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Klimaschutz statt REA-Gips?

Der Klimawandel und die Maßnahmen, die ergriffen werden, um die Erderwärmung zu begrenzen, haben auch auf die Gewinnung verschiedener Baurohstoffe große Auswirkungen: zum Beispiel auf die von Gips. Was auf die Gipsindustrie in den kommenden Jahren zukommt, hat der Branchenverband in den vergangenen Wochen klar gemacht.

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Ohne Rauchgasentschwefelung kein REA-Gips.
Foto: TA

In Deutschland liegt der Gipsbedarf nach Angaben des Bundesverband der Gipsindustrie (BV Gips) und des Verbands für Dämmsysteme, Putz und Mörtel (VDPM) pro Jahr bei rund 10 Millionen Tonnen – Tendenz steigend. Er wird vollständig aus heimischen Rohstoffquellen gedeckt. Bei knapp der Hälfte der benötigten Gipsmenge handelt es sich im Wesentlichen um Naturgips/-anhydrit, der im Tagebau oder untertägigem Abbau gewonnen wird. Die andere Hälfte entstammt dem Prozess der Rauchgasentschwefelung von Kohlekraftwerken als sogenannter REA-Gips – und genau hier liegt das Problem: Denn das Kohleausstiegsgesetz sieht den schrittweisen Ausstieg aus der Kohleverstromung bis spätestens 2038 vor.

Das wiederum bedeutet einen kontinuierlichen Rückgang bei der REA-Gipsproduktion. Dieser Prozess läuft bereits und führt an seinem Ende in spätestens 18 Jahren dazu, dass überhaupt kein REA-Gips mehr zur Verfügung steht. Mehr als die Hälfte des Bedarfs muss also nach und nach aus anderen Quellen gedeckt werden. Darüber hinaus zeichnet sich REA-Gips durch die im Vergleich höchste Reinheit (Calciumsulfatanteil) aus und er verursacht den geringsten Aufwand sowie entsprechend niedrigere Kosten bei der Herstellung.

Neben den beiden genannten Arten wird Gips auch noch über Gipsrecycling gewonnen beziehungsweise technisch erzeugt. Doch diese zusätzlichen Methoden reichen bei Weitem nicht aus, um die Lücke zu schließen, die durch den Wegfall von REA-Gips entsteht. Diese Lücke wird zum überwiegenden Teil nur durch die erhöhte Gewinnung von Naturgips/-anhydrit geschlossen werden können.

Diese Tatsache sei den Politikern auf Bundesebene mittlerweile klar, so BV Gips und VDPM. In der Fortschreibung der Rohstoffstrategie der Bundesregierung aus dem Januar 2020 heißt es zum Beispiel: „Gipsrecycling wird den zukünftigen Bedarf […] nur in begrenztem Maße decken können. Entsprechend ist die Ausweisung neuer Abbaugebiete für Naturgips erforderlich, um die benötigten Gipsmengen bereitzustellen.“ Die Bundesländer sprachen sich in ihrer Stellungnahme zum Kohleausstiegsgesetz dafür aus, den REA-Gips-Anteil vermehrt durch Abbau von Naturgips in Deutschland oder durch Import zu ersetzen.

Deutschland hat selbst große Gipsvorkommen. Neue potenzielle Abbaugebiete für Naturgips/-anhydrit gibt es insbesondere in Baden-Württemberg, in Nordbayern (Franken) und im Südharz. Die letztgenannte Region (in Niedersachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt) verfügt über die größte Menge und hochwertiges Abbaumaterial. Die Wirtschaftsministerkonferenz der Bundesländer hat einen einstimmigen Beschluss gefasst zur verlässlichen Sicherstellung der Gipsversorgung nach dem REA-Gips-Ende und gefordert, dazu bereits jetzt entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Dies müsse nun auch in der Realität umgesetzt werden, betonen der BV Gips und der VDPM, um den sich bereits abzeichnenden Engpässen bei der Gips-Rohstoffversorgung vorzubeugen.