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Positive Impulse für den Wohnungs-, negative für den Nichtwohnbau

Die Heinze GmbH hat ihre Baumarktprognose für die Jahre 2020 bis 2025 vorgelegt. In den kommenden Jahren werde die Bautätigkeit stark durch die Corona-Pandemie geprägt sein, so die Marktforscher der Informationsplattform – mit sehr unterschiedlichen Folgen für verschiedene Marktsegmente.

wwwScreenshot_2020-11-17 Positive Impulse für den Wohnung-, negative für den Nichtwohnbau
In früheren Mittelfristprognosen ging man bisher von einem Rückgang der Fertigstellungen im Eigenheimbau aus. Derzeit sieht es eher nach einer stabilen Entwicklung oberhalb der Marke von 100.000 WE aus.
Foto: Heinze GmbH, Datengrundlage Statistisches Bundesamt

Derzeit kommt keine wirtschaftliche Prognose ohne Annahmen über die Entwicklung der Corona-Pandemie aus. Die Marktforscher der Heinze GmbH gehen davon aus, dass wir es deshalb noch lange Zeit mit einer „90-Prozent-Ökonomie“ zu tun haben werden, in der manche Branchen als Wachstumsstützen ausfallen. 2021 sei eine hohe Zahl an Insolvenzen zu erwarten, die das Wachstum belasten, darüber hinaus zahlreiche strukturelle und teure wirtschaftliche Veränderungen. International werde die Krise der Schwellenländer das Wachstum noch lange Zeit ausbremsen. Langfristig bewege sich die Weltwirtschaft von einem Umfeld des „Weiter so in einer globalisierten Welt“ in ein Umfeld der „Glokalisierung mit steigenden Umweltkosten“ hinein. Das Vorkrisenniveau werde erst 2022/23 wieder erreicht.

Auf der Grundlage von Daten des Statistischen Bundesamtes, die von einer geringeren Zahl von Haushalten in der Bundesrepublik 2035 ausgeht, als ursprünglich erwartet, und des Wohnverhaltens der Haushalte hat Heinze einen demografischen Nachfrageindikator entwickelt, der, wenn auch leicht abgeschwächt, immer noch wächst. Die Auswirkungen der Klimapolitik auf die Bauwirtschaft hängen stark davon ab, wie sich die Förderung entwickelt. 2020 seien energetische Maßnahmen mit geschätzten 3 bis 4 Milliarden Euro gefördert worden, so die Marktforscher. Zur Erreichung der klimapolitischen Ziele müssten nach vorsichtigen Schätzungen der Wohnungsverbände aber jährlich Fördermittel in Höhe von 14 bis 25 Milliarden aufgebracht werden. Die gesamte Investitionssumme wäre doppelt so hoch. Dabei sei der Nichtwohnbau noch nicht eingerechnet. Nähme man diesen proportional zu seinem Anteil am Bruttoanlagevermögen hinzu, käme man auf eine Investitionssumme von zusätzlich 67 Mrd. Euro. Das entspräche einer Erhöhung der Modernisierungsmaßnahmen im Hochbau in Höhe von 28 %. Selbst die Hälfte davon, wäre schon eine gewaltige politische und baugewerbliche Herausforderung.

Das bauwirtschaftliche Umfeld hat sich infolge von Corona erheblich verändert. Abgesehen von den kurzfristigen Beeinträchtigungen zeigen sich nach Ansicht von Heinze auch langfristige Veränderungen: Die Wanderungsbewegungen vom Land in die Stadt änderten sich tendenziell wieder in Richtung Land. Zudem gewinne die Bedarfskategorie „Wohnen“ gegenüber „Reisen“ an Bedeutung. Dadurch werde der Eigenheimbau gestützt. Der Bedarf an Wohnraum im Mehrfamilienhausbau bleibe hoch. Tendenziell erfährt der Wohnungsbau also eher positive Impulse.

Im Nichtwohnbau sieht das anders aus, so die Marktforscher. Bei Gebäuden im Bereich des Einzelhandels und des Hotel- und Gaststättengewerbes sei von Überkapazitäten auszugehen. Und auch wenn die Auswirkungen auf den Bürogebäudebau noch lebhaft diskutiert würden, spreche deutlich mehr für eine Bedarfsminderung als für optimistischere Annahmen. Der Lager- und Hallenbau gewinne tendenziell an Attraktivität, aber: „Was sind schon 1.000 Kubikmeter umbauter Raum einer Lagerhalle auf der grünen Wiese im Vergleich zum baugewerblichen Umsatz eines Bankgebäudes in der Innenstadt?“ Den aktuellen zweistelligen Zuwachsraten der Genehmigungen im Nichtwohnbau führt Heinze auf einen Sondereffekt zurück: Der konjunkturelle Rückgang im Nichtwohnbau habe sich bereits Ende 2019 abgezeichnet und der absehbare Einbruch bei den Genehmigungen werde sich 2021 stärker auswirken.

In früheren Mittelfristprognosen ging man bisher von einem Rückgang der Fertigstellungen im Eigenheimbau aus. Derzeit sehe es eher nach einer stabilen Entwicklung oberhalb der Marke von 100.000 WE aus. Der Mehrfamilienhausbau sei zunächst durch unklare Förderbedingungen ausgebremst worden und kam danach nur schleppend in Gang. Nun sollten sich die Wachstumskräfte voll entfalten. Die Marktforscher fordern die Politik auf, die Frist, nach der Bauanträge für die Sonder-AfA bis zum 31. Dezember 2021 gestellt werden müssen, um wenigstens ein Jahr zu verlängern. Schließlich sei sie selbst an den unklaren Bedingungen und damit für einen großen Teil der Verzögerungen verantwortlich. Beim Baukindergeld hat man sich bereits auf eine Verlängerung geeinigt.

Insgesamt ist der Ausblick der Marktforscher der Heinze GmbH durchaus optimistisch: Der Bauwirtschaft werde die Arbeit nicht ausgehen. Abgesehen von einer stabilen Nachfrage im Wohnungsbau wüchsen die Anforderungen an Baumaßnahmen im Bestand schon unter den jetzigen Bedingungen und führten zu hohen Wachstumsraten für Modernisierungen. Die eigentlichen Impulse müssten aber erst noch kommen. Darüber hinaus sei demnächst sehr viel Rückenwind von der EU Kommission zu erwarten, die eine Renovierungswelle der Gebäude in Europa anstrebt. Zur Erreichung der klimapolitischen Ziele müsste das Bauvolumen für Modernisierungen im Hochbau jährlich um ein Viertel höher liegen als derzeit.