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Kategorie Trockenbau: Der 1. Platz

Nach einer mehrjährigen, aufwendigen Sanierung wurde das Deutsche Theater in München im Januar 2014 feierlich wiedereröffnet. Vom Neorokoko des rund 120 Jahre alten „Feenpalastes“ blieb im Ausbau wenig übrig. Doranth Post Architekten transformierten das Innere mit Schwung in die Neuzeit. Für das visuell wie akustisch einzigartige Theatererlebnis mitverantwortlich waren die Ausbauexperten der TM Ausbau aus Puchheim, die für ihre meisterlichen Ausbauleistungen im Objekt zum Sieger in der Kategorie Trockenbau der Rigips Trophy 2013 I 2014 ausgezeichnet wurden. (Foto: Photo Graf, München)

Das nach mehrjährigen Sanierungsarbeiten wiedereröffnete Deutsche Theater in München bietet den Besuchern heute den Dreiklang aus ungewöhnlicher Optik, guter Akustik und raffinierter Lichttechnik.
Foto: Foto: Photo Graf, München

Das zwischen 1894 und 1896 erbaute Deutsche Theater in München gehört zu den kulturellen Wegmarken der bayerischen Landeshauptstadt. Im Laufe seiner wechselvollen Geschichte wurde der prachtvolle Bau im Neorokokostil von den Bürgern Münchens mal als „Feenpalast“, mal als „Palast des Lächelns“ tituliert. Legendäre Namen sind mit dem Theater verbunden: Karl Valentin, Johannes Heesters, Hans Moser, Beppo Brehm – sie alle gastierten in der Schwanthaler Straße.

Das luxuriöse Antlitz des historischen Zuschauersaals wurde jedoch bereits 1943 während des Zweiten Weltkriegs durch eine Fliegerbombe zerstört. Es folgte eine notdürftige Renovierung und die Wiedereröffnung im Jahr 1951, bevor Ende der 1970er-Jahre eine erneute Renovierung notwendig wurde. Über die Jahrzehnte entwickelte sich das Theater danach mehr und mehr zur erfolgreichen Musicalbühne. Entsprechend entschloss sich die Deutsche Theater Grund- und Hausbesitz GmbH 2008, in eine umfassende Generalsanierung der Bausubstanz sowie die Modernisierung von Sicherheits- und Haustechnik zu investieren. Während der Spielbetrieb in einen provisorischen Zeltpalast ausgelagert war, machten sich Denkmalexperten, Architekten, Raumakustiker und Trockenbauprofis an die Arbeit.

Mischung aus Reflexion und Absorption auf zwei Deckenebenen

„Wir haben Anfang 2011 mit den ersten Planungen und Umsetzungen im Deutschen Theater begonnen“, erinnert sich Martin Sedlmair, verantwortlicher Bauleiter von TM Ausbau. „Wir waren für den kompletten Trockenbau im Zuschauersaal sowie in allen Foyer-, Garderoben-, Technik- und Verwaltungsräumen des Theaters zuständig.“

Gerade die gebogenen Geometrien der Lichtkanäle ergaben eine Reihe komplexer Herausforderungen: So gab es eine Vielzahl nicht rechtwinkliger Kreuzungspunkte.
Gerade die gebogenen Geometrien der Lichtkanäle ergaben eine Reihe komplexer Herausforderungen: So gab es eine Vielzahl nicht rechtwinkliger Kreuzungspunkte.
Foto: Foto: TM Ausbau, Puchheim
Passgenaue Übergänge mussten in die Lichtkanäle der vertikal angrenzenden Wandverkleidungen geschaffen werden, obwohl diese erst zu einem viel späteren Zeitpunkt montiert werden konnten.
Passgenaue Übergänge mussten in die Lichtkanäle der vertikal angrenzenden Wandverkleidungen geschaffen werden, obwohl diese erst zu einem viel späteren Zeitpunkt montiert werden konnten.
Foto: Foto: Photo Graf, München

Die für die Theaterbesucher wohl sichtbarsten Spuren hat das Ausbauteam sicherlich im Zuschauersaal und im Foyer hinterlassen. Dort sind mit Blick auf die Optik, die Akustik und das Licht einzigartige Räume entstanden.Die raumakustisch größten Herausforderungen warteten im zentralen Veranstaltungssaal: Für ein Raumvolumen von ca. 7.300 m³ und knapp 1.600 Sitzplätze in regulärer Theaterbestuhlung sollte eine ausgewogene, auf musikalische Darbietungen unter Verwendung einer elektroakustischen Anlage hin ausgerichtete Akustik geschaffen werden. Die mit den raumakustischen Planungen beauftragte Müller-BBM aus Planegg bei München gab für den besetzten Innenraum Nachhallzeiten von ca. Tsoll = 0,95 bis 1,05 s bei einer Frequenz von 500 bis 2.000 Hz als anzustrebende Zielmarke vor. Für tiefere Frequenzen sollte eine deutliche Reduzierung der Nachhallzeiten auf T soll = 1,40 bis 1,50 s (125-Hz-Oktave) erreicht werden.

Realisiert wurde das raumakustische Konzept u. a. durch akustisch unterschiedlich wirksame Teilbereiche von zwei übereinanderliegenden Decken in verschiedenen, planerisch vorgegebenen dreidimensionalen Höhenlinien. „Für die schallabsorbierenden Deckenbereiche haben wir zunächst eine schalldämmende Unterdecke gemäß Rigips-System 4.05.24 erstellt. Als Unterkonstruktion dienten mit Noniusabhängern an Rigips-Weitspannträgern befestigte CD-60/27-Profile vom Hersteller als Grund- und Tragprofile. An sie wurden dann einlagig Bauplatten RB geschraubt. Davon wiederum ca. 250 mm tief abgehängt wurden dann schallabsorbierende Rigiton-Lochplatten RL 8/18 mit einer 30 mm dicken Mineralfaserdämmung als Auflage“, so Martin Sedlmair.

Über dem Balkon und Teilen der Rangsitzplätze betrug die Abhanghöhe nur etwa 100 mm. So blieb eine ausreichende Raumhöhe erhalten. Auf diese Weise wurden rund 650 m² Deckenfläche schallabsorbierend ausgebildet.

Etwa 400 m² schallreflektierende Deckenflächen wurden vor allem im vorderen Zuschauerbereich erstellt. Unter die Unterdecke wurden hierfür glatte Bauplatten RB (2 × 12,5 mm) mit einer Mineralwolleauflage (60 mm) abgehangen. Als rein optische Deckenuntersicht wurden daran anschließend Rigiton-Lochplatten einlagig verschraubt.

Optisch nahtlose Übergänge der Lichtkanäle durch Vorfertigung

Die Lichtkanäle können blaues, grünes, rotes oder weißes Licht erzeugen und schaffen damit sehr unterschiedliche Raumstimmungen.
Die Lichtkanäle können blaues, grünes, rotes oder weißes Licht erzeugen und schaffen damit sehr unterschiedliche Raumstimmungen.
Foto: Foto: Photo Graf, München

Eines der optischen Highlights im großen Saal sind die in Decke und Wände integrierten Lichtkanäle. Sie erforderten Montagegenauigkeit sowohl bei den Abhänge- und Unterkonstruktionen als auch bei der Ausbildung der dreidimensional geschwungenen Lochdecke. Die Lichtkanäle wurden von den für außergewöhnliche Vorfertigungselemente bekannten Gewölbetechnik- und Ausbauspezialisten der Voringer GmbH aus Rigidur-H-Gipsfaserplatten produziert und mussten vor Ort exakt eingepasst werden. Besondere Erschwernis dabei: Die Lichtbänder sollten optisch nahtlos von der Decke in die Wandflächen übergehen. Rund 300 mm breit und 200 mm tief verlaufen die Lichtkanäle bogenförmig innerhalb der Decken- und Wandverkleidungen. Etwa 113 laufende Meter durchleuchten die Deckenflächen, ca. 107 m entfallen auf die Wände. Martin Sedlmair: „Gerade die gebogenen Geometrien der Lichtkanäle ergaben eine Reihe komplexer Herausforderungen. So gab es eine Vielzahl nicht rechtwinkliger Kreuzungspunkte. Es mussten passgenaue Übergänge in die Kanäle der vertikal angrenzenden Wandverkleidungen geschaffen werden, obwohl diese erst zu einem viel späteren Zeitpunkt montiert werden konnten. Durch die teils extreme Deckengeometrie wurden Trennfugen notwendig, die wir für den Zuschauer unsichtbar in den Übergang zwischen den Lichtkanälen und der Sichtdecke integriert haben.“ Besonders eindrucksvoll und kontrastreich wirken die Lichtkanäle heute nach Inbetriebnahme im Zusammenwirken mit den in einem dunklen Rot gestrichenen Decken- und Wandflächen.

Ebenfalls aus Rigidur-H-Gipsfaserplatten wurde über der Bühne die optisch ansprechende Verkleidung der Lüftungsanlage und Bühnentechnik gefertigt. In der Form eines überdimensionalen, radial angeordneten „Kühlergrills“, wie es Martin Sedlmair beschreibt: „Dessen Abhängung erfolgte mittels Stahlbauprofilen und unter Einbindung der Bühnen- und Haustechnik. Die Herausforderung bei dieser Konstruktion lag u. a. in der hohen Oberflächengüte der schwarz beschichteten Decke. Zur Verkleidung der Lüftungsauslässe haben wir auf halbrund gefertigte Rigidur-H-Formteile zurückgegriffen und alle Flächen mit dem Vario-Fugenspachtel, ProMix-Plus-Fertigspachtel und ProMix- Finish auf Q3-Qualität gebracht.“

Hybridverkleidung der Wände sichert Anpralllasten und Akustik

Sonderkonstruktionen warteten auch in den Wandbereichen auf das Team der TM Ausbau. Die seitlichen Verkleidungen des Zuschauersaals wurden als Vorsatzschalen (Rigips-System 3.21.00) erstellt – in unterschiedlichen Radien gebogen und zugleich vertikal um 3° geneigt. Martin Sedlmair: „Für diese Sonderkonstruktionen mit bis zu 8 m Höhe, die wir gemeinsam mit den beteiligten Rigips-Fachberatern entwickelt haben, waren Standsicherheitsnachweise notwendig.“ Die Wände mussten zweierlei leisten: Zum einen galten vor allem im unteren Wandbereich hohe mechanische Anforderungen aufgrund möglicher Anpralllasten, hervorgerufen durch große Menschenansammlungen etwa im Bereich der Fluchtwege. Zum anderen waren die Wände ein wichtiger Bestandteil der Gestaltung und des raumakustischen Gesamtkonzepts.

Die angrenzenden Bauteile wie Stützenverkleidungen und Garderoben wurden ebenfalls in Trockenbauweise ausgeführt.
Die angrenzenden Bauteile wie Stützenverkleidungen und Garderoben wurden ebenfalls in Trockenbauweise ausgeführt. Die Rundungen, Nischen und Ablagen wurden mit gebogenen Glasroc-F-Platten erstellt. Die dadurch entstehenden Anschlüsse der Decken an die vertikalen Bauteile wurden mit Schattenfugen ausgebildet.
Foto: Foto: Photo Graf, München

Die Basis für die Wände bildete eine rückseitige Knaggenkonstruktion in Sandwichbauweise aus Rigidur H, darauf aufbauend eine Unterkonstruktion aus Schwingbügeln und Rigips-CW-50-Profilen zur Aufnahme der Resonanzabsorber, die ebenfalls in Sandwichbauweise aus Rigidur H und biegsamen Glasroc-F-Platten (Riflex) in 6 mm Dicke gefertigt wurden. Der untere, von Anpralllasten beanspruchte Wandteil wurde mit einer doppelten Lage Hartgipsplatten (Die Harte, 2 × 12,5 mm) beplankt.

Aber nicht nur der Zuschauersaal, bereits das Foyer des Deutschen Theaters setzt eindrucksvolle Akzente. Lichtkanäle und dreidimensional geschwungene Deckenelemente prägen auch hier das Raumgefüge. Alles in diesem Gebäudeteil scheint zu fließen: Die angrenzenden Bauteile wie Stützenverkleidungen und Garderoben wurden ebenfalls in Trockenbauweise ausgeführt. Die Rundungen, Nischen und Ablagen wurden mit gebogenen Glasroc-F-Platten erstellt. Sedlmair: „Die dadurch entstehenden Anschlüsse der Decken an die vertikalen Bauteile haben wir mit Schattenfugen ausgeführt, um die Decken weitestgehend zu entkoppeln und so einer Rissanfälligkeit der einzelnen extrem geformten Teilflächen entgegenzuwirken.“

In eindrucksvoller Erinnerung geblieben ist dem Bauleiter auch die Oberflächenbehandlung der Wand- und Deckenflächen im Foyer. Anders als im großen Veranstaltungssaal wurden die Oberflächen hier weiß – teilweise mit Akustikputz – ausgeführt. Die Lichtkanäle können blaues, grünes, rotes oder weißes Licht erzeugen und sorgen damit für sehr unterschiedliche Raumstimmungen. Die Illumination des Raumes erfolgt größtenteils durch diese Lichtkanäle. Das bedeutet viel Streiflicht, das auf Wände und Decken fällt. Und so wurden die Spachtelarbeiten immer wieder unterbrochen, um bei eingeschalteter Beleuchtung die bisher bearbeiteten Oberflächen zu begutachten und etwaige Unebenheiten direkt zu beseitigen. Der Bauleiter und sein Team hatten ein Aha-Erlebnis: „In diesen Momenten wurde vielen in unserem Team vielleicht zum ersten Mal bewusst, welche Wirkung dieses neu geschaffene Gebäudeinnere auf die künftigen Besucher haben könnte.“ An der Auferstehung eines historischen Unterhaltungspalastes im Zentrum Münchens haben die Trockenbauer jedenfalls einen hohen Anteil.

Kategorie Trockenbau 1. Platz
Die Meinung der Experten: Die Leistungen der TM Ausbau GmbH überzeugten die Fachjury der Rigips Trophy 2013 I 2014 in jeder Hinsicht: Einstimmig lobten die Jurymitglieder die gestalterischen und technischen Leistungen des Trockenbauteams aus Puchheim. Form, Gestaltung und Farbe wurden äußerst homogen und stimmig umgesetzt und bilden einen interessanten Kontrast zur Fassade des Gebäudes, die in keiner Weise vermuten lässt, was den Besucher im Inneren erwartet. Doch nicht nur die sichtbaren Oberflächen, auch das technisch Anspruchsvolle im Verborgenen wurde von der Jury explizit ausgezeichnet. Ihr Votum: eine handwerkliche Leistung, die den Sieg in der Kategorie Trockenbau zweifelsfrei verdient hat.
Umrahmte Gewinner
Die vier Gewinner von TM Ausbau aus Puchheim in der Mitte (v. l.): Markus Pohla (OM), Richard Ziegler (Gf.) Martin Sedlmair (BL) und Georg Rager (Berereichsleiter Süd 1) umrahmt von den Rigips Geschäftsführern (v. l.) Dr. Rüdiger Vogel und Werner Hansmann sowie Regional Manager Saint-Gobain Michael Wörtler (2. v. r.) unddem Jurypaten Prof. Dr. Karsten Tichelmann (r.).
Foto: Foto: Rigips/Behrend & Rausch