsmittel und Bauteile aus nichtrostenden Stählen". In Ausschreibungs- und Planungsunterlagen ist die konkrete Vorgabe einer Widerstandsklasse unbedingt erforderlich. Die zuständigen Prüfinstitute können, sofern ein Stahl nicht klassifiziert ist, diesen dem Widerstandsklassensystem durch Versuche bzw. Messungen zuordnen
*Verschiedentlich wird der Begriff auch für nicht korrosionsbeständige Werkstoffe verwendet, wenn die Korrosionsgeschwindigkeit von Werkstoffen durch bestimmte Maßnahmen (z.B. Legierungszusätze) verhindert werden kann. Man spricht dann häufig von einer "Erhöhung des Korrosionswiderstandes", ohne dass ein korrosionsbeständiger Werkstoff vorliegt.
Korrosionssicher (nicht normativ geregelter Begriff)
Dies ist ein häufig in Regelwerken, Fachliteratur, Produktbeschreibungen und Bauausschreibungen angewandter, ungenauer Begriff zur Beschreibung einer Erwartungshaltung in Bezug auf das Korrosionsverhalten. Er dient entweder zum Ausdruck vorliegender, langjähriger Erfahrungswerte mit bestimmten Korrosionssystemen oder als Ausdruck für eine gewünschte Eigenschaft, die durch geeignete Maßnahmen erreicht werden soll.
Erläuterung: Um eine nachprüfbare und sinnvolle Ausführungsbeschreibung zu erhalten, muss dieser Begriff näher erläutert werden. Wird der Begriff "korrosionssicher" ohne weitere Angaben im direkten Zusammenhang mit dem Begriff "Bauteil, Produkt, Stahl oder Werkstoff" etc. angewandt, so muss man für das Bauteil von einem korrosionsbeständigen Werkstoff, z.B. Edelstahl Rostfrei, ausgehen. Ansonsten ist die Beschreibung durch eine geeignete Schutzmaßnahme, wie z.B. schützendes Bauteil, Beschichtung oder Überzug zu ergänzen.
Fazit:
Es gibt viele auf den ersten Blick ähnliche und daher leicht verwechselbare Begriffe und Bestimmungen, die extrem genau betrachtet und beachtet werden müssen. Im Zweifel sollten Sie sich immer für qualitativ hochwertige Materialien entscheiden. Edelstahl Rostfrei gemäß den Widerstandsklassen der Allgemeinen bauaufsichtlich Zulassung Z-30.3-6 besitzt für die meisten Bauteile laut Modersohn den besten Schutz gegen die zahlreich vorkommenden System-Einflussfaktoren. Die Verwendung von Edelstahl Rostfrei stellt sicher, dass die unterschiedlichen Baustoffe bzw. Bauteile perfekt und dauerhaft miteinander verbunden werden können.
Weitere Informationen erhalten Sie auf den Webseiten der Firma Modersohn unter: