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Dialog für den Abbau von Naturgips

Mit dem bereits laufenden Prozess des Kohleausstiegs geht der Gipsbranche die günstige wie ökologisch sinnvolle Rohstoffquelle REA-Gips verloren. Der Abbau von Naturgips ist die einzige Alternative. Doch das bedeutet Eingriffe in die heimische Natur. Um dafür Akzeptanz zu schaffen, hat die Gipsindustrie Politik und Gesellschaft zu einem Dialogforum eingeladen.

Naturgipsabbau BV Gips
Der Wegfall von REA-Gips erzwingt den Abbau von Naturgips. Foto: BV Gips

Bund, Länder und Regionen sollten in einem solchen Diskussionsforum genauso vertreten sein wie Gewerkschaften, Naturschutzverbände und die Gipsindustrie selbst. Diese Vorschläge unterbreiten die im Bundesverband Gips organisierten Unternehmen in einem Offenen Brief an die in Bund und Ländern zuständigen Ministerien für Wirtschaft, für Umwelt und für Bauen sowie an die entsprechenden Ausschüsse im Deutschen Bundestag.

„Wir befinden uns in einem Rohstoff-Dilemma und steuern mehr und mehr auf eine Versorgungskrise beim Gips zu“, erklärt dazu der Geschäftsführer des BV Gips, Dipl.-Ing. Holger Ortleb. „Mit dem absehbaren Wegfall der Gipse aus Rauchgasentschwefelungsanlagen (REA-Gips) durch das Ende der Kohleverstromung tut sich in Deutschland eine Versorgungslücke beim Rohstoff Gips auf. Fast die Hälfte der in Deutschland verarbeiteten Menge von ca. jährlich 10 Mio. Tonnen Gips stammt derzeit noch aus der Rauchgasentschwefelung. Sie müssen ersetzt werden, denn der Bedarf an Gips wird in den kommenden Jahren steigen - darin sind sich alle Experten einig.“

Ortleb verweist dabei auf die herausragende Bedeutung von Gips als Baustoff im modernen Hochbau. Klimafreundliche, nachhaltige Trocken- und Leichtbauweisen kämen ohne Gips nicht aus, wenn sie ressourceneffizient, brandsicher und bezahlbar sein sollen. „Wir werden deshalb um einen zusätzlichen Abbau von Naturgips nicht herumkommen“, so Ortleb. Obwohl die Unternehmen dabei so umweltschonend wie nur möglich vorgingen, träfen sie bei Erweiterungen oder beim Neuaufschluss von Abbaustätten immer wieder auf Widerstand. „Gipsgewinnung und Naturschutz sind vereinbar“, betont Ortleb. „Denn es handelt sich bei der Gipsgewinnung immer um zeitlich begrenzte, genauestens dokumentierte und kontrollierte Eingriffe in eine Landschaft. Sowohl während als auch nach Ende der Gewinnung sind ehemalige Abbauflächen meist wertvollste Biotope für gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Dies wissen aber nur wenige Menschen, und auch nur wenigen ist bewusst, dass die Gipsindustrie den Rohstoffbedarf nicht weckt, sondern ihn deckt. Wir produzieren nur so viel, wie die Gesellschaft von uns verlangt.“

Rekrutierung BV Gips
Eingriffe in die Landschaft werden unvermeidlich sein. Foto: BV Gips

An der Suche nach alternativen Quellen für den Rohstoff Gips beteilige sich die Gipsindustrie seit Jahrzehnten. Forschungs- und Entwicklungsvorhaben mit mehreren Universitäten und Hochschulen liefen oder seien bereits abgeschlossen. Allerdings zeige sich, dass es vielfach technische und quantitative Grenzen gebe. Gipse aus der Herstellung von Phosphorsäure stünden zwar - wenn auch nicht in Deutschland - in ausreichendem Maße zur Verfügung; sie seien allerdings radioaktiv und mit Schwermetallen belastet und müssten von weither importiert werden. Die Notwendigkeit, Phosphorgips mit mindestens 20 % Wassergehalt trocknen zu müssen, verschlechtert den an sich hervorragenden CO2-Footprint von Gipsprodukten gravierend.

Gips aus Recyclinganlagen mache aufgrund fehlender recycelbarer Gips-Abfallmengen nur einen verschwindend geringen Teil der in Deutschland benötigten Gesamtmenge von 10 Mio. Tonnen jährlich aus. Importe von Naturgips aus anderen Ländern verlagerten die Abbauthematik ins Ausland und erzeugten höhere CO2-Emissionen sowie unnötige Abhängigkeiten. „Um Transporte zu minimieren und die Wertschöpfung in den Gipsregionen zu erhalten, ist die Fortsetzung der umweltverträglichen Gipsgewinnung die langfristig bessere Lösung für Region, Wirtschaft und Umwelt.“, so Ortleb. Dies habe auch die Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ (die sogenannte „Kohlekommission“) in ihrem Abschlussbericht unmissverständlich festgestellt, als sie die Kompensation von REA-Gips durch Naturgips empfohlen hat.

Um diese Aspekte einer künftigen heimischen Gipsgewinnung und Gipsversorgung sachlich zu diskutieren, sollte nach Ansicht des BV Gips ein Dialogforum mit allen Beteiligten eingerichtet werden. Sein Schreiben an die verschiedenen Ministerien und an die Ausschüsse des Deutschen Bundestages versteht sich als erste Anregung in diese Richtung. Es gelte jetzt, eine mögliche Schirmherrschaft zu finden und eine Organisationsform für ein solches Dialogforum zu entwickeln, um faktenorientiert Lösungen für diese gemeinschaftliche Versorgungsaufgabe zu erarbeiten und zu realisieren.

Offener Brief der Gipsindustrie